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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-16 · Heft 59 (16.5.1839) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 59 (16.5.1839)
Date
1839-05-16
Page
Seite 238 (sequence 4)
Language
German
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258 hältnisse sehr drückend — möge der Allmächtige diesen Druck von unS und' ganz Israel bald abwenden. ES ist bekannt, daß unser Kaiser zwei Hauptstädte zu seinen Residenzen hat: 1) Marocco, wo 4000 jüdische Familien wohnen; mit 36 Synagogen und eben so vielen Rabbinen - Schulen, in welchen tüchtige Rabbinen und Kabbalisten lehren. Diese Stadt ist noch vor der Zerstörung des zweiten Tempels erbaut; wegen' ihrer Lage eignet sie sich vorzüglich zum Handel mit allerlei Artikeln, besonders wird starker Handel mit Getreide getrieben. Die Umgegend ist zahllos bewohnt, und der Kaiser residkrt hier ein ganzes Jahr, um die'Staatsangelegenheiten selbst zu leiten. Eben so lange leitet er die Staatsangelegenheiten von Fez aus. Diese Stadt ist größer und -blühender als Marocco. Vor dem jedesmaligen Einzüge des Kaisers in beide Residenzen werden von den reichen Israeliten kostbare Geschenke für ihn eingekeluft, die ihm dann beim Empfange überreicht werden. Man schätzt den jedesmaligen Werth derselben auf 300,000 Franks, die Geschenke nicht mitgerechnet, welche unter die Ober- und Unterbeamten vertheilt werden, um sie sich günstig zu erhalten. Auch werden aus. den kleinen Städten Geschenke dargebracht, um sich der Gunst des Kaisers zu versichern. Nach der Ueberreichung der Geschenke nebst einem Verzeichniß über den Werth derselben, stattet Se. Majestät mündlich seinen Dank ab, und wünscht Allen recht viel Glück und Wohlleben. (Fortsetzung folgt.) Briefe des Herrn vr. Loewe ans dem Oriente. Vierter Brief. p'bb mspn-aa i&m tpbw p'Vtfn. Jerusalem den 3. August 1838. So befinde ich mich denn endlich in der so lang ersehnten Stadt. Ich bin in Jerusalem; dieser Gedanke ist hinreichend, mich alle'Leiden vergessen zu lassen, die ich erduldet habe., der ganze Weg führte mich Berg auf Berg ab,") und diese Gebirge sind von den verwegensten Menschen bewohnt.^Sie alle, wie auch die meisten Nablousier, waren im Dienste Ibrahim Pascha'S gegen die Drusen auSgezogen. Unterwegs traf ich in der Nahe eines Dorfes eine große Anzahl von Schäfern mit ihren Heerdcn um eine Quelle versammelt.- Ein Stein wurde von der Mündung gewälzt; das Wasser in ledernen Körben heraufgezogen, und eine Heerde nach der andern geiränkt, wäre nur noch ein Mädchen gekommen, so wurde ich Rachel zu sehen gedacht haben. — Dieser Weg war vor der Einnahme Syriens und Palästinas durch Ibrahim Pascha einer der unsichersten, und mit. Schaudern wies mein Begleiter aus Stellen, wo die schrecklichsten Mordthaten und Räubereien in Menge-verübt worden sind.^'Es hatte nicht daS Ansehen, als käme ich in eine große volkreiche Stadt, sondern alö verlöre ich mich nach, und nach in eine Wüste und der Weg *) ftb bibttviv wurde ffl öde, als hatten ihn seit Jahrhunderten keine Menschen betreten (mbs&i ynat Endlich zeigte sich die Stadl meinen Blicken., sie ist groß, und die hervorragenden Minarett gewähren einen schönen Anblick; aber von der Pracht, welche einst hier geherrscht hat, zeigt sich auch keine Spur. Je näher ich kam, desto öder wurde es, ungeheure Höhlen erblickte ich in allen Richtungen, und manchen in Stücke zerschmetterten Stein, der vielleicht eins der höchsten Gebäude geziert hat. Die Straßen, welche ich durchzog, um in das Quartier der Israeliten zu kommen, waren eng und schmutzig, wie in den egyptischen Städten. Ich ließ mich zum Rabbinen der Peruschim, Rabbi Israel, führen, um ein Zimmer für Geld angewiesen zu erhalten, aber ich hatte Mühe, ihm glauben zu machen, daß ich Israelit sei, denn ich sah in der Thal einem armen Beduinen oder einem arabischen Landstreicher ähnlicher, alö einem Israeliten. Ich war also gezwungen, mir meinem Bischen Wissen zu paradiren, und nun gelang es mir endlich bei einem Manne, Jsaac Graveur, ein Unterkommen zu finden. Am andern Tage machten die Vornehmsten der Stadt mir ihre Aufwartung, und überhäuften mich mit Einladungen. Meine Wunden waren aber in einem so schlimmen Zustande, daß ich in den ersten Tagen wenig ausgehen konnte. Am ging ich in die Synagoge, welche in dem Hause des Rabbi Israel sich befindet. Sie ist eins der schönsten jüdischen Gebäude in Jerusalem. Herr Akiba Lehren hat, auf Antrieb seines Brudcrs, Herrn Hirsch Lehren, der sich das größte Verdienst um Palästina erworben, diesen Hof für eine bedeutende Summe gekauft, worin mehrere Wohnungen vermiethet werden. Auch ein schönes Bet-hamwidrasch ist daselbst. Jetzt ist jedem Europäer gänzlich verboten, ein HauS anzukaufen. Einen aas i-i3Mön in Jerusalem zuzubringen, ist wahrlich nichts Geringes. Schon der erste Anblick überraschten Fremden, wenn er aus den Fenstern, der Synagoge den Oelberg mit dem -darauf stehenden Grabe der Prophetin Chulda erblickt, auf dem Teiupelberg ein hohes Minaret und ein anderes großes Haus, welches Midrasch Schelomo genannt wird. Von tiefem Schmerze muß daS Herz dcö Israeliten ergriffen werden, wenn er seinen Bruder hier seine Klagelieder lesen hört. Keine Klage ist in ganz die hier sich nicht ganz frisch bestätigt findet! Als am Morgen die eztemporirten(?) Klagelieder in deutscher Spra cb c 'vorgetragen, als der Tod von zwei tausend Personen in Erwähnung gebracht wurden, die das entsetzliche Erdbeben in Zafed im abgelaufenen Jahre verschlungen, da blieb kein Auge trocken^— Doch verweilen wir nicht länger bei diesem traurigen Bilde: — Ich machte vor Allem einen kleinen Spazierritt in der Umgegend. Jerusalem's.- Zuerst besuchte ich die Höhle von ('“ira 'nn) snira fcsnbs. Man kömmt zuerst in einen großen Vorhof, .an -dessen Eingang ein hoher Baum gepflanzt ist; zur Linken ist ein in den Felsen gehauenes große» Viereck. Nun kriecht man durch einen zweiten Eingang, und gelangt dann von einem Zimmer in das andere, die alle geschmackvoll auSgehauen sind, bis man in das Gemach kömmt, wo der Sarcophagus dieses wohlchätigen Manne» steht. Dieser, ist mit der schönsten Sculptur versehen; die Verzierungen bestehen auS Blumenkränzen, Weinblärtern, Trauben rc. Der Deckel diese- SarcophagS soll einst weggetragen, und nach einigen Tagen wiedcrgebracht worden sein. t In dem Vorhofe (einem Viereck) sind auf allen Seiten noch schöne Sculpturen zu sehen, die mit großem Geschmack ausgeführt sind. Unweit dieses Grabes ist die Höhle der Sanhedrin. Man zahlt hier 73 Sarcophage. Die Höhle ist ebenfalls mit kleinen Zimnttrchen versehen, und in jede Wand sind drei oder vier yblb (Leichen-> kammcr) gehauen. Von hier wandte ich mich zur Höhle des Hazadik. Hier war. vor einigen Jahren noch eine mpo; man hat aber daS Wasser, welches durch eine Steinrinne geleitet wurde, abgeschnitten, und so ist nun nur noch der leere Wasserbehälter zu sehen. Jahre lang könnte man in diesen Höhlen herumkriechcn, ohne zum Ende zu kommen; auch ist die Bauart derselben von der der Araber und Griechen gänzlich verschieden. (Fortsetzung folgt.)' Redakteur: vr. L. Philipps»«. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.

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