Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-25 · Heft 50 (25.4.1839) · p. Seite 201

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 50 (25.4.1839)
Date
1839-04-25
Page
Seite 201 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225064--01811-3234337
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

20! einen Blick auf Ben-Joseph, den er erkannt hatte/ und der, in seinen Augen, die wichtigste Person der Versamm-, lung war. Indem er sein schwarzes Gewand, seine ernste, ausdruckvolle Gestalt bemerkte,, dachte er, daß in .der That dies ein gelehrter und reicher Mann sein könne,. fähig mit Hülfe seiner kabbalistischen Wissenschaft sein ^Schicksal zu entdecken, und mit Hülfe' seines Geldes, seine niedergebrannten Gebäude wieder herzustellen.. Ehe er antwortete, warf er einen Blick auf Ben-Joseph: ihre Augen begegneten sich, und die Sprache des Einen ward durch den Andern verstanden; die Antwort folgte der Frage; der Eine drückte seine Wünsche auch der. Andere verpflichtete sich dazu; der Eine stellte, seine Bedingungen, der Andere nahm sie an; und dennoch-' verrieth-nichteine Geberde dieses sonderbare Zwiegespräch, das eben so schnell als ernst, eben so ausdrucksvoll als stumm wach . — Siehst du, drückte der Pan von Wola mit.dem ersten Blicke aus, das Schicksal der Angeklagten ist in meinen^ Händen, ich kann sie-verderben wie ich-sie-retten-kann, ein Wort von mir genügt sie verurtheklen oder lossprechen zu lassen; sage, was willst dudaß ich thüe? ' — Ich hasse dich und verachte dich, Antwortete-ein Blick Ben-Joseph, aber rette Ben-Himmel und Esterka, und ich werde dir verzeihen und dir> helfen. ' — Ich bin ruinirt, ich habe Geld nöthr'g, drückte der zweite Blick des Pan von Wola aus.. — Du sollst es haben, erwiedeüe Ben-Joseph; und um ihn dessen gewisser zu machen, öffnete er. seinen Mantel, undckieß eine, reiche Kette mit Diamanten in seine Augen leuchten. Diese Aussicht dikticte die Antwort , des .Adligen, welche Richter und Zuhörer so ungeduldig erwarteten. — Meine Herren, ich bekenne freimüthig, sagte er, indem er sich zum Kastellan wandte, ich bin hierhergekommen mit großen Vocurtheilen gegen die Angeklagten im Besonderegegen die Juden im Allgemeinen.' Die Debatten des Processes haben meine Ansichten.:sehr geändert, 'und ich glaube fast, . daß. die Angeschuldigten die Opfer einer Jntrigue sind. Wenigstens kann ich. die Rechtlichkeit und Ehrenhaftigkeit des .Mannes versichern ,, welcher zuletzt gesprochen; er war mein Jäger, das. ist wahr, aber ich hatte für ihn viel Achtung, und ich hatte , ihm mein ganzes Vermögen anvertraut. Es ist auch wahr, daß er reich geworden,, aber'auch in dieser Veränderung seiner'Lage ist nichts' Geheimnißvolles.: er hat seinen Onkel, beerbt.) einen Kaufherrn zu Danzig. Ich läugne auch, nicht/- daß das-Weib, welches er heirathen wollte,- meine.Dienerin gewesen, und ich bestätige,, daß sie ein todt gebornes Kind zur Welt-gebrachtam Lage vor der Verhaftung -der Juden. « Indem . ich diese Thatsachen mit der Erzählung des letzten Zeugen verbinde, - bin ich fü.c meine Person von der Unschuld der Angeklagten überzeugt. Glaubet, mein Vater, fügte er hinzu,-sich zum Pater Martin wendend, daß,. von einem zu heftigen Eifer verführtihr den Schein für die Wahrheit genommen. Bestehet nicht ferner darauf, erinnert euch der Worte des -Evangeliums: Wer richtet, -wird gerichtet werden!; - - -? - ' — Das wird dich lehren-, einem Freunde Geld - zu verweigern, Lump von 'einem Mönch, fügte der- Pan von Wola ganz leise hinzu; und zN gleicher Zcitt warf er einen Blick stuf Ben-Joseph, der ein Zeichen der Billigung' mit dem Kopfe machte, ausdrückend : Ich bin befriedigt: ' ' " —- Wer^hat euch.bewogen, hier ein falsches Zeugnkß vorzubringen? fuhr der Kastellan den Organisten und sein Weib an. Das Weib-versuchte noch zu leugnen, aber der Mann unterbrach sie, indem er um Gnade flehte. — Ich will Alles bekennen, aber verzeihet uns beiden. — Das soll von deinem offnen Geständnisse abhangen, sprich. ,, . -: 7: / ... . Da bekannte: der Elende, daß er selbst mit seiner Frau dem Leichnam'' des' Kindes die Wunde am Halse beigebracht; daß sie beide es auf dem Schlitten bis an -den Saum des Waldes'gebracht, und es an den Ort gelegt, wo das. Gefolge des Königs es gefunden. Er bekannte ferner, daß sie das Messer und die symbolischen. Zeichen der JNben neben den Körper gelegt. Sie hätten dies.Alles auf die Anspornung eines Priesters Zethan, der ihnen versichert'hätte, daß dies zum. Dienste des Herrn geschehe, und daß sie. dafür belohnt würden , in diesem und dem andern Leben. — Und wer ist der Priester, der Euch dies gesagt hat? schrie der Pater Martin mir aller Kraft,, indem er sich, erhob'und dem Zeugen gegenüber stellte. . —- Ach, Herr, nicht Ihr, nicht Ihr wäret es; wir werden seinen Namen nicht nennen; wir wollen uns nur rechtfertigen, aber Niemanden, an klagen. Die Aufregung stieg zu einer furchtbaren Höhe, Geschrei und Drohungen'.brachen von allen Seiten gegen die Zeugen und Pater Martin-aus; ohne die Zwifchenkunft der Wachewürden sie unfehlbar ermordet worden. Der Pater , entfernte sich eiligst/ Gezisch und Geheul begleiteten ihn.-: sein Blick war wutherfüllt, er ballte stt'ne Fäuste, wie um . seine Feinde zu zermalmen, er murmelte leise: .Meine Rache soll furchtbar sein. ' . Lebehoch, Beifallsruf, eine, unsinnige Freudebrachen in .d.e.r_Menge...aus,„M.der...'Käßellan von Krakau die Worte .-aussprach::,-/

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.