Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 63 (25.5.1839)
- Date
- 1839-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225077--01886-3234425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ui. Jahrgang. Allgemeine No.HA. LeitWg -es Zu-eitthums. ' -Ein unpartheiischcS Organ für alles jüdische Jntcrefft (Mit König». Sächsischer allergnädkgster eoncesiion ) Leipzig, den 25. Mai 1839. Zeitungsnachrichten. Krotoschin, 1. Mai. (Privatmktth.) Die Fortschritte im Gebiete des Judenthums, die in unsrer Zeit auf eine so erfreuliche Weise kn glanzenden Erscheinungen hervortreten, zeigten sich auch in hiesiger Gemeinde bei einer Veranlassung, deren Bekanntmachung den Lesern nicht unwillkommen sein dürfte. - Der durch seine Leistungen im homiletischen Fache von Warschau aus rühmlichft .bekannte Kandidat der Theologie/ Herr X M. .Goldschmidt, wurde während seines hiesigen, kurzen Aufenthalts bei seinen .Verwandten Seitens des Eorpocations -Vorstandes auf eine ehrenvolle Weise schriftlich ersucht, in unsrer Gemeinde «Synagoge einen gottesdienstlichen Vortrag zu halten, wozu Herr G. aus Anhänglichkeit an seine Vaterstadt sich auch gern bereit fand. Und so hatten wir denn zum ersten Mat: Gelegenheit, am vergangenen Sabbat hier einen, den strengsten Forderungen der Religion entsprechenden, .durch Gemüthlichkeit wie durch Kraft gleich ausgezeichneten Vortrag zu hören. 'Es waren tiefergreifende Worte eines für seinen heiligen Beruf begeisterten, von wahrer Liebe , für seine Religion und für sein Volk durchdrungenen Mannes; Worte, die, .aus der Fülle eines von der heiligen Sache erwärmten Herzens kommend, des Eindrucks'auf das Her; nicht verfehlten. Indem der Redner zuvörderst von der Zerrüttung in dem religiösen Leben.Israels ein.getreues Bild entwarf und gegen die Lauigkeit in den heiligsten. Interessen mit aller Kraft des lebendigen Wortes" eiferte, zeigte er, wie auch die Gemeinde/ zu der er sprach / an der allgemeinen Krankheit leide, -Lie^.besonders. dadurch sich äußere, daß zweien-, tief fühlbaren Bedürfnissen in hiesiger Gemeinde, die zweckmäßige Besetzung der vakanten R a bb i n e n stel! e und der Wiederaufbau des vor 1.2 Jahren abgcbxannten Te lnp e ls, nicht genügt-werde. ' In Mf ekschülternden Worten schilderte er rücksichtslos die Nachtheile) welche aus der Gleichgültigkeit gegen diese! wichtigen ^Angelegenheiten für das Gemeindeweftn schon, hervopgegangen .und) noch hervorzugehew drohen; und sichtbar war der durch diese Schilderung auf alle Gemüther gemachte Eindruck. Der Anklang, den die wohlgemeinten,- aber streng -ausgesprochenen Ermahnungen bei allen Zuhörern ohne Unterschied gefunden, ist ein erfreulicher Beweis, daß, der alte fromme Sinn unserer Gemeinde, wenn auch aus Mangel an Anregung geschwächt, dennochnicht ganz gewichen ist, und daß es nur der geeigneten Mittel bedarf, um unsrer durch' Unwissenheit und Jndifferentismüs .tief-gesunkenen Religionihre ehemalige Weihe und Kraft wiederzugeben. v Wahrend hier/ wie überall, die üblichen Vorträge in den Gotteshäusern fast .keine Zuhörer mehr finden, versammelte sich zu der Predigt des Herrn G. eine zahlreiche Menge von. Zuhörern und Zuhörerinnen, welche das Lokal nicht - fassen konnte. Und mag auch zum Theil Neugier die Triebfeder davon, gewesen: sein, so bewahrte doch der Erfolg den. talmudischen SatzNicht nur, daß allgemein der kebhafte Wunsch sich aussprach, solche Vorträge öfter zu hören, sondern es ward auch der feste Vorsatz, erzeugt, aus. die Beseitigung der vom Herrn G. zur Sprache gebrachten Mißstande in der Gemeinde mit allem Ernste bedacht zu sein.. Was die Vortrage dieses jungen Theologen ganz besonders charakterisirt, ist, daß derselbe zur Bekämpfung der bestehenden Uebel nöthigen Waffen aus der vollen Rüstkammer des Talmuds, und der Midraschim herholt und sie geschickt anzuwenden versteht, welche Act und Weise uns deshalb die zweckmäßigste zu sein scheint, weil die Benutzung d'.eftr Quellen einerseits der Rede ein jüdisch-nationelles Gepräge giebt und andrerseits die Conftrvativen eben so zu entwaffnen, als sie für die nothwendigen, von der Zeit her-, vorgerufenen Institutionen empfänglich zu machen vermag. Indem wir dem Herrn Goldschmldt für den uns bereiteten, bisher hier noch nie empfundenen Genuß hiermit auf's lebhafteste danken, wünschen wir, daß seine Vortrage stets willige Ohren und empfängliche. Herzen finden mögen.! A p. NI. Glogau, 1. Mai. . (Privatmitth.) Durch die Kckegesjahre bis 1814 waren der bedeutsamen und tief wirkenden Elemente gar Viele auch-kn das Leben des Judenthums gekommen.- Durch den. Umschwungder Dinge waren auch die 'inneren und äußeren^ Verhältnisse des Judenthums J» Umschwung gerathen, es trat in das allgemeine Leben ein, und nahm einen thatigen Antheil an seinen Kämpfen Und Wehen. Aber nun bedürfte auch das Judenthum des Friedens, um diese Elemente sicher Und' ohne Gefahr M' überwältigen uyd die Religion und has frekgewordenezbürger-. liche Leben zu vereinbaren. Dieser Frieden war eine, höchste Nothwendigkeit geworden. Ohne ihn mußte alles Religiöse' früher oder späteren. Haltungsloft Verwirrung stürzenaus' der kein Ariadnefaden herauszuleiten vermochte. Der Feie-- den ward errungen. Aber es-ist nicht an uns, zu besprechen, wie weit auch irn Judenthume bis jetzt die Befriedkgung erlangt, oder wie weit jeglicher Streit zu Ende ge-