Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 56 (9.5.1839)
- Date
- 1839-05-09
- Page
- Seite 226 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Erhaltung des Judenthums am Herzen lieget, und die Jugend wird aus diesem Vorne neue-Lebenskraft ziehen, während sie. bei 'Lesung des Orobio oft genug. sich sagen wird: ich habe von Beidem nichts gewußt, und Beides läßt mich gleichgültig. (Schlu ß folg t.) Briefe des Herrn Di'. Loewe aus dem Oriente. Dritter Brief. : Nablous Ende Juli's 1838.; pfeb Hkpn öwa.'h ör>b Tn« . (Schluß.) ' , Ich lenkte-nun meine Schritte zurück nach einer zur Rechten liegenden Anhöhe, die in einer großen Höhle das Grab der siebzig Aeltesien enthält. Von der Spitze des Berges, auf dem Begräbnisse Pincka'S hatte ich eine' herrliche Aussicht. Vor mir lag die. Ebene Jacobs, Josef'S Grab, der Berg Ebal und Gerisim; zur Linken' das schöne Grab Eleasar's und zur Rechten das Grab der siebzig Aeltesien. . Dieses letztere hat eine arabische Inschrift auö der ich mit Müde erfuhr, Laß es den heiligen. Israeliten gehöre;, die ältesten Schriften der hiesigen Gemeinde jedoch berichten, daß hier die siebzig Aeltesien ruhen. In der Höhle sind Strohmatten ausgebreitct auf denen der Araber wie jeder. Reisende betet. Zwei Stunden von Avarta liegt das Do,rf Charis sv-iN), hier ist Jehoschua begraben. . - . Am andern Tage unternahm ich einen zweiten Ausflug und zwar nach dem Berge Gerisim. Auf der Spitze angelangt wollte ich zuerst den Altar der Samaritaner aufsuchen, der auö den zwölf Steinen erbaut sein soll, welche die Israeliten aus dem Jarden brachten; dieser war aber nicht zu finden, 'denn er wird erst in Zukunft sichtbar werden. Statt dessen fand ick eine runde mit Steinen ausgcmauerte Grube, die, mir den Ueberbleibseln ihrer Opfer angefüilt ist, welche einen sehr mrangenehmen Geruch verbreiten. Unweit davon ist eine kleine Vertiefung, wo die Opfer geschlachtet werden. Die drei Hauptfeste werden von ihnen hier mit Opfern und mit Freudengcschrei begangen, und dann ist der ganze Berg mit Zelten bedeckt. Auf dem größten Theile desselben stehen noch Ruinen von alten stark gebauten Häusern. Eine derselben wird für den Pallast des Schechem, eine andere für das Grab des Chamor ausgcgcben. Am Sabbat begab ick mich wieder zum Kaäan um dem Gottesdienste beizuwohnen. Den Sohn desselben traf ich, wie er sich Hände, Füße, Ohren, Stirne und Bart wusch, dann legte er einen weißen Ueberwurf an, eine länglich zusammengelegte Serviette, und dann setzte er einen weißen Turban auf. Der alte Kaäan kam nun auch und redete mich freundlich an: Heute sollst Du sehen, daß ich Dich liebe,, denn Du sollst mit> eingehcn und mit uns die'Tora lesen. Ich war sehr erfreut über diese Worte, und folgte ihm sogleich in das Haus eines anderen- Samaritaners: Anfangs waren wir nur vier, der alte Kaäan nämlich, seine Heiden Söhne und ich. Wir setzten unS auf auSgebreitete Polster und Teppiche, dann wurden zwei in mehre Tücher gewickelte Manufcripte gebracht, von denen das eine dem alten Kaäan > bcif andere mir vorgelegt wurde. Der Kaäan fing nun an auf eine höchst sonderbare -und unangenehme Weise abzusingen. ü. s. w, Zwei Stunden brachte ich bei dieser Disharmonie zu, und dann gingen wir in die Synagoge." Der Kaäan sagte mir: Unsere Gesetzrolle ist zu heilig, als daß wiv die ganze Para.scha daraus der Gemeinde vorlesen sollten, wir lesen ihr daher nur,einige Verse aus derselben vor, und dann setzen wir sie in das Heiligthum zurück. Wir endigen jedes Jahr die Tora und feiern dann den Simchat Tora mit Brandopfern' und taurerm Jubel auf dem Berge Gerisim. Sie legten mir nun Stellen aus der Bibel zur Ucbersetzung vor, um zu sehen ob'diese mit der in den Büchern übereinstimme, die sie von dem bekannten Wolf für die Bibelgesellschaft erhalten hatten. Zufällig kamen wir an Esra, da riefen sie voller , Wuth auö: Verflucht sei Esra") mit seinen Schriften: — Der Boden in der Synagoge'war mit Strohmatten belegt, und ein Theil derselben , durch einen Vorhang von dem klebrigen abgeschlossen. Der alte Kaäan. kam nicht in die Synagoge -,Z i-np/2 vo. Sein Sohn vertrat seine Stelle, und als sich die ganze Gemeinde in der vorhin beschriebenen Kleidung versammelt hatte, begann er mit dem Gesichte zur Gemeinde gewendet: . Schama Jasraal auj ala ana auf aat (den Tetragrammaton . sprechen sie durchgehend« Auj aus). ' Schama Jasraal auj ala ana auj aat. Dies, wurde nun von der Gemeinde in derselben Disharmonie - aber rn lauter Achtel-Noten wiederholt. Dann las er: Baraschat. bara alaam at asü)amajam waat aaaaraz, dann wieder Schama, darauf Waschamru bann Jasraal. Alles nach derselben Melodie und in derselben Aussprache"').. Sehr oft fallen Alle aufs. Knie und berühren mit der Stirne die Erde. Dies dauerte ungefähr eine halbe Stunde so fort, und Me schrieen mit lauter Stimme das meinen Ohren unausstehliche aaaaaa. In. der Mitte dieses Tobens nahm der Kaäan die Tora heraus, öffnete sie, und dann fielen Alle auf die Erde, und blieben so lange liegen bis der Kaäan, die Tora in der Hand haltend, drei Verse aus derselben abgeleiert und sie wieder ins Heiligthum zurückgesetzt hatte. Dann fangen sie wieder-an Baraaschat bis nach Waajachallaa — dann folgte Wesckamra, Schema, dann nahm er die Tora wieder heraus, die Gemeinde fiel wieder zur Erde, indem sie fick Machramen oder Muslin-Schleier unterlegten, und so ging es dreimal, und damit hatte dann der Gottesdienst ein Ende. Die Tora ist in ein Gehäuse von Bronze gesetzt, aus dem sie nie genommen wird;(?) sie ist auf Pergament geschrieben und sehr gut erhalten. .Ich will hier die Worte mittheilen, welche der Kaäan darüber in arabischer Sprache in mein, Taschenbuch geschrieben hat: - Bei uns befindet sich'ein Manuscript, welches 9463 (?) Jahr alt ist. Es ist die wahre Tora, die erste, ohne ein cingeschlichcnes Wort. Sie ist zu uns herabgckoininen duirch Mubscha auf! dem Berge Sur Ssin in der würdigen hebräischen Schrift, (die Urschrift, die älteste). Es ist die'Sprache in welcher'Adam gesprochen, und. Abraham gelehrt hat, begründet bei den Hebräern. Diese Tora befindet sich jetzt in Nablous und ist geschrieben von Abischua ben Pinchas ben Eleassar ben Ahron. - ö) Esra verdammt bekanntlich diese Seete, und gewiß nicht mit Unrecht, denn sogar noch kurz vor'dem Regierungsantritte Ibrahim Pascha's soll, wie man allgemein versichert, eine goldene Laube in ihrem Bethausegefunden worden sein. . ' "*) Von ferneren Berichten unseres Reisenden hoffen wir zu erfahren, ob die Samaritaner 'diese eiuvokalige Aussprache als eine authentische, und ob sie nicht' vielleicht ihr eiguxs verderbtes Ebräisch nur silS einen vesondrrn. Dialekt betrachrm. .V , d-i Rrdactcur: Dr. L. Philipps»,,. — Verlag »an Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschseld.