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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-23 · Heft 49 (23.4.1839) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 49 (23.4.1839)
Date
1839-04-23
Page
Seite 198 (sequence 4)
Language
German
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198 Lebenslicht selten,' oder nie früher auslöscht, als bis es von selbst dem Erlöschen nahe : ist;: wahrend die geistliche Milde in der Regel'von vorn herein damit beginnt, den Bauern von Haus und Hof zu verjagen. Diese Ansicht des Bauern> welche man als aus dessen Gesammturtheil hervorgegangen betrachten muß, ist unserer Meinung nach nicht unwichtig bei Prüfung der Verhältnisse zwischen Bauern und Juden. (Fortsetzung folgt.) g o r r e s p o tt d e tt z e tt. Preß bürg, Marz. Preßburger Zustande. Erster Artikel. - ' V (Schluß.) - ' Als sich nun vor zwei Jahrzchcnden auch in den ungarischen Gemeinden.ein besserer Geist zu regen anfing, machte man sich nach dem Vorgänge Deutschlands ernstlich an die Umbildung des ErzichungS- und Unterrichtswesens; der hiesigen' Gemeinde gebührt die Ehre, zu den Schulreformen in Ungarn den ersten Im.- puls gegeben zu. haben. Im Jahre 1820 nämlich wurde von einem Vereine, an dessen Spitze die Herren Wolf Breisach,' Köppelmann, Bcnesch Mandel und S. Schwabachersohn standen, eine Privat-Lehranstalt gegründet, welcher' durch die Einsicht des Schulvorstandes, und die Tüchtigkeit'der Lehrer immer mehr Anerkennung, selbst von Seiten Hohe.r und Allerhöchster Personen aufmunternder Beifall und endlich im Jahre 1835 die Creirung zur königlichen Primärschule zu Theil wurde. Die Gründer dieser Schule, welchen sich auch der, als Talmudist und hebräische Schriftsteller rühmlichst bekannter Herr Bernhard Oppenheimer anschloß, hatten mir Hindernissen mancherlei Art. zu .kämpfen, sie ließen sich aber in ihrem Eifer für Fortschritt und zeitgemäße Verbesserung nicht irre machen, und ihr gottgefälliges Streben ward mit dem schönsten Erfolge gekrönt, minder glücklich waren sie in dem Versuche liturgischer Umbildungen, welche, damals, nach'den rituellen Reformen in Wien., auch hier Anklang fanden.. Die Primärschule zählt gegenwärtig 80 Schüler, welche tn den Gegenständen der österreichischen Hauptschule, in der Bibel, hebr. Grammatik, im Talmud und im Ungrischen won. 5 Leh-' rern. unterrichtet werden, unter welchen der seit der Gründung der Schule alv Lehrer des hebräischen Faches thänge Freier' mit Auszeichnung genannt zu werden verdient. Die vereinigte Talmud-Tora und Nationalschule wird von 200 Schülern besucht; den Unterricht besorgen 8 Lehrer, deren Halste 20 SchtUern' nur Talmud zu lehren hat. Der.Lehrer Diamant istein fleißiger Schulmann, welchem diese Anstalt manche Verbesserung verdankt. Hatten sich. die frühern Gcmeind'evö'rstande den zeitgemäßen Verbesserungen .angeschloffen, würdees Um Schule 'und -Erziehung noch chesser< stehen. Daß die jetzigem Vorsteher von einem andern Geiste beseelt^seien, zeigt ihr Esser für die Regeneration der Mädchenschule/welche-seit dem-Jahre 1820 bestehss Diese Anstalt, welche sich im Jahre 1830 deö Besuchs I. M. idcr Kaiserin Mutter, im darauf folgenden Jahre des Besuchs Ihrer kaiserl. Hoheit, der Erzherzogin Maria Dorothea zu erfreuen hatte, mußte cruö Mangel an Unterstützung von Seiten der frühern, Gemeindevorstande, ihre segenrciche Wirksamkeit auf einige Zeit unterbrechen. Seit drei Monaten' ist diese Pfianzschule der weiblichen Jugend wieder eröffnet., Dank sei es den jetzigen Herren Gemeindevorstehern, welche einer Anstalt, deren Bedürfnis so sehr gefühlt wird, die Aufmerksamkeit und Sorgfalt widmen, welche dasselbe in so hohem Grade verdient. Die Schule zählt gegenwärtig an 50 Schülerinnen^ von denen. 20 arme nicht nur vom Schulgelde dispensirt sind, sondern auch von einem, sich zu diesem Zwecke gebildeten Frauenvereine vor jeder Semestral-Prüfung-bekleidet werden sollen. Um das Auflebcn dieser Anstalt machte sich besonders die Schulvorsteherin E.-Nina Oppenheimer verdient, - welche iw Verbindung mit sieben, in eben dieser Schule gebildeten Mädchen aus den ersten israelitischen Häusern', den F. F.-Nina Bettelheim, Josephine Breßlauer, Caroline Cohn, Fanny Hauser, Nina Martersdorf, Wilhelms na Oppenheimer und Babette Singer, den Unterricht in weiblichen Arbeiten übernommen, da vor der Hand keine, besoldete Lehrerin angcstellt. werden ckonnte. Seit einem Monate hat sich die künftige ordentliche Lehrerin Frau Antonie Bettelheim edelmüthig den Sieben an geschlossen. Das schöne Beispiel der jungen Lehrerinnen," welche die in edler Begeisterung für das Gute übernommene Pflicht mir musterhafter Pünktlichkeit erfüllen, und ihre Schülerinnen mir wahrhaft schwesterlicher Liebe behandeln,, wird gewiß auch in andern ungarischen Gemeinden, in denen die Erziehung der ärmern Mädchen noch so viel zu wünschen übrig läßt, die gebildeteren Töchter Israels.zu edlem- Wetteifer missihren Preßburger Schwestern wek? ken. Nächst der bereits genannten Fr'. N. 0. haben die F. F. Antonie Bernheim , Amalie-Brüll und Caroline Hauser abwechselnd die Inspektion der Schule. Den wissenschaftlichen Unter? rieht hat der erprobte Pädagog und Schulmann L. Horrowitz, dessen überraschende Leistungen allgemeine Anerkennung finden'. Alle Freunde des Bessern stehen des Himmels Segen auf diese Anstalt herab. Dieselbe ist bereits von einer.hochlöblichen Ober- Studiendirektion zur öffentlichen' Schule erhoben worden, und steht, gleich der National-, und Primarschule, unter der Direktion Seiner Hochwürden des Herrn Stadlpfarrcrs, welcher von Amrswegen die Aufsicht über alle katholischen-und jüdischen' Schulenhat. .. - . . . - Res. kann seinen Bericht über das hiesige Schulwesen nicht schließen, ohne der Jeschiba ju erwähnen, welche über 200 Zöglinge zählend, in Europa kaum'ihres Gleichen hat. Der in. diesen Blättern öfters, erwähnte Rabbiner, Herr' Moses:Soserist noch im spätesten Aller rastlos thätig,; die. auS-, a.llen Theilen Ungarns, Polen- und Deutschlands herbeiftrömenöeN' JüngÜnst'e in der- Lektüre des Talmuds und .der Altrabbinen zu leiten.,-^77- Di^ Zahl derdie königliche Akademie und das evangelische Lyreum Besuchenden nimmt mit jedem Jahre zu, und die wissenschaftliche Bildung, der Jugend ssst imi. erfreulichsten Fortschritte begriffen Cohn in Paris, .ein,Zögling der hiesigen Primarschule, Dukes in Hamburg, Sterm in Wiensindjunge Gelehtte, die zu den schönstem Erwartungen berechtigen; - in der Person des jungen'Violinspielers Hauser besitzen wir ein vielversprechendes Talent. —7. . - D u ck f e h l e t i S. 181 in der Anmerkung, statt „un sers Erachtens" unserS Wissen s. 182, dritter Linie von unten in der ersten Spalte: Reformer statt: Reformen.. . Redacteurr vr. L. PhilipPsön. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.

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