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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-04 · Heft 54 (4.5.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 54 (4.5.1839)
Date
1839-05-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ui. Jahrgang. Allgemeine No. L4. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König». Sächsischer allergnaditzstcr Concession.) Leipzig, den 4. Mai 1839. Zeiti»i»gs«achrichte«. . Von der holländischen Gränze, 15. April. ^Privatmitth.). In dem holländischen Städtchen Brederoord ist vor Kurzem ein Mädchen evangelischer Confession zur mosaischen Religion übergegangen, und hat sich mit einem Israeliten verheirathet. Letzterer hatte früher im Militairdienste gestanden, und bezieht in Folge eines im Dienste erhaltenen Augenübels eine kleine Pension vom Staate. Die Eltern des Mädchens waren mit dem gethanen Schritte gänzlich einverstanden. München, 18. April. (Privatmitth.)*). Der Plan derer, welche jetzt gegen alle und jede wissenschaftliche Bildung bei uns anzukämpfen sich gestatten zu dürfen glauben, hat sich nunmehr klar und zweifellos offen gelegt. Er ist: A/les und Jedes daran zu setzen, um die baldigst gehoffte Besetzung der Rabbinate hinauszuschieben, und durch die Verzögerung Zeit zu gewinnen, während, welcher man Schritte zu thun beabsichtigt, durch die die Freisprechung von den Studien für die Rabbinatskandid aten erlangt werden würde, und. die) welche studrrt haben, von der Candidatur entfernt werden können. Dann gute Nacht! — Man muß bedenken, nicht bloß welche Einwirkung die Entfernung jeder wissenschaftlichen Bildung überhaupt, sondern insonders jüdische Geistliche, der'allgemeinen Geisteskultur baar, haben müssen, und was für Subjekte das sein müffen, die jetzt nicht zu deü studirten jüngeren Rabbineu und Candidaten gehören. Wird da nicht das alte Gespenst, als ob man jüdische Religiosität mit Wissenschaftlichkeit nicht vereinen könne, hervorgerufen? bestätigt, daß diese beiden sich immerfort gegenüberständen? Wird das schon so weit gediehene Werk der Vermittelung nicht dadurch wieder zerschlagen, der schon begründet geglaubte Frieden wieder vernichtet? Aber wahrlich!, verwerflicher als der blinde Eifer der Altverstockt?n, ist die Gleichgültigkeit der Verständigeren bei diesem Umsturz der bestehenden Verhältnisse! Keine bedeutende Demonstration, keine imponirende Maßregel! Warum nicht eine allgemeine unterthanigste Adresse an Sr. Majestät, an Ein hohes Ministerium? Warum nur immer der eigennützige Gedanke: man kann mir doch die Bildung nicht zum Hause hinauswerfen — und nicht der, daß es noch weit *) Von einem zweiten Correspondenten. Redakt. schrecklicher ist, wenn die Bildung aus dem Schulhause ferner Kinder, wo sie eben Wurzel gefaßt, aus dem Bethaufe wo sie eben Platz genommen, hinausgeworfen wird! Gehet zusammen, und-leget eure in israelitischer Religion festen,, aber auch in Bildung und Geistescultur sicheren Grundsätze vor den Stufen des Thrones nieder, und sie werden freundlich ausgenommen .werden. Fühlet ihr euch selber nicht stark genug, das Wort zu führen, so fordert eine tüchtige Feder auf, es für euch zu sprechen, eine solche, die auch in religiösen Dingen Autorität besitzt,' und von der es bekannt ist, daß die würdige Erhaltung der väterlichen Religion das Bestreben aller ihrer Kräfte ist — und Gott wird Euch Erfolg verleihen! Würzburg, 12. April. (Privatmitth.). Die königk. Regierungsentschließung in Betreff der Gemeinderechte, welche die Gemeinde zu Eichenhausen den dortigen Israeliten, streitig machen wollte^), ist allerhöchsten Ortes bestätigt worden, und sohin durch das Staatsministerium ausgesprochen, daß dieselben mit allen 'christlichen Gemeindegliedecn Pflich- .ten und Rechte theilen. — Wie ich höre, will die Commune sich dabei nicht beruhigen, und zu einem Kunstgriffe ihre Zuflucht nehmen, nämlich angeben,, daß die Gemeinderechte, resp. Antheil an den Gemeinde-Grundstücken vom Besitze eines Hauses abhängig wäre, .das nicht aufgulsherrlichem Boden stehe, was ihr jedoch zu beweisen sehr schwer, wenn nicht unmöglich sein wird. Auch soll sie den Versuch gemacht haben, den'Juden das ihnen zuerkannle Recht mit — 15000 fl. abzukaufen — was diese verweigert haben. Wenn'sich Juden Solches zu Schulden kommen ließen — was würde man von ihnen sagen! —. Bei den gegenwärtig zur Anzeige gebrachten Namen der Auswanderer drängt sich dem Beobachter eine interessante Bemerkung auf. Bei Vergleichung der christlichen und. jüdischen Auswanderer findet man nämlich, daß jene mehr Familien als Ledige, diese weit mehr ledige Personen als Familien sind. Hieraus dürfte sich vielleicht ein Schluß auf die Motive der Auswanderung ziehen lassen, und man könnte den jüdischen Auswanderern weit weniger Gewinnsucht, als das Bewußtsein, auf andere Weise nicht zur Selbstständigkeit, zur Habilitirung' einer Familie,' als wo von sie durch die Matrikel abgehalten sind, kommen zu können, unterzulegen. °) S. No. 135 d. Mg. Zeit. d. Jud. vor. Jahr.

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