Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 59 (16.5.1839)
- Date
- 1839-05-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ui. Jahrgang. Allgemeine No. SS. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnadipstcr E»,ncefiion.) Leipzig, den 16. Mai 1839. Zeitungsnachrichten. Hamburg, 3. Mai. (Privatmitth.) In Betracht des Artikels, den jüngst das Frankfurter Journal gegen Ihre Artikel in No. 33 und 34 brachte,, ist es wol nöthig, Ihnen heranzubringen, was man auch an anderen, bedeutenden Orten darüber denkt, damit man nicht glaube, daß ^Sle hierin isolirt stehen, und nicht, wie immer, als Organ - eines großen Theils unsrer Glaubensgenossen auch in diesem Punkte dienen. — Man wird es wahrlich dem qu. Hause nicht zum Vorwurfe machen,, sich dem Geschäftszweige gewidmet zu haben, der es zu jener Höhe gehoben , zu welcher es, allen Detractoren zum Trotz, nur durch den Ruf unbegrenzter Reellitat gelangen konnte. Allein die Sache stellt sich ganz anders, wenn man, erwägend den Neid und den daraus erfolgenden Haß, Fanatismus gegen das ganze Israel, den jener ungeheure,, ganz Europa umgarnende Reichthum erwecken mußte, ferner erwägend, daß ein großer Theil der Juden durch dieses Geschäft, wegen dessen entsittlichender Kraft-, wegen der Beförderung der Unrhatigkeit und der persönlichen Feigheit, wegen des durch jenes Geschäft hervorgerufenen Geldaristokcatismus, der nicht mehr Hurch die alte, religiöse Gleichheit der Juden unter sich, durch das edle Si-rna bs gemildert, sondern durch die beständigen Kniebeugungen aller Orten und Stände in dem Glauben an die allesreimgcnde Kraft des Geldes (Kessef metaher mamserim) täglich verstärkt wird , sich von einer ^innerlich höchst. unliebenswürdigen Seite darstettt, wenn man, dies erwägend, ohne diese Umstände an sich ihren Urhebern zur Last zu legen, sondern sie einer vielleicht providentiellen Leitung zuzuschreiben, — fragt: was haben die Rothschilds gethan, um für diese Nachtheile ihre jüdischen Glaubensgenossen einigermaßen zu entschädigen?- Daß sie für die Frankfurter Gemeinde in günstiger Zeit Etwas gethan haben: wer dankt ihnen hierfür? Was man für die eigene Genossenschaft-gethan, ist nur erweiterter Egoismus. Aber haben nicht bei weitem minder begüterte Juden Größeres dergleichen ausgeführt? Die Errichtung eines Hospitals vor etwa 18 Jahren zu einem Kosienpreise von 40M0Gu'den, dasauf echte Frankfurter Manier — welche Manier unter onderm aus der Stellung der beiden' jüdischen Logen daselbst zu erkennen ist — seine Stellung einnkmmt, werden wir ihnen nicht hoch anrechnen, ebenso wenig das Almosen, das dort wöchentlich ausgeworfen wird. Aber haben sie Bildungsansialten gestiftet, Industrieschulen, polytechnische Anstalten u. s/w. für Juden begründet, haben sie kormer moelieleg durch Juden bewirtschaften lassen, haben sie Künstler, Literaten rc. großartig unterstützt, haben sie Religionsanstalten im orthodoxen Sinne befördert? Mit, Nichten haben sie der Emancipations - Angelegenheit Vorschub geleistet, und um nur Eines anzuführen, haben sie nur je, wie unsre Gegner glauben, Schriften pro Judaeis unterstützt? Von den Bemühungen in Nord-Deutschland ist nur Eine gerüchtswekse bekannt, es ist die Empfehlung eines Rabbinen an eine Norddeutsche Negierung, wo aber ein ganz sauberes ne sutor zurückgesandt wurde. Erinnert man sich des Nicht-Testamentes des Londoner Chefs, so wäre wohl eine Preisfrage auszustellen: wie weit ist es von einem Jakob Israel^ Jakobsohn bis zu den acht Glredern .dieses Hauses? Wir wollen Niemandem seine persönliche Freiheit, die Eigenthümlichkeit seiner Ansichten und Bestrebungen bestreiten: .aber wir müssen durch Sie, als.das Organ eines sehe großen Theils der Jüdischen Glaubensgenossenschaft, im Namen von Millionen, die Solidarität mit allen Kräften zurückweisen, und sagend daß der Ausdruck: Europäischer Ruf u. s. w. sich nur auf die Geldgeschäfte, nicht aber auf die Jüdische Gemeinschaft bezieht. Petersburg, 20. April. Die Preuß. Staats-Zeitung enthält in einem Artikel über die in Rußland angelegten Kolonieen folgendes Nähere über die darunter befindlichen Kolonieen der Juden. ' „Im Gouvernement Cherson befinden sich auch jetzt 9 Juden-Kolonieen. Man zahlt in diesen 8009 Individuen beider Geschlechter. Sie bestehen aus freiwilligen Ansiedlern, dse aus andern Gouvernements herüber kamen, mit dem Wunsche, sich dem Ackerbau zu widmen. Man verlieh ihnen eine zehnjährige Abgabenfreiheit. Nach *Ablauf dieser Frist sind sie in ihrer Verfassung völlig den Kronbauern gleichgestellt, nachstdem^aber noch für 59 Jahre der Rekruten-Verpflichtung entlassen. Sie stehen unter der Verwaltung der, Kolonial-Direction der Neurussischen Provinzen. Nach einem neuen Reglement, das nach der Prüfung des Reichsraths die höchste Bestätigung am 16. November 1837 erhielt, hört die früherpcojektirte Ansiedelung der Juden in Sibirien ganz auf. Sie wird jetzt nur mit Unterstützungen von der Regierung auf Kconlandereien in den Neurussischen Gouvernements statthaben, hier werden sie den Orts-Behörden und dem dortigen General-Gouverneur unterworfen sein. Jede dieser Kolonieen steht unter einem Auffeher, aus alten emeritirten und verabschiedeten Garde- oder Armee-