Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 57 (11.5.1839)
- Date
- 1839-05-11
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ii. Jahrgang. Literarisches dt». 13 homiletisches Beiblatt. Leipzig, -en 11. Mai 1839. Literatur. Bücherschau. (Fortsetzung.) 39) t-rasci-ö ‘■pro von M. Leteris. Wien. 1835. 8. S. XVI. und 144. - Gegen die vielen Uebectragungen aus dem Hebräischen in die neueren Sprachen, welche die Gegenwart dringt, gehalten, ist die Verpflanzung eines Werkes auf den hebräischen Boden ein Ereigniß, das der-Berrachtung um so würdiger ist, noch dazu, wenn jene mit Geschick und Geist vollführt ist. Man mag es nehmen, wie man will, die hebräische Sprache hat das Eigene, noch immer eine Art lebendiger Volkssprache, und zu gleicher Zeit todte, Gelehrten- Sprache zu sein, wozu denn, von christlicher Seite, noch das Studium derselben, der Lektüre der heil. Schrift wegen, kommt. Wahrend sie in den Landern der slawischen und wuhamcdanischen Völker noch vielfach im Munde der jüdischen Masse lebt, und sich in der Gegenwart rasch bewegt, ist sie bei den jüdischen-Gelehrten der.germanischen Welt noch eine stark benutzte Handhabe des schriftlichen Ausdrucks — man denke nur an die zahllosen Atteste für Lehrer, Autoren und Bettler, die immerfort cursicen, an die brieflichen Besprechungen über rituelle Easuitaten (Einzelfalle). unter den orthodoxeren Rabbinen — bei den christlichen Gelehrten ist es mehr die linguistische Forschung, welche im Auge gehalten wird. Sind daher Uedertragungen in das Hebräische zwar für letztere mehr im Wegfall, so werden sie. für jüdische Gelehrten, wenn sie des Originals mächtig sind, immer ein intereffantes Objekt der Beobachtung, wie das orientalische Gewand sich um das Gebilde des neuern Dichters schlägt, darbieten, für die, .so des Originals unkundig sind, den Werth einer. eigentümlichen Schöpfung haben, deren Genuß labt und bildet, und eben so für die Masse der gewöhnlichen Kenner der Sprache ein neues Erwerbniß. Zu gleicher Zeit aber giebt eine solche Uebertragung, wenn sie meisterhaft ausfallt, unstreitig der Sprache eine neue lebendige Fortbildung; der Ideen- und so der Ausdruckskreis wird erweitert, und der ursprüngliche O^uell der Sprache zum Forlfluß gebracht. Und wie überall Leben wiederum Leben weckt, werden jene ein Moment, an das sich vielfache Resultate in oft unbekannter Fügung knüpfen. Man kann aber auf diesem Gebiete nicht genug vor dem Mißgriff warnen, der oft genug in der Wahl des Gegenstandes geschieht. Nicht darin besteht die Fortbildung einer im Ganzen abgeschlossenen Sprache, daß ihr fremdartige, oft sogar barocke Themata aufgezwängt werden, denen sie weder gewachsen ist, noch die sie organisch in sich aufzunehmen vermag. Die wahrhafte Fortbildung kann nur in dem und durch das vor sich gehen, was an und für sich das eigentümliche Gebiet der Sprache ist, und nur durch eine neue Fassung derselben Ideengattung gewinnt sie an Leben und Energie. Viele, viele Phasen müßte sie durchschritten haben, bevor sie sich fernliegender Gegenstände als eigenchümlich bemächtigen könnte — odwol nicht ganz zu leugnen ist, daß das Genie durch sich oft mehrere solcher Phasen in eigener objektioirendec Kraft vollendet. In diesem .Bezüge konnte nun Herr Lettecks gewiß keine glücklichere Wahl treffen, als in der Athalie von Racine. Tragt dieser französische Dichter langst den Ruhm eines bibelkundigen, bibelfesten und bibelbegeisterten Sängers, so ist es namentlich seine Athalie, welche in wahrhaft biblischem Geiste geschrieben ist. Nicht bloß der Gegenstand ist'oer heil. Schrift entnommen, das ganze Eolorit ist biblisch, alle Reden derartig gehalten, der Sprache der Propheten. begegnet man überall, die Chöre sind reine Psalmen. So in das unmittelbare Gebiet der hebräischen Geschichte, Idee und Sprache gehörend, war es eine ganz würdige Aufgabe, es ihnen auch durch das hebräische Wort zu assimilicen. Die vorliegende Uebertragung der Athalie ist in freiem Geiste verfaßt, nicht wörtlich treu, sondern die Gedanken des französischen Dichters in eigenem Schwünge und mit hebräischer Weise ausdrückend. Hier abkürzend, dort erweiternd, und besonders nach echt biblischem Ausdrucke strebend. Gehr auch dadurch manches von des Dichters tieferen Nüancirungen verloren, so muß man bedenken, daß bei Uebertragungen in das Hebräische die knechtische Verfolgung des Originals durchaus keine Wesenheit hat, und im Gegenteil jene durch dieses Verfahren eine unmittelbare Schöpfung werden, welche ihre eigenen Schönheiten heraubringt. Wir wollen uns hier durchaus nicht in Ausstellungen einzelner Ausdrücke und Wendungen ergehen, wir geben zu, daß an manchen Stellen das Epigrammatische des französichen Ausdrucks verloren gegangen. Es ist nur unser.Zweck, das Publikum mit diesem trefflichen Werke bekannt zu machen, und den Verfasser zum Fortschceiten aufzumuntern. Das Eine nur wollen wir nicht zu bemerken unterlassen, daß der Vers bisweilen durch Häufung zweisylbigec Wörter, also von Jamben und Trochäen ohne Ueberschleifung schleppend und monoton wird, wozu gerade die hebräische Sprache allerdings sehr inclinirt, sobald man sie nach neuerer Metrik behandelt. Der Redefluß ist sonst sehr leichtund frisch, der Reim überall trefflich gehalten. .Indem wir dem Herrn Lettens so für