Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 55 (7.5.1839)
- Date
- 1839-05-07
- Page
- Seite 222 (sequence 4)
- Language
- German
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222 ten Kultus nicht eingenommenen Rabbinen, überall solche wählen werde, zu deren größtem Ruhme es gesagt wird, daß sie, „keine Münze" verstehen — daran werden Sie, Herr Referent, einem Jeden, der Ihr Vaterland besser als Sie kennt, zu zweifeln erlauben. Es kann dies höchstens in einigen nördlichen, an Galizien grenzenden Städten Ungarns, die von dem Chassidismus, der noch in diesem Lheile deö genannten Nachbarlandes, fast eben so stark, wie in und um Berdyczew in Volhynien haust, kontagivö ergriffen sind, der Fall sein. n- Zur Bestärkung dieses Zweifels dürfte Rabbinenwahl zu Steinamanger, unweit Könnend — als Belag dienen.- Diese löbliche Gemeinde hat nämlich zu ihrem -Religionsoberhaupte, vor ungefähr einem Monate einstimmig .eingesetzt, Herrn Ludwig Königsberg, einen Mann, der mir einem Worte, alle die norhwenvige Geistes- und Herzenstugenden, die man jetzt von einem Seelenhirren mir Recht strenge anfordert, in einem hohen Grade besitzt, und der in Lebcnskennrniß, da er sogar oft Reisen — zweimal sogar in die Hauptstadt Englands, unternehmen mußte — praktisch eingedrungen ist. Möge Herr Königsberg in . seinem neuen Wirkungskreise mit solchem Muthe und Eifer, mit solcher Nachsicht, Milde und Strenge,— wie man es von seiner Einsicht, Klugheit und Bescheidenheit/ von seinem edlen Herzen und seiner strengen Rechtlichkeit allgemein erwartet, walten. — Auch betreff des Kultus besteht Ungarn, trotz der Behauptung des Herrn Referenten: „Die Zeit hat allenthalben. (?) den Rest der Vorurthcile abgenagt, — nur an Ungarns Israeliten ging die alles reisende Zeit, spurlos vorüber" so gut, oder richtiger, nicht schlechter, wie allenthalben. — Selbst in Deutschland ist noch nicht überall ein philosophisch gebildeter Rabbine, oder Prediger angestellt, und der gelauterte Gottesdienst — wiewohl der Sinne für denselben sich schon fast allgemein kund gibt, — eingeführt. Und Ungarn steht in dieser Hinsicht selbst mit Deutschland in einem nicht ungleichen Verhältnisse. Die neuen Tempel im Auslande sind: in München, Hamburg, Brüssel, Kopenhagen, Stockholm rc. und im Jnlande — in der ganzen östr. Monarchie außer Ungarn — nur zwei in Wien und Prag, Ungarn allein aber har auch zwei in Pesch und in Groß-Canischa, und beide dürfen sich betreff der strengen herrschenden Ordnung, der religiösen Stille und Feierlichkeit während des. Gottesdienstes, und ver wohlgeleiteten Chorgesänge — in letzterer Gemeinde von dem vortrefflichen Chor-Chasan, Herrn Wolf Goldsiein — mit jedem im Auslande messen. — In mehreren kleinern Gemeinden — unter denen auch die Watasdiner gehört°) — ist Barbariönm, und/Provinzialismen, zumal in solchen Schriften, die weit und breit gelesen werden, auf'S Strengste verbietet, gesündigt habe! Daher rathc ich Ihnen künftighin das Wort „Hcvicka," nicht aber dm Sinn dieses Wortes, — wie sie es jetzt in Ihrem Berichte gethan habe« — sorgfältig beim Schreiben vermeiden. Der Corresp. *) Auch hiervon ist in meinem Berichte nicht die geringste Ueber« treibung enthalten. ES ist darin weiter nichts gesagt,, als; der Gemeindevorstand wendet alles Mögliche an, die Gottcsvrrehrung nach der neuen Form einzuführm. Und -daß sie auch wirklich eingeführt vnd ziemlich vorgeschritten ist, wissen Carlstadt, Agram, Cvakattuern, Canischa u. a. umliegende Städte, und auch dem Verfasser des ,,Könnender Aufsatzes" ist'S nicht unbekannt. D. Eorrefp. die Verbesserung des Gottesdienstes im Einfuhren und Fortschreiten. — Sie sehen also, Herr Ref., wie Unrecht Sie haben, wenn Sie in Ihrem Berichte sagen: „Hon Deutschland her, ertönt die Posaune der Erlösung unserer Ration, aus dem Joche verjährter Mißbrauche. —, Nur das große Ungarn allein hört es mit an, ohne daß. ein Funke von Nachahmung in ihm erglimmt." Sie sehen also Herr Referent., daß, Ihr Vaterland Ihnen, nicht mir, in falschen Farben erscheint, und daß folglich Sie eö sind, der eö bei der Welt falsch angemalt hat. — Bevor ich schließe kann ich nicht umhin die-Bemerkung zu unterlassen, daß eö dem Herrn Referenten aus Könnend nicht verzeihlich sei, daß er so keinen Anstand nimmt, die sämmtlicben Israeliten Ungarns, nachdem er sie als die unwissendsten in Europa dargcstellt, auch noch, — vielleicht auf einzelne Beispiele gestützt, — bei der Welt als -undankbar und gefühllos für die Wohlthaten, die ihnen unsere so mild- und hochgesinnte Regierung allergnädigst zu erweisen geruht, anzuklagen. Gegen diese Verlaumdung protestire ich im Namen der ganzen ungarischen Judenschaft feierlich. Wir erkennen alle, selbst die kleinste Wohlthat, die uns in unserm Vaterlande von unfern, gnädigsten und glorreichsten Kaiser und König, oder von dessen hohen oder niedern Stellvertretern zu Theil wird, mit innigem Danke an, und lassen dafür an jedem Samstage und bei sonstiger Gelegenheit inbrünstige Gebete für das Wohl des Landesvaters und Vaterlandes zun, Himmel aufsteigen. Obige Anklage gereicht also niemanden als Ihnen selbst, Herr Referent zur Unehrc. — Und wenn u'nsere hochweise Negierung mit „Gesetzen und Einrichtungen" von denen Joseph II. der Welt daö erste Bespiel gab, zögert; so beruht dies nickt auf: „Vorurtheilen, die den Blick der Regierung umwölken," sondern auf dem weisen Urtheile eines guten und verständigen Vaters, der seinen Kindern^das kostbare Geschenk, das er ihnen einst freiwilliger und großmüthiger Weise anbot, und sie aber thörigt genug waren, es nicht zu achten, ja sogar eö zu verschmähen, und zurückzuweisen, wieder zu geben, sich nicht eher entschließt, als bis sie sich wenigste ns so gebessert haben, daß sie ihr.en Fehler einsehen, und er gewahr wird, daß ihr Streben dahin gehet, sich dessen wieder würdig zu macken. — Aber auch alsdann dringt er es ihnen nicht mehr auf, bitten müssen sie darum. Nun daucht es mir, ohne Scheu behaupten zu dürfen, daß wir in der Besserung bereits bis zu diesem Grade vorgeschritten sind, daher dürfen wir auch nun die Wiederertheilung dev kostbaren Geschenkes bittlich ansuchen. Dies aber müsset Ihr, Gemeinderepräsentanten, im Namen Eurer Gemeinde thun. Eure Bitten werden hoffentlich nicht .ohne günstigen'Erfolg sein. Gelegenheit hierzu gewahrt der herannahende diesjährige Landtag zu Preßburg. Benutzer also diese günstige Gelegenheit, Ihr Gemeindevorsteher, vorzüglich aber Ihr israelitischen Edlen und Großen Pesths. Beweiset es durch Wort und That, daß der Sbr. Ref. aus Körmcnd Euch mit Unrecht: Die Verstockten, die Verirrten, die nur noch.allein im Schlanime Verweilenden und dergleichen sanfte Ausdrücke, mehr, die er sich bediente, nennt. ' H. Rosen mark, öffentl. (eram.) vchrer an der Warasdincr isr. ., deutschen Lehranstalt. B e w et kunge ir. Das Schreiben des 8. Km. in Frankfurt am Main war.sehr, unnöthig, da die beigelegten gedruckten Pieren schon in Leipzig zum Drucke waren. Sein Schreiben vom 17. April kam,uns am 26sten zu. Uebrigens danken wir. Der Aufsatz über die Paradoxa 'Wirb bn(b gedruckt.- Immer häufigere Anforderungen um mehrere Exemplare einzelner Nummern müssen wirdurchaus an unsere Verlagshandlung verweisen, da nicht die Redaktion, sondern diese über den Debit, zu disponiren hat. So gern wir manchem Wunsche von Freunden nachkamen, so bitten wir doch ein für allemal von dieser Erklärung Notiz zu nehmen. .Die Medaktiorr. Redacttur: vr. L. Nhilippfon. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.