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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-27 · Heft 51 (27.4.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 51 (27.4.1839)
Date
1839-04-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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III. Zahrgang. I.llgtNreine No. S1. Zeitung -es Judenthmns. / Et« , uvpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse . (Mit König!. Sächsischer allergnävkgster Conceffion.) ', ■ : Leipzig, den 27. April 1839. . : - Zeituvgsnachrkchte«. Fordon, 2. April. (Privatmitth.). Die Allg. Zeit, des Jud. ruft an so vielen Orten ihr schaffendes „Werde" yus, hat an so unzähligen den rechten Geist der Besserung, der nicht Vernichtung, sondern Veredlung in naturgemäßem Fortgänge wilh geweckt, als daß nicht auch in uns *) die Hoffnung leben sollte, der folgende Bericht aus unsrer an 1500 Seelen fassenden Gemeinde werde den vorhandenen guten Willen beleben und zur Thatkraft steigern. Nicht Schmähsucht,, wie ein Jeder ersehen wird, sondern das.Verlangen nach Besserm allein hat unsre Feder geführt. Wir/haben hier eine neue, prachtvolle SynagogeHe über 10,000 Thlr. gekostet, aber wie sieht es mit der innern Einrichtung aus? Leider noch so, wie vor einem Jahrhundert, nur daß die Scheu vor dem Heiligen sich sehr vermindert hat. Der Gemeindebedarf wird durch Repartition gedeckt > dennoch werden die Mizwot. versteigert; der Haman tüchtig .ausgeklopft, daß man die Megilla. selbst nicht versteht; Andachtsstörungen kommen " selbst an den feierlichsten Tagen ausis häufigste vor; das Vorbeteramt kann versehen wer da will, unvdann ist es noch nicht am schlechtesten versehen. Die Elementarschule besitzt ein neues, schönes Gebäude,,,aber die.Schüler, die sie verlassen, können,meist eben so. wenig richtig hebräisch lesen, als deutsch schreiben. . Auf einem elenden Brette werden die Todten im raschen Trabe von der kn größter Unordnung folgenden Menge zum Gottesacker spedirt, auf welchem selbst einesolche Unordnung herrscht, daß man oft nicht weiß, wessen' Hülle unter dem. kleinen, bemoosten Hügel modert. Die Trauungen werden auf freier Straße vollzogen, das Brautpaar'mag auf. das ^22122 W'it Ni-Pia des Verzicht leisten wollen, oder nicht. — Dies ist in Kürze die Skizze von der Art und Weise,- wie hier alle feierlichen Akte der Religion und des Lebens vollführt werden. An Protestationen hat es allerdings auch hier nicht gefehlt, allein der Rabbine, so.gelehrter. Tglmudist und als solcher eine Celebritat er auch ist, hat auch, nicht auf. den . kleinsten Minhag verzichten wollen, und wenn wir auch das Beispiel des ausgezeichneten Rabbinen zu Jnöwraslaw, Herrn I. Spi ro, und andrer Orte für uns-chaben. —- Möchten sich doch die Vorsteher und^ die Wohlgesinntesten zu einer Der Bericht ist von einer ziemlichen Anzahl.Gemeinde? Mitglieder unterzeichnet worden. R ed a kt. Kommission zusammenthun, um die geeigneten Maßregeln zu treffen, denen die Gemeinde gewiß sich fügen wird. — Warschau, 8. April. (Privatmitth.). Ein wichtiges Ereigniß in der hiesigen. Gemeinde ist das Ableben. unsers Oberrabbinen und. die «öffnete Wahl .eines neuen. / Der Warschauer Courier^ vom 28. März d. I. enthält einen kurzen Nekrolog des Hingeschiedenen, frommen Mannes. Er hieß Salomon Lipschütz, wurde 75 Jahr und starb am 26. März d. I. Er war aus dem Gcoßherzogthum Posen gebürtig , fungirte früher als Rabbine in Posen, später in Natkelsk, dann in Praga, endlich seit 1828 in Warschau. Er zeichnete sich dürch große talmudische Gelehrsamkeit, einen ^ottesfürchtigen Lebenswandel aus , und was ihm besonders die größte Achtung derer, die ihn näher kannten, erwarb,: war derunumschränkte Wohlthatigkeitssinn, der soweit ging, daß er, der ein reichliches Auskommen hatte und viele freiwillige Spenden zugeschickt erhielt, oft Alles, was er besaß, hiesigen und. fremden Armen hingab, und sich selbst, trotz seinem in der letzten Lebenshälfte sehr zerrütteten Gesundheitszustände, oft dem bittersten Mangel Preis gab. Es ist nun durch das Hinscheiden dieses Mannes ein Concurs zur Besetzung der erledigten - Rabbinatsstelle eröffnet worden, und die bevorstehende Wahl eines neuen Rabbinen wich am besten' den Standpunkt der Bildung,: den. unsere Gemeinde im Ganzen momentan einnimmt, beurkunden können. Die Stimmen sind hier natürlichsehr geteilt, als Folge der heterogenen Culturstuse, auf der die verschiedenen Gemeindeklaffen und ihre respectiven Vorsteher sich befinden. Es lassen sich drei Abtheilungen deutlich erkennen, nämlich, die Chassidim, die polnischen Juden und drittens die deutschen Juden. Jede dieser Klassen hat hier ihre Partei, ihre besonderen Principien und Ansichten und ihren besonder» Mann, den sie als das zukünftige Oberhaupt zu sehen wünscht.. Es wird nur darauf'ankommen, einen Gelehrten Hieher zu berufen, der den Ansprüchen aller drei Parteien, wenn auch nicht ganz genügen, doch auch nicht geradezu ihnen feindlich entgegentreten soll. v . Er muß nämlich die Interessen der ihm anvertraüten Gemeinde, den Stand ihrer Bildung und ihre.Bedürfnisse genau kennen, also neben talmudischer Gelehrsamkeit eine gewisse Ausbildung in den Humanioritus haben, er muß aber auch nöthigenfalls Gemeinde bei der Regierung und den hohen Behörden zu' vertreten und ihr Interesse wahrzunehmen, also mindestens in einer dör lebenden Sprachen sich geläufig, und correkt auszudrücken im Stande fein,, und

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