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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-07 · Heft 55 (7.5.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 55 (7.5.1839)
Date
1839-05-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ui. Jahrgang. Allgemeine No. 55. Zeitung -es Zudenthums. .Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer avergnadigftcr Conceffion.) Leipzig, den 7. Mai 1839. Zeitungsnachrichten. Frankfurt am Main, den 16. April. (Schluß.) 2. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt an den Herrn Schoss'Ihm. „Ewr. Hochwohlgeboren verehrlicher Erlaß vom 20. Februar seht den gehorsamst Unterzeichneten Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde in Kennrniß davon, daß Hochdieselben das Eommissariat für die israelitischen Angelegenheiten niedergelegt haben, und daß hoher Senat Ihrem Anträge, von diesem Theile ihrer amtlichen Wirksamkeit entbunden zu werden, deferkrte. Alles, was Hochdieselben bei dieser Gelegenheit dem israelitischen Gemekndevorstande ferner zu eröffnen geneigten, muß die Gefühle noch steigern, welche die obgedachte Nachricht schon an und für sich , erregte. Mit dem tiefen Bedauern, welches die israelitische Gemeinde empfindet^ Hochdieselben aus einer solchen Thatigkeit scheiden zu sehen, verbindetsich das eben so tiefe Gefühl des Dankes, das sie Ihnen schuldet. Es sind nicht die gewöhnlichen Gefühle wie bei einer andern Trennung. Die rascheren Fortschritte, welche die Entwickelung der bürgerlichen, religiösen und sittlichen Interessen 'der hiesigen Israeliten, wahrend den letzten zwanzig Jahren gemacht, und die Ausbildung und Befestigung der Institutionen, auf denen sie beruhen, — das nie genug zu preisende Verdienst, welches Ihnen hieran beizumessen ist; — alles dieß gibt jenen Gefühlen eine höhere Weihe', erfüllt uns mit Schmerz. Wie wir es wissen, so sollen unsere Nachkommen es einst erfahren und rühmen, daß in zwanzigjähriger angestrengter und rastloser Thatigkeit ein hochgestellter Staatsmann die Angelegenheiten der israelitischen Gemeinde überwachte und leitete; — in diesem Berufe keinen gewöhnlichen Geschäftskreis sah, sondern höhere Zwecke der Humanität und der göttlichen Aufgabe, für Menschenwvhl'zu wirken, erkannte; — frei von jener Befangenheit, die oft auch den Blick des Erleuchteten und Wohlmeinenden trübt, diese Befangenheit ebenso überall an anderen Orten >verscheuchte; — mit oer Milde des Menschenfreundes und mit der Sanftmuth des Weisen die reinen Bestrebungen der israelitischen Gemeinde und ihrer Vorsteher betrachtete, unterstützte, leitete, anregte, schützte und vertrat; — ihre Religionsfreiheit selbst in der Mitte der Gemeinde vertheidigte, und mit Umsicht und gründlicher Erwägung die Schmierigkeiten überwand, die jedes "besondere Verhältniß von StaatsgeNossen. stets neu zu erzeugen pflegt; — die Bitten des. Vorstandes , als >die der Gemeindevectreter, erschienen dieselben ihm gerecht und zeitgemäß, bei hohem Senate vermittelte und durch sein kräftiges Fürwort unterstützte; — auch in seinem seltenen Talente der Gcschaftsbehandlung stets die- Hülfsmittel fand, Hindernisse nicht bloß, was jeder vermag, wahrzunehmen, sondern auch, was so selten ist, durch Aufstellung höherer Gesichtspunkte zu be- . festigen und aüszugleichen. Hatte die Gemeinde und ihr Vorstand in diesem Zeiträume das Glück, für die guten sittlichen und geistigen Zustände, bei deren Begründung Gemeinde und Vorstand mitwirkten, Ihres Beifalls so wie dessen der Staatsbehörden sich zu erfreuen, so dürfen wie hier im Namen aller Gemeindeglieder und ihrer Nachkommen gegen Hochdieselben düs feierliche Gelöbniß ausfprechen, daß, soweit, menschliche Kraft es zu verbürgen vermag, und wie göttlicher Beistand es möglich machen wird, unter dem Schutze hohen Senats, auf d.m wir unablässig vertrauen, und bei fortwährender Einigkeit mit allen unseren christlichen Mitbürgern, denen wir soviel an Beispiel und Liebe verdanken, die betretene Bahn des Guten nicht, ja niemals, von uns verlassen werden wird. Ist ja die stete Vervollkommnung die göttliche Aufgabe für alle Menschen: warum sollten die hiesigen Israeliten nicht streben, diese Aufgabe zu erfüllen, an der auch ihnen ihr Theit zugewiesen ist und auf.welche so viele äußere Anlässe sie Hinweisen? Sollten in neuerer Zeit, gewiß nur aus Jrrthum und Mangel an genügender Einsicht, Störungen >m der Gemeinde sich manifestict haben, so dürfen wir mit fester Zuversicht hoffen, daß dieselben, wenn dem weitern Fortschreiten keine Hindernisse entgegentreten, sehr .bald einer bessern Erkenntniß weichen werden und das Vorgefallene, welches wir sehr beklagen, um so gewisser zum Sieg der Wahrheit beigetragen haben könne, als diese, bei freier Erörterung, ihre Kraft am erfolgreichsten zu bewähren pflegt. Wir sind überzeugt, daß die große Mehrheit der Gemeinde in den eifrigen Bemühungen für eine fortschreitende Bildung fest mit uns beharren wird. — Sie blicken mit gerechter Befriedigung auf ein Institut, welches die Keime einer guten Zukunft pflegt und sorgfältig bewahrt: Die ifrealitische Volks- und Realschule. Das Gedeihen derselben ist vor Allem Ihr Werk.' Schulrath und Lehrer preisen ihre fegenv.olle Einwirkung^' Wir haben denselben mitgetheklt, welche gütige Gesinnung^ Sie ihnen fortwährend widmen. Die Zöglinge der Anstalt werden von ihren Vätern hören, und.niemals vergessen^ was sie mittelbar Ihnen verdanken. Die gesammte israelitische Gemeinde tragt in ihren Herzen den innigen Wunsch, daß Ihre Tage, zum Lohn für allseitig verbreiteten Segen, stets nur Freudiges Ihnen darbieten möchten, und Gott- Sie'

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