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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-28 · Heft 64 (28.5.1839) · p. Seite 260

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 64 (28.5.1839)
Date
1839-05-28
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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260 der Literatur. Man sieht wenige gerichtliche, kalendarische und rituelle Formeln, z. B. das Formular der donatio protper nuptias (Ketubö), der EhescheidungSbries (Get), der Kaufunv Verkaufskonrrakt, vorzüglich der Sklaven, die JnlercalationSschreibcn (Jgrür Jbur ha Schana) und einige Gebete, erschienen bis in die talmudische Zeit aramäisch abgefaßr. Nie wich daö Hebräische ganz und gar dem Eindringen des Aramaismuö, sondern es schmolz eher mit diesem stammverwandten Idiom zu einer gemischten Vulgärsprache zusammen, die im neuen Testamente wegen ihrer hebräischen Grundzüge mit einem auch für das Reindebräische' gebräuchlichen Namen: 'Bß^ucg ö'udty.ios heißt. Auch in den ersten sechs Jahrhunderten der gcw. Zeitrechnung, in der Blüthczcit der jüdischen Akademien,in Palästina und Babylonien war weder hier noch dort das Rein-Aramäische die Sprache deö Volkes sondern in Palästina ein palästinisches Aramailch Oebräifch, und in Babylonien ein babylonisches Aramäisch- Hebräisch, zwei' Mischdialekte, von denen der letztere alö dcr reinere schlechthin Aramäisch (Arami), der andere mehr gemengte Syrisch (Su rsi) genannt wird. Oft werden beioe Benennungen, da sie nicht einmal dialektische Verschiedenheiten bezeichnen, als gleichbedeutend wir einander verwechselt. Unterschieden wird das Aramäische vom Syrischen z. B. Sota IX, b. vgl. Ebel Rabati VJJI, 2. In der Stunde seines Todes sagte Samuel Qathan: „Simeon und Israel sind zum Tod durchs Schwert, das übrige gesammte Volk zur Beute bestimmt, und große Bedrängnisse nahen heran. Er sagte dieö in aramäischer Sprache, und die Umstehenden verstanden nicht was er sagtet" R'abi fragt (Qama 3, a): Warum herrscht in Palästina die syrische Sprache? Warum nicht entweder die heilige Sprache oder die griechische? Und ein gewisser Jose stellt die Gegenfrage: „Warum herrscht in Babylonien die aramäische. Sprache? Warum nicht entweder die heilige oder die persische? Vgl. Toscfta Qama 3, 1. Als identisch erscheint Arami und Sursi j. Sotha VIII.: Samuel Ben Nachmani sagt im Namen Johanen's, die syrische Sprache sei nicht geringfügig in deinen Augen, denn im Gesetz, in den Propheten und Hagiographen ist von ihr die Rede. Im Gesetz Gm 31, 37pfln den Propheten Jer. 10,11; in den Hagiographen Dan. 2, 4. (s. Sotha 33, a). Rab sagt: Nie bitte man Gott um seine Bedürfnisse in aramäischer Sprache! DieSprache des tiberiensischcn Talmud heißt im Munde der Babylonier Arami Qa lila (Qama, Auf.). — Man. kann die damalige Volkssprache der Juden gewiyermaßen mit dem Iüdischdeutsch vergleichen, welcher, früher in Deutschland und noch jetzt in den Slavenländern als Sprache des gewöhnlichen Lebens gebräuchlich, gleichfalls reich an hebräischen Grundstoffen ist, aber dadurch sich unterscheidet, daß er durch den Zusammenfluß der buntscheckigsten Mischtheile aus den an sich heterogenen Sprachen des Abendlandes zu einem bizarren Zerrbild geworden ist. Man wahne ja nicht, daß die Targumen Vier damalige Volkssprache getreu refiectiren. Sie verhalten sich zu derselben, wie Mendelssohn's hochdeutsche Uebersetzung des Pentateuch zu dem jüdischdeutschen Jargon, welchen sie,zu verdrängen bezweckte. Die Paraphrasien,. die mit Absicht aramäisch schrieben, streben Reinheit und Eleganz im aramäischen Ausdrucke an, und dessenungeachtet konnten sie sich des' Einflusses nicht erwehren, den thoilö das biblische Hebräisch,' theils daS.Neuhebräische auf sie äußerte. Neben jenem hebräischaramäischen Mischdialekt war die hebräische Sprache, die sich aus den Wirren des weltlichen Verkehrs und aus den Gemächern der vornehmen Welt, in denen da« Griechische gesprochen wurde, in die höhern Kreise des Gottesdienstes, des Gesetzstudiums und des SchriftthuMS zurückgezogen hatte, in ununterbrochener Entwickelung um sich selber begriffen. Sie entfaltete ihren Sprachschatzimmer weiter, rheils für Liturgie und religiöse Poesie, theils für Dogmatik und synagogale Gesehlehre, theils auch für die exotischen Wissenschaften. Die verschiedenen Charaktere, die siel in der Ausbildu ng für diese verschiedenen Zwecke annahm, finö; nur verschiedene Stylarten Einer und derselben Sprache, vielgestaltige Evolutionen Eines und desselben elementarischen Wortvorraths. Was die Fortbildung zu einer Sprache der Wissenschaft insbesondere betrifft,, so berichtet Epiphaniuö, seit 367 Bischof von Salamiip, daß namentlich die Astronomie von den Pharisäern betrieben, und daß die griechische Terminologie dieser Wissenschaft von ihnen ins Hebräische umgebildet worden sei. Freilich ist cs kaum denkbar, daß Epiphanius die folgenden Planeten - und Thierkreis-Namen so verderbt geschrieben habe, wie sie jetzt,., fast unerklärbar, in den Ausgaben stehen, indessen, so weit seine wenigen Worte einigermaßen beleuchtet werden kon- -ncn, sind sie gewiß einer näheren Beachtung würdig. „Auch das Fatum und die Astronomie", sagte er im ersten Buche.gegen die Haresier, „stand bei den Pharisäern in großem Ansehen. Um gleich-.ein Beispiel anzuführen, die griechischen Termen jener vcrirrteu und verführerischen Wissenschaft übertrugen sie in entsprechende hebräische Benenmigen. So wurde die Sonne von ihnen (b. i/Hf.tcc-yca-GS/Ltsgs^iy^ i'n genannt, der Mond ‘rtQitxcucdßuvct (d. i. 'hQtE-y.cu-cO.ßuva Nd2^N), weshalb derselbe auch Mrjvrj genannt wird. Der (rrn, heißt der Monat (ö .u^V) und der Mond deshalb JiTrjt'fj auch"' bei den Griechen.- Den Marö nannten sie Xtoylß Oy.fx(uk 2212, später , den Jupiter Xoyysß Bctak (b3>2 2212), den Merkur O^uo'cF ( ... ^212, später 2212 auch , die Venus ^sQova - j-ftb , arab. ober Aovrfi (f. v. a. rnVib, Krnbl2 ,~ btc 3CU5. gung^, baf. Mvkma bei Herod. I, 131.), den' Saturn Xajytß Znßnd . (n2*2 2212, späterSie haben auch andere Benennungen; ich kann aber eine Äomenclatur derselben nicht genau angeben. — Auch für die Zeichen des Zodiakus haben sie hebräische Namen :'Tskdre , tfbü) der Widder, -Tw? (tnü) der Stier, ü^qi'ri) die Zwillinge, der Krebs,!//pA der Löwe, Beü-ovku die Zungfrau, Mtotavrj (0-137^73, *]TiS72) die Wage, 1dznaß (22^) der Skorpion, Keatt '(niap) ter Sogen, — Schütze, raöC der Steinbock, der Wassermann, (q\^) äi'e Fische. So schlossen sich d'ie Pharisäer ganz den Griechen an, und übertrugen auf diese Weise die griechischen Benennungen ins Hebräische {dg rr]v EßquCdu, sc. d'tdkexTov)." Bis hieher Epiphanius. — In der Druckerei des gelehrten Salmoni Gentilomo e Clava in .Livorno, der jüngst erst die Druckerei dorr gekauft hat, erschien so eben: Zeller Tetila libne Italia roeturgam Italqit, orazioni degl’ Israeliti’ di rito italiano tradiizione di Samuel David L u z z a 11 o, da Trieste, 2v edizione corretta .dall’ antore. Livorno, 1837. 8. Ferner: Graminaticä compendiata della Iingna ebraicä,-> di S. D. Luzzatto. Livorno , 1837. '8. Obgleich diese Bücher nur für den täglichen Bedarf.von unserem gelehrten Luzzatto auögearbeitet sind,, daher für die Wissenschaft des Jüdenthumö ohne'Interesse, so ist uns doch diese Thakigleit lieb, da wir wissen, daß Luzzatto und seine'Schüler die vorzüglichsten Bekämpfer gegen den dort überhandnehmenden Jndifferentismus sind. —. . ^unffc hier. .' - S. 226. Sp. 2. Z. b. v. unten muß es „Taube" für „Laube" heißen, was wir zu bemerken bitten: No. 59. S. 235. Sp. 1. A. 1. v. 0. muß es „fermes moäöles" heißen. Redacteur: vr. L. Philippfon. —, Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hrrfchfeld.

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