Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 60 (18.5.1839)
- Date
- 1839-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225074--01867-3234403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ui. Jahrgang. Allgemeine No. 60. Zeitung -es Mdenthums. Ein unparlheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit König!. Sächsischer allergnädlgsttt Concession.) Leipzig, den 18. Mai 1839. Zeitungsnachrichten. Breslau, 28. April. (Privatmitth.). Die Breslauer Zeitung enthielt vor einigen Tagen die Angabe der an. kirchliche und wohlthätige Institute im Jahre 1858 in dem Regierungsbezirke Breslau gespendeten Vermächtnisse und Geschenke, wo auf christliche Anstalten 42,450 Thlr. kommen, auf Synagogen 150 Thlr., auf israelitische Schulen 200 Thlr. So groß der Abstand zu sein scheint, so bleibr -doch das Verhaltniß ganz gleich, da im hiesigen Regierungsbezirke der 118le Mensch ein Jsraelit>ist. Dabei muß er- . wogen werden, daß hier die bei uns so häufigen Geschenke an wohlthätige Anstalten, an die Armenkassen gar nicht aufgeführt sind, wobei sehr bedeutende Summen herauskommen würden. Andrerseits ist bei einer Gemeinschaft von geringerm Umfange kein gleichmäßiger Gang in Spenden ff. zu erwarten, da hier der Zufall den meisten Spielraum hat, der in einer großem sich schon eher ausgleicht. Dennoch kann man sagen, daß im Allgemeinen der Sinn für Wohlthätigkeit, namentlich für Vermächtnisse, - unter den Israeliten abgenommen hat^ Thells die Theilnahme an den allgemeinen Instituten, thekls das Aufhören von Wohlthatigkeitszweigen, die noch nicht durch andere ersetzt sind jz. B. Bet hammidrasch), theils die größere Entfernung, welche zwischen die reicheren und, ärmeren Klassen unsrer Glaubensgenossen getreten ist, sind wvl die Ursachen dieser Erscheinung. Man muß aber bepenken, daß., so löblich und rühmlich die immer anwachsende Theilnahme der Israeliten am allgemeinen Leben ist, wir von. Staatsseiten nicht im Geringsten für unsere Gotteshäuser, Schulen ff. unterstützt werden, und so die Erhaltung derselben ganz allein auf unfern Schultern ruht, daher die Anstrengung unsrer Kräfte ganz besonders in Anspruch nimmt. Immer aber habe ich gemeint, daß in unseren wohltätigen Bestrebungen noch gar zu vielPrinciplosigkeit herrscht. Namentlich in großen Gemeinden wird vielmehr der Hang zum Müßiggang genährt, viel zu wenig auf die wahre Bedürftigkeit gesehen. Zn kleineren halt die den Juden sehr gewöhnliche Schamhaftigkeit, die Scheu, den Bekannten als arm bekannt zu sein, vor einem zu leichten Eintreten unter die Allmosenempfänger. In größeren ist natürlich dies weniger der Fall, weil es weniger bekannt wird, und der Genossen zu viele sind. In jeder größern Gemeinde müßte durchaus eine Art Arbeitsanstalt eingerichtet fein, wie diese als in Berlin eingerichtet von dieser Zeitung in No. 65 vor. I. besprochen wurde. Dann aber müßten auch überall Maßregeln zur Unterdrückung des vielen Manderns der jüdischen Bettler getroffen werden, denn diese zehren in manchen Gemeinden die besten Kräfte auf. Es müßten sich hierzu die Gemeinden nach Distrikten vereinigen. Mehrere solcher Distrikte schon würden den Zug der Bettler von Osten nach Westen und umgekehrt aufhalten. Man würde dann nur solchen, deren Reisen einen wesentlichen Zweck haben, wie schweren Kranken nach einer Heilungsanstalt, desto, kräftiger zur Hülfe kommen können. München, 28. April. (Privatmitth.). Der Wahrheit das Recht, und ver güten Sache der Sieg! — Sie wissen, welche Meinungsverschiedenheiten das allerr höchste, so genannte Neologenresccipt hervorrkef, erinnern sich, -wie die Tories unsrer Theokratie freudig in die Hände schlugen, sich im Besitze der ganzen Arena wähnten, und den Kampspceis schon ihren Vorkämpfern zu verabreichen meinten; erinnern sich, wie die Ultraliberalen und Radikalen schon bestürzt alle Hoffnung ausgaben — nur eine Partei behielt den freudigen, gottvertrauenden Muth, die Partei der rechten Conservativen. Hierunter verstehe ich aber den größten Theil der jetzt fungirenden Rabbinen und Rabbinatsaspiranten, solche, die einen religiösen Lebenswandel mit einer wissenschaftlich begründeten Aufklärung 'verbinden, solche, die das Judenthum, wie Sie sagen, historisch fo.rtführen, und den Forderungen der Zeit genügen wollen. Mit dem Worte „orthodox" ist Nichts mehr richtig bezeichnet. Orthodox find wissenschaftlich Gebildete auch, aber freilich, nicht im Sinne, wie man orthodox noch vor wenigen Dezennien zu nehmen pflegte, mit dem unverrückten Blick in die Vergangenheit, mit dem unabweislichsten Festhalten auch an der geringfügigsten alten Form. — Aber auch diese Conservativen in meinem Sinne sahen durch das plötzliche, ohne weitern Commentar erscheinende Neologenrescript fast alle Schritte, die sie bisher gethan, vereitelt, und um das heilige Werk zu sichern, an dem sie mit frommem Eifer arbeiten, ward an das königliche Ministerium des Innern die Bitte gestellt, die wörtlich also lautet: „Euere königliche Majestät möchten die allerhöchste Gnade ' „haben und anzuordnen geruhen, daß bei der Besetzung „der erledigten Rabbinate.strenge auf das Vorlegen von „Gymnasialabsolutorken, Universitätsattesten, und den „Zeugnissen von Staatskonkursen gesehen'werde, da der „erhabene Sinn, des allerhöchsten Rescriptes, in Betreff „der Besetzung der Rabbinate nicht der wäre, von diesen „früher gestellten Forderungen, nun die Bewerber zu be-