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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-20 · Heft 48 (20.4.1839) · p. Seite 193

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 48 (20.4.1839)
Date
1839-04-20
Page
Seite 193 (sequence 3)
Language
German
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193 Schriftsiellen kommt, muß ich da noch den Angriff pnriren? Wissen wir nicht langst, daß wir die (für obligat geltenden) Lrauergebrauche aus dem Talmud und nicht aus der Bibel erlernen müssen? Seit wann ist er auch mit den Propheten und Hagiographa so vertraut worden? Hatte er diese fleißiger gelesen, so könnte er wol schwerlich behaupten, daß „die Scheidung von rvnbDti rniEa und rvTOiU: wenig Gehalt habe" (S. 10) und Ier. 9,1—8 allein müßte ihn lehren, welch eine Sünde die Lüge ist, und wie sie Gott dkr Herr bestraft. Vielleicht würde er sich auch dann in seinen Aeußerungen und Urtheilen mehr der Wahrhaftigkeit befleißen. — Wir wollen uns indeß die Mühe nicht verdrießen lassen, seine Beweise aus -der Schrift M prüfen. Doch sieh! kein einziger ist ganz stichhaltig. Der wichtigste wäre noch 2 Sam. 13, 315 aber David war ja König, bei ihm mochte wohl das Liegen auf dem Boden Trauer bedeuten, wahrend es bei Andern gewöhnlich war. 2 Sam. 12, 16 wird Herr Hrrsch wol selbst nicht gelten lassen, da er 3 Seiten weiter Alles, was David wahrend der Krankheit seines Kindes vornahm, für Buß- und nicht für Lrauergebrauche erklärt. Solche Widersprüche thun nichts, als geschickter Kampfer braucht er dieselbe Waffe bald als Schwerdt, bald wieder umgekehrt als Schild. Die Freunde Hiebs saßen auf der Erde in« (Hiob 2,13) mit, bei ihm, weil er auch so saß, und weil man im Orient gewöhnlich ffo sitzt. Herr Hirsch muß aber auch vergessen haben, daß er mich (S. 35) gefragt: „War Hiob ein Jude?" Waren seine Freunde Juden? Ferner Zes. 3, 26 heißt es: i-'ün y^b innpn -ausgeraumt, rein ausgeplündert sitzt sie auf der Erde, d. h. die hoffartige, d'eren Luxus zuvor geschildert wird, sitzt nun, aller Gemächlichkeit beraubt, auf der bloßen Erde. Und wieder Ies. 47, 1 — das ist doch wahrlich viel! Der strenge Jude, dem Hiob nicht mustergültig ist, laßt sich herbei, von der verruchten Babel zu lernen, wie Trauer zu halten sei; nur Schade, daß da Nichts, vielleicht gar das Gegcntheil zu leimen ist. Sitze zur Erde, sagt der Prophet, ohne Thron, Tochter Kasdim; denn' nicht fortan wird man dich nennen die Weichliche und Verzärtelte. Die Rede ist also nicht von Trauer Hatten, sondern vom Herabsteigen vom Throne, und auf dem Boden soll sie sitzen, (wohl verstanden!) weil sie sich nicht mehr verweichlichen'und verzärteln darf. Aber die schlagenden Beweise aus-den Klageliedern? O, eilen Sie mir zu Hülfe, mein Lieber! da .giebt es Jammer und Noth. Der Herr hat die Festen Jehudah's niedergerissen, zur Erde gedrückt. (Klag. 2, 2.). Da liegen zu Boden gestreckt in den Straßen, Jung und Alt meine Jünglinge - und Jungfrauen, gefallen durch's Schwerdt. Schrecklich! Furchtbar! aber die Tobten trauern nicht und die zerstörten Festen auch nicht. Was sagen Sie nun zu der ominösen Sieben, die Herr Hirsch im Fluge gefunden? Werden Sie ihm noch rachen, Alles, was er im Fluge findet hinzuschreiben und. damit keck aufzutreten! Und doch hat er den scheinbarsten Beweis vergessen! Klag. 2, 10. Es sitzen auf der Erde und schweigen die Aeltesten der Tochter Zion. Aber auch dazu muß man sich denken: wahrend sie früher auf Gerichtsstühle (Pf. 122, 5) gesessen und Recht gesprochen. Wenn .ich-aber wieder dem Gegner naher auf den Leib rücke und sogar beweise, aus dem Tatzmud beweise, daß der Platz des Leidtragenden nicht auf dem Boden sonoern auf dem «M^estr'irzten Bette gewesen? Schlagen Sie nur nach 'k a'b pn und d'n 'i phs bs« und Sie werden dann mit Recht sagen, daß ich auch diesen Gegenstand zu kurz abgefecrigt, aber auch sehen, was Sie von Herrn Hirsch's talmudischer Gelehrsamkeit zu halten haben, nachdem Sie seine Bibelfestigkeit bewundert. (Fortsetzung folgt.) C o r r e s p o tt d e kr z e u. Ungarische Schulberlchte. 2) Aus' Warasdin in Croatien. (Fortsetzung.) Wenn die Israeliten Ungarns lman verzeihe mir diesen kleinen Seirensprung) tlttvii nördlichen Nach'barsbrüdern in Galizien an Talent und Geistesfähigkeiren, wie ich oft behaupten höre, nachstehen; so rührt dieser, wie ich glaube, nicht davon "her, weil diese sie wirklich in genannten Eigenschaften von Natur auöüberwiegen, sondern vielmehr daher, weit die Israeliten Polens mehr als die Üngarns dem Studium des Hebräischen und vorzüglich dem des Talmuds ergeben sind, daher sie auch ihre Kinder viel längere Zeit zvft bis zum 25 Jahre, wenn sie auch schon selbst verheirarhet sind), zum Erlernen deS LalmudS anhalren, während die meisten Eltern in Ungarn, wie wohl sie den Studien nicht abgeneigt seien, ihre Kinder lewer sehr ost schon nach dem 13ren Jahre, allem, allem Unterrichte enr iehen. — j Wie sehr aber der Talmud die Geisteskräfte, und besonders i den Scharfsinn zu entwickeln und in einem hohen Grade auSzu-? 'bilden geeignet ist, zeigen der tiefe Scharfsinn-, die oft höchst I frappanten Spitzfindigkeiten und die zuweilen sehr witzigen Einfälle, die wir an den Talmudisten so^ oft bewundern, zur Genüge. Darum glaube ich diese so sehr auffallende Differenz zwischen den' beiden genannten Nachvarsbrüdern, nur einzig und allein dem angeführten Umstande zuzuschreiben; keineswegeS aber andern Umständen. Sowie nun der Herr Referent obige Bemerkung ohne Denken hi-.geschrieben har, eben so incvnseguenr ist er in folgenden: „Nicht der kleinste Theil, sagt er, ist für daö Bestehen ordentlicher Schulen. Nur die wenigen Bessern, welche durch

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