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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-21 · Heft 61 (21.5.1839) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 61 (21.5.1839)
Date
1839-05-21
Page
Seite 246 (sequence 4)
Language
German
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246 Auszüge. Aus dem Panorama des Universums. Prag. Haast und Söhne. Der alte Zudenfrievhof in Prag und ferne Sagen. ' (Fortsetzung-) Geht man den Fußpfad, der vom Haufe No. 241 quer durch die schmälste Stelle des JudenfriedhofeS fubrr, so gelangt man zu zwei Grabsteinen", welche die Aufmerksamkeit jedes Besuchers verdienen. ES sind die Sarkophage SchimeunS des-Gerechten und der Anna Schmiedes. Das.Grabanal der letzteren erkennt man an einem an der Seite angebrachten Wappen, bestehend aus drei Feldern, von denen das mittlere drei Swi ne,-von den Seltenfeldern aber jedes einen Löwen enthält. Nach einer sehr verbreiteren Sage soll eine polnische Fürstin oder Königin hier ruhen, welche eigene Münzen prägte: die Wahrheit aber mag sein, daß diese Anna Schmiedes zur Zeit, als in Böhmen das Münzrcgal verpachtet war, an diesem Pachte Theil genommen. Von dem Grabe des Rabbi Schimeun gehl folgende poetische Säger °) . Es war gegen die Mitte des zwölften Jahrhunderts, da kam in Prag der gelehrte Rabbi Jarchi den Isaak aus fremden Landen an, und entzückte alle Söhne Israels durch seine Kenntnipe im Talmud und andern Wissenschaften, durch seine Frömmigkeit, durch seinen gerechten Wandel. Die Verehrung, die dieser Rabbi unter den Juden genoß, erregte den Argwohn der Christen, und es verbreitere sich das Gerücht, Rabbi Jarchi fei ein falscher Messias. Als nun am Abend des ersten- Passahfcstes Rabbi Jarchi gerade das übliche Gebet sprach, da stürzte ein fremder Mann in das Gemach und spaltete dem Rabbi den Kopf. Groß war die Bestürzung unter ganz Israel, nur Lea, die junge Gattin deS Erschlagenen , zeigte noch Mutb und Hoffnung. Und als die Leiche gewaschen worden mar, und in den Sarg gelegt werden sollte, da eilte Lea herbei, öffnete eine Phiole und goß Balsam auf die Wunde des geliebten Gatten. Und siehe,. Rabbi Jarchi erhob sich und stand lebend und gesund da über seinem Sarge, in der Milte der Trauernden und Weinenden. Doch bald bedachten die Versammelten, daß wenn Jarchis Mörder seine Wiedererweckung erführen, sein Leben neuen Verfolgungen ausgei'etzt sein würde. Darum ward beschlosten, der Rabbi solle scheinbar feierlich beg-rabeit werden, unrerdeß aber nach feiner Heimath zurückkehren. Es ward ein Grab gegraben, und •) Die Sage von dem mit wunderbaren Begebenheiten verbundenen Aufenthalte Raschi'v in Pra.q findet man weirläuttiq mirqetbeilt in ,,D e p» pir»g'S Juden im Mittelalter" S. 102 ff., wo aber die obige Sage fehlt. Wahrscheinlich ging sie ans der Verwechslung mit einem ander» Gelehrten hervor. - Neda kt. in dieses rin Sarg, mit -Erde gefüllt, gethan. Rabbi. Jarchi aber sprach, bevor'er abreiste: „Es ist ein Spruch meiner Väter: „DaS Grab, das nach Dir benannt worden ist, soll keine andern, als Deine Gebeine tragen, sonst kvimnt Schmach und Schande über das Volk Israel." Darum will ich, daß mein Grab mir Vorbehalten bleibe, und wenn einst Jehovah mich in Abrahams Schoß beruft, meine Gebeine aus der Ferne hieher übertragen werden." Und nachdem er also gesprochen, reifte er mir seiner geliebten Lea ab. Nach seiner Abreise erhoben seine Feinde ihr Haupt und verketzerten, den Rabbi. Das Volk, da-S wie ein schwankendes Rohr sich nach dem Winde dreht, stimmte in dieses Anarhem ein, und war Jarchi ben Jsa-ak noch vor Kurzem der Gegenstand fast abgöttischer Verehrung gewesen, so war er jetzt der des'tiefsten AbscheueS, und wer seinen Namen nannte, spuckte dabei aus. Um Jarchis Andenken gänzlich zu verwischen, ward sein Name von dem Grabsteine, unter dem seine Gebeine einst ruhen sollten, abgekratzt, und in daS Grab ein kürzlich Verstorbener gelegt. Aber am andern Morgen lag die Leiche neben dem Grabe und Rabbi Jarchis Name glänzte mir goldenen Buchstaben auf dem Steine. Die Juden begruben die Leiche und vernichteten den Namen wieder, doch am andern Morgen fanden sie die Leiche wieder hinauögcworfen und Jarchis ^Namen wieder hell in goldenen Buchstaben glänzend. Da beschloucn sie, um den Zauber, der diesem Grabe inwohnte, zu vernichten, das Grab zu zerstören, den Leichenstein zu zertrümmern. Und sie rhatcn, wie sie beschlossen hatten. AlS sie aber am Morgen in den Bet Chaim kamen, war das Grab, wie zuvor, und der Stein ragte unverletzt mir Jarchis hellglänzendem Namen^ darüber. Von nun. an wagte niemand mehr diese Stätte zu berühren, und Jarchis Name genoß dieselbe Achtung und Verehrung, wie in den Tagen seines Ruhmes. Und als er nach langen Jahren in fernem Lande starb, da wurden feine Gebeine nach Prag übertragen, und in dem ihm bestimmten Grabe bestattet. Einige Jahrhunderte spater lebte in Prag wieder ein ungemein frommer u-rd weiser Rabbi, vom Volke Schiiueun der Gerechte, von seinen Schülern der höbe Schimeun genannt. Er war ein eifriger Verehrer Jarchi's ben Isaak, und wenn er diesen Namen nannte, und seinen Schülern von desien heiligem Wandel erzählte, da glänzte sein Auge vor Begeisterung, Als er starb, weinte das ganze Volk Juda, und wußte sich keinen Trost in der Betrübniß. Die Bocherim aber gingen nach dem Friedhof und suchten.mit thranenfeuchten Blicken nach einer papenden Grabstätte für ihren Heimgegangenen.Meister. Und als sie zum Grabe Jarchis kamen, siehe, da war Jarchis Name von seinem Sarkophage verschwunden, und jener SchimeunS deö Gerechten glanzte strahlend von-dem Steine ihnen entgegen.. Und Schimeun ward in diesem Grabe bestattet und seine Gebeine liegen noch bis auf den heutigen Tag in dieser Stätte. (Sch luß folgt.) Bemerk ,1.1t ft e rr. Den cingesandtcn Art. des.Herrn A. B. in Warschau können wir mir dem besten Willen nicht aufnehmen, da er eine Privatsache betrifft, die noch dazu dem allgemeinen Publikum ganz-unverständlich bleibt. Für solche Artikel können wir stets nur auf den „Anzeiger" Hinweisen, wozu jedoch Einsendung an die Verlagshandlung zu treffen. Herrn Senior Skreiaka zu Arad müssen wir zu unserm Leidwesen bemerken, daß von seinen Einsendungen auch nicht eine an uns gelangt, und die letzte vom 12. November erst heute, d. 3. Mai, eingetcoffen ist.. Er benutze lieber die Post. Herr S. Cahen zu Paris ersucht uns, zu bemerken, daß er.die Beantwortung des Briests des Herrn Reggio in No. 8. und 9. des Beiblattes ehestens veröffentlichen wird. Einige zu spat eingetroffene Meldungen zu der Stelle II, H. II. konnten nicht mehr abgesendet werden, da, wie wir erfahren, die Wahl nunmehr schon getroffen ist. Der Aufsatz und die Subscriptionsliste des Herrn ÄI. L. M. in Ob. bei B. sind uns vor einigen Tagen zugekommen, und werden zur Zeit benutzt Redactcur: vr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.

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