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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-02 · Heft 53 (2.5.1839) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 53 (2.5.1839)
Date
1839-05-02
Page
Seite 214 (sequence 4)
Language
German
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214 der Verrichtung desselben in 15 — einer solchen enormen Zahl waren *) zuletzt die vereinzelten Betversammlungen in den Kammern, Salm u. s. w. herangewachsen — mitunter unanständigen Stellen hat annehmen müssen! Man denke sich einen Gottesdienst in 15 Haussynagogen, wovon jede ein anderes Kkrchenregiment, und jedes andre wiederum seine eigene Vorschriften hatte, die als Kirchensatzung angesehen wurde, und wie sollte es uns wundern, daß so Willkür und Laune die verschiedensten Wege einschlugen, und in die Gottesverehrung dadurch ein beklagenswer'thes Allerlei**) an der Stelle der ursprünglichen Einheit ihres Geistes und ihrer Form herbeigeführt haben, und welches dieselben in Widerspruch mit dem Glauben, dessen Einheit die Gottesverehrung reprasentiren sollte, brachte? ja unberechenbar waren die Folgen davon für die Religion, aber auch nicht weniger für die Kirchlichkeit, indem der ästhetisch-religiös Gebildete, von einem Gottesdienste, der, weder das Göttliche in ihm zw beleben, noch seine religiösen Gefühle anzuregen, noch seinen Willen für das Höhere zu starken geeignet war, sich abgestoßen fühlend, ihn nur äußerst selten besuchte; der Kirchenscheue, dieses als Vorwand benutzend, gänzlich mit ihm brach; und die Mehrsten nur äußere Kirchengänger wurden -7— was natürlich ist, da der Geist ächter Erbauung aus ihm verscheucht und an seiner Stelle leere Geist- und Gemüth -tödtende Formen getreten waren. Diese Kirchengänger übrigens ein verdienstliches Werk aus ihrem fleißigen Kicchenbesuche machend, berechneten' folglich die Religiosität ihrer Brüder nur darnach; dieses, und daß die Totalität der Gemeinde in 15 kleine Totalitäten zerstückelt wurden, und daher in einem unorganistrten Nebeneinandecsein, Alle Geistliche, Alle Laien, Alle Synagogen-Herren, Alle Unterthanen waren, und folglich alle auf eigner Hand ins Ungemessene hinauswirken, wenn auch nicht dürften, wenigstens sich dazu berechtigt glaubten —r. rief frühe schon in der Gemeinde Glaubens - und Meinungsdivergenz hervor, an welcher ss manches fromme Unternehmen scheitern, und später zur Kirchenspaltung führen mußte. Noch dürfen wir nicht übersehen die wesentlichste nachtheilige Folge dieser'Haussynagogen, für das religiöse Gefühl der Jugend. , Denn nehmen wir auch an, daß bei einer Vorgefundenen Religiosität ' °) Ohne die Privat-Betversammluirgen. **) So B. wurde in der einen Haussynagoge gesagt und in den andern nur 53113 und wieder in einer andern nur das ^3 und oma Gebet. — Ferner in der einen wurde jeden Sonnabend Seclengedächtniß (ni72U55 Tät») abgehalten, und in einer andern nur an Feiertagen u, s. w. in der ält.ern Generation, der Gottesdienst mehr ein Erbauungs-als Erweckungsmittel war, und daher dem Bedürfnisse ihres religiösen Gemüthes entsprach, daß überhaupt das Auffallende in diesem Gottesdienste, mit der Art ihrer Bildung, mit der ihr ermangelnden Kenntniß den Erwachsenen nicht so bemerkbar war, indem ihre Erziehung, ihr Leben mit dieser Ordnung sich leicht in Einklang bringen ließ — so war ja gerade/das Entgegengesetzte von diesem Allem bei der aufkeimenden Jugend der Fall. In ihr sollte erst die Religiösität herangebildet werden, und zwar, damals mehr als je, durch den Cultus — die einzige, die Religiosität erweckende Anstalt, je mehr Erziehung und Leben acht jüdischreligiös zll sein aufhöcte — und war der hier in Rede stehende fähig ihre lebendige Liebe für Religion und Kirche einzuflößen? Mußte er nicht der fortschreitenden aufwachsenden Generation vielmehr ein Gegenstand der Gleichgültigkeit oder gar des Widerwillens gewesen sein, da er, nicht nur mit ihrem ganzen Wesen contrastirte, sondern nicht einmal ihre innigen Bedürfnisse zu befriedigen vermochte —; und gewiß', wenn sie daran dennoch theilnahmen, so geschähe es mehr aus Zwang oder um die Eltern nicht zu kränken als aus religiösem Antriebe. Und räumen wir auch ein, daß" durch Gewohnheit er ihr mit der Zeit dasselbe vielleicht geworden wäre, was er ihren Eltern war, so wissen wir faktisch, daß sie sich von jenem Zwang allhier so listig zu befreien wußte, - sie durfte nämlich ihren Vorgesetzten nur abmerken, welche von den 15 Synagogen diese etwa besucht haben, so gab es ja noch 14, welche sie besucht zu haben vorgeben konnte! Noch weniger möglich war es den Eltern ihre Kinder, wahrend des Gottesdienstes unter Aufsicht zu haben, und früh schon ihre kindlichen Gemächer für diesen zu heiligen. So waren es die 15 Haussynagogen , die den größten Theil der Jugend, und beinahe das ganze weibliche Geschlecht 'der einzigen Art der Andacht beraubt, und dadurch sie aller kirchlichen Gemeinschaft entzogen, und den Kindern endlich einen geringschatzenden Begriff von der Stätte Gottes beigebracht haben, der wenn auch im spatem Alter geändert, doch eine Art von Gleichgültigkeit zurückläßt! Da. übrigens dieses traurige Bild bis auf das Locale hier sich ebenfalls von dem damaligen allgemeinen Zustande des Cultus anderswo entwerfen laßt, so ist es keine Frage, daß der besondere hier sehr tief in Verfall gerathen mußte. ' (Fortsetzung folgt.) Druck von I. B. Hirschfeld.

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