Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 62 (23.5.1839)
- Date
- 1839-05-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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LH. Jahrgang. Allgemeine No. VT. Ei» unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Conceffion.) Leipzig, den 23. Mai 1839. Zeitungsnachrichten. Paris, 3. Mai. (Privatmktth.). Als eine Neuerung an hiesigem Orte kann ich Ihnen Folgendes bezeichnen. Am zweiten'Ostertage bestieg Herr Zay, ein junger Theologe aus Metz, eben aus der Rabbinenschule dieses Ortes hervorgegangen, nachdem ec den Gottesdienst als Chasan mit einem Chore geleitet, die Kanzel, und hielt eine gute Predigt; derselbe predigte auch am Sabbat, 26. April. Dieser junge Mann verspricht viel, ec hat Rednertalent, Leichtigkeit der Rede, gefällige Darstellung, und spricht nicht vom Blatte. Bis jetzt war die israelitische Kanzel ein sehr unnützes Gerath hier, Herr Zay, wenn er Anstrengung und guten Rath nicht scheut, wird sie sehr nützlich machen. Er ist provisorisch als Vorsänger und Prediger angesiellt.— Herr M. Ensheim, aus. Metz, ein ausgezeichneter Philologe, welcher lang in Freundschaft mit Mendelssohn gelebt hat, ist so eben sehr bejahrt zu Baysrine gestorben, in der Familie des Herrn Furtado, wohin er sich 1830 zurückgezogen. Wir werden auf diesen bescheidenen und ausgezeichneten Gelehrten zurückkommen. —. Le semeur, ein protestantisches Blatt, welches hier erscheint, giebt in seiner Nummer vom dritten April, nach dem Quartcilev Review einige Nachrichten über die Arbei!- ten der englischen Missionaire. Man ersteht daraus, daß zu Glasgow in Schottland ein öffentlicher Kursus gehalten wird, um die Christen über die Stellung der Nachkommen Adraham's und über die Pflichten, welche die Christen gegen sie zu erfüllen haben, zu belehren. Ein gleicher Kursus wurde zu Edinburg gehalten. Der Semeur wünscht sich Glück über diese lobenswerrhen Anstrengungen, meint aber, wahrend alles dies vor sich gehe, „schienen die Israeliten immer mehr von dem heißen Wunsche erfüllt, nach Palästina zurückzukehren." Aufrichtig gesagt, die Unbekanntschaft dieser Leute mit dem Judenthume und dessen Bekenner», deren'Wünschen und Bestrebungen erregt oft Lachen, wenn man sie dadurch in einem frommen Feldzuge gegen Dinge begriffen sieht, die nur, wie die Riesen des-Don Quixote, in ihrem Gehirne existiren. Mag auch die. Hoffnung, einst nach Palästina zurückzukehren, unter dem schirmenden Flügel dessen, der kommen soll, in dem Geiste einiger 'Orthodoxen leben, mag dies auch in vielen Gebeten unsrer Liturgie noch ausgedrückt sein: den Wunsch, selbst dahin zurückzukehren, unter ein jüdisches Regiment dahin zurückzukehren, hegt kein einziger Jude bei Verstände, das kann nur in der Einbildung einiger enthusiastischen Christen vor sich gehen: ich glaube nicht, von irgend Jemandem hierin der Lüge gezecht, zu werden! Wann wird man überhaupt aufhören, die Herrschaft der Religion mit' weltlicher Macht. zu identift'ciren! Unsere Brüder in Deutschland wollen emancipirt sein. um, bürgerlich frei, ihre Religion auch geistig frei bekennen zu können; um, Theit nehmend an dem allgemeinen Leben der Menschenwelt, den Wahrheiten ihrer Religion .treu.anhangen zu können. Sie wollen nicht mehr ausgeschlossen sein von den allgemeinen Bestrebungen der Menschen, aber nicht aufhören, den Überzeugungen ihrer Religion zu huldigen. Wie wäre dies nur mit den Wünschen des Semeur zu vereinbaren? Berlin, 7. Mai. (Privatmitth.). Bor Allem machen wir die rn No. 14 ausgesprochene Aufforderung, .mögen dem höchst. löblichen Beispiele hiesiger Gemeinde bald die größern Städte unserer Monarchie folgen, nochmals hier in vollem Ernste geltend, und damit der Königsberger Correspondent dieselbe nicht wieder zu kühn finde, wollen wir für heute die hier getroffene Synagogenordnung etwas näher berichten. Seit dem 19. Nov. v. I. ist mit Zustimmung des Rabdinats durch die Herren Vorsteher und Aeltesten hiesiger Gemeinde eine Verbesserung des Gottesdienstes ins Leben getreten, und zwar, wie schon kn No. 14 bemerkt, das -Plaudern in der Synagoge bei Strafe untersagt, der profane trillernde Gesang eingestellt, das Mizwotverkaufen abgeschafft, und die sonst höchst widerliche Kleidung des Obervorsangecs — der eigentlichen Hauptperson.im ganzen jüdischen Gottesdienste — mit einem geistlichen Talar und Barrete vertauscht worden *). An den Gebeten wurde weiter nichts geändert, nur daß der Sängerchor, unter der mu- «) Gegen die unstatthafte Mizwotauction eifert schon mit den Worten ("n aran lrS2 “io V2 n"r< Man siehe) ■»sa w, n2 n2*p sin inr ‘jmtt vd mzn rirpH,,;//-p?a:ai fipüV Ungleichen drangen schon die alten Rabbiner! auf da6 Tragen eines Talars, so heißt es einmal qvjio "nfo tw-is yfe •nan, tnh» 2n2 ,/ inan ‘-i*o "n Nbra ü'ö'na *p!rp r>*mi, 22-11 -pbpb ^2 ü^pa t-pid ■pbih 1N-1\ Nähere Belege findet man darüber a"a 1212^ '.jf» n"a N2-> "2 NE31T selbst der Talmud sagt in nnn „ man n^?2p wo «yi« N-11L< ,