Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 57 (11.5.1839)
- Date
- 1839-05-11
- Page
- Seite 228 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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228 zur Bedingung der Anstellung gemacht. Mit welcher Umsicht,'Toleranz uyd Schonung d.er eigenthümlichen confessionellen Ansichten Sei der Entwerfung der diesfallsi'gen Verordnung zu Werke gegangen worden sei, wird jeder Unbefangene ohne weitläufige Auseinandersetzung einsehen. Nur in dem Urtheile.über die Befähigung in den allgemeinen Wissenschaften und den theologischen Vorbereitungs - und Hilfs-Wissenschaften steht den' Professoren eine zahlende Stimme zu, über die Tüchtigkeit des Kandidaten in der eigentlichen jüdischen Theologie erkennt das theologische Mitglied der israelitischen Oberkirchen-Behörde allein, und würde ein Examinand in jenen noch so glänzende, in dieser aber unzureichende Kenntnisse zeigen, er würde als nicht befähigt zurückgewkesen werden. Das horribile dictu des Hrn. Di*. G. ist also nichts als eine Popanz, welche für jeden, der sie nicht mit frommen, verdrehten Augen betrqchtet, durchaus nichts Schreckliches hat, und, , beim Lichte besehen, freundlicher als analoge Erscheinungen aussieht. Ist es denn nicht besser, wenn die Tüchtigkeit des Kandidaten in der jüdischen Theologie ebenfalls mittelst einer von der Regierung angeordneten Prüfung erörtert wird, als wenn die Regierung sich hierum gar nichts kümmert, und cs dem Kandidaten überlaßt, sich durch das Zeugniß irgend eines Rabbinen darüber zu legitimiren^ Sind denn diese Zeugnisse so schwer zu erlangen? Und entsprechen sie immer genau den Kenntnissen, oder influiren auch noch andere Umstande auf ihre Ertheilung? Auch wird in keinem andern Staate das Leben und der Fleiß des Kandidaten auch nach der Prüfung noch überwacht, und seine völlige Befähigung von dem glücklichen Erfolge einer zweiten Prüfung, die sich nahezu lediglich auf's Talmudische und Rabbinische erstreckt, abhängig gemacht, wie dies bei uns der Fall ist. Wenn ich nun auch durch diese einfache Schilderung der Sachlage den übelangebrachten Tadel und die ungerechte Klage des Hrn-. vr. G. abgewiesen, und somit einen Grund feiner Jeremiade beseitigt zu haben glaube, so betrachte ich nichtsdestoweniger seinen in der erwähnten Anmerkung ausgesprochenen Wunsch (die jüdisch-theologische Fakultät) als ffn piutn desiderium, zu dessen Befriedigung die Kräfte aller Gutgesinnten in Israel sich vereinigen sollten; denn es ist allerdings nur derjenige recht tauglich zum Rabbinen, der auf einer tüchtigen talmudischen Schule die rabbinischcn Schriften studiren gelernt und teilweise sich angeeignet.hat, und beherzigenswerth bleibt immer der Gedanke, den einer meiner Bekannten in das Wktzwort einkleidete: (vgl. Ketubot Ul/ 1) v« "P ütöd w... Theologie. Der verbesserte Cultns der israelitischen Gemeinde zn Kopenhagen. I. Historisches. (Fortsetzung.) Unterdeß war aber die bürgerliche Stellung und die geistige Cultur der Israeliten Dänemarks mächtig vorgeschritten, in allen Zweigen des Wissens, der Kunst und des Lebens hatten geachtete Männer einen ausgezeichneten Standpunkt erlangt, und die Gemeinde entfaltete eine staunenswerthe Kraftäußerung. Elementarschulen wurden errichtet. Freischulen gestiftet, und andre wohlthatige Institute, die der Gemeinde bleibende Ehre machen, ins Leben gerufen. Um so tiefer mußte die Zerrüttung und Tödtung des religiösen Lebens gefühlt werden, um so mehr Bedürfnisse erwachen, die früher nicht vorhanden gewesen. Um diesen nur' in Etwas zu genügen, wurde im Jahre 1814 die Confirmation, nebst der Anstellung eines Eatecheten, der die geistliche Function hierbei,' (aber nur hierbei, indem die übrigen geistlichen Functionen dem Rabbinen gelassen waren) auszuüben hatte, von der Regierung allerhöchst verordnet, und ungefähr 2 Jahre darnach fand die erste Relkgionsprüfung statt. Im Jahre 1817 übergaben Einige der Repräsentanten der Regierung ein Gesuch des Eatecheten, enthaltend den Wunsch, daß der Gottesdienst verbessert, und daß dieser in der Landessprache verrichtet, ' wobei zugleich vom Katcheten religiöse Vorträge vor der Gemeinde gehalten werden mögen. Schon über den ersten Punkt waren die Stimmen in der Gemeinde sehr gerheilt. Einige bestanden auf einer totalen Reform, Andre wollten keine Handbreit von der bestehenden Form weichen, und das Schwierigste dabei war, wie natürlich den Mittelweg zu finden. Dieser wurde aber keinesweges in der, noch in demselben Jahre, eingeführten Andachtübung getroffen nicht sowol wegen ihrer - Seltenheit, und der Zeit, in welcher sie gehalten wurde, als wegen des. dabei stattgesundenen gänzlichen Umsturzes der alten Form, da nur an jedem zweiten Mittwoch Nachmittags, nach Börsenschluß, unter Begleitung einer Orgel einige Psalmen abgesungen, und eine Predigt vom Katcheten dabei gehalten wurde. Uebrigens pflegte nur ein kleiner Theil der Gemeinde sich dazu einzusinden, und die Kosten soll ein einziger Mann getragen haben. Die Folge davon war, die Gemüther wurden aufgebracht, «ine große Uneinigkeit entstand in der Gemeinde, und hierdurch wurde es, dem,-mit