Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 46 (16.4.1839)
- Date
- 1839-04-16
- Page
- Seite 186 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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186 ner Realberechligten ansehen kann, dem, wenn er im Schweiße seines Angesichts diese Abgaben errungen hat, kaum so viel übrig geblieben ist, um sich und seiner Familie den kärglichen Unterhalt gesichert zu haben. Um aber diesem Uebel abzuhelfen, hatte man alle Privatintereffen der Realberechtigten mit einziehen müssen, und ob und wie weit «ine solche Maßregel vorgeschlagen worden, so wie ob dieselbe ausführbar sei, ist hier der Ort.nicht zu ermitteln. Konnte man nun von.dieser Seite den Weg nicht finden,, wie das besprochene Ziel zu erreichen stehe, so wurde ein anderer Punct berührt, von dem man sich Abhilfe versprach, nämlich: das Verhältniß des bäuerlichen Standes zu den jüdischen Einwohnern in diesen Landestheilen. Es war bekannt, daß ein großer Theil der Bauern in einem lebhaften Verkehr mit den Juden stehe; man wußte, daß viele Bauern den Juden Geld, schuldeten, daß sie von ihnen Eapitalien bald auf längere, bald auf kürzere Zeit erhielten, daß diese Schulden oft gegen Hypothekbestellung, oft ohne diese contrahirt wurden, und man fand es nöthig, diesem Verkehr näher zu treten und ihn in seinen Folgen zu betrachten. Offenbar übersah man aber hierbei, daß das, was man jetzt als Ursache aufgriff, größtentheils nur Folge'war; denn der Verschuldung des Bauern und den daraus für ihn entstehenden Mißverhältnissen mußten e.rst andere Thatsachen vorangegangen sein, welche diese Verschuldung herbeigeführt hatten, und diese möchten wof nur in dem zu finden sein, was wir oben angeführt haben. (Fortsetzung folgt.) Briefe des Herrn Di. Loewe aus dem Oriente. Dritter Brief. Nablous Ende Juli's 1838. tt'kpn 2N22 'rr örb ödiü (Fortsetzung.) Endlich kam Abu Schelebi. Er bedauerte es mich nicht zu Hause getroffen zu haben (was mich sehr freute) und nun wünschte er mein Anliegen zu hören. Er hatte mich nämlich für einen Zeichen Kaufmann gehalten der in der Ab,sicht gekommen sei, Geschäfte mit ihm zu machen, und fand sich nun bitter getäuscht, als er meinen Wunsch erfuhr, die Schriften und Gebräuche seiner Sekte kennen zu lernen, und nun schickte er mich ganz kalt in Begleitung seines Hauslehrers zum Kasan (^^). Fünf Weiber faßen in der Vorhalle, und obgleich diese häßlichen Geschöpfe Zeit genug hatten sich zu entfernen, indem ich mich, ihnen schon aus derFerne durch Zeichen mit der Hand bemerkli'ch gemacht hatte, blieben sie doch ruhig sitzen bis sie mich zur Genüge betrachtet hatten , und dann erhoben sie sich mit großem Geräusch über mein plötzliches Erscheinen. — Ich fand den Kasan am Eingänge der Synagoge auf einer Strohmatte sitzend, neben ihm saß sein Sohn. Um ihnen zu zeigen, daß ich das Samaritanische kenne las. und schrieb ich erwaS vor ihnen, und nun waren sie der festen Meinung, daß ich wie sie ein Samaritaner und ein Priester fein müsie. Ich widersprach diesem, aber ohne Erfolgs Eben so war es bei ihnen ausgemacht, daß in England viele Samaritaner sich befinden müßten, da vor einigen Jahren auf Befehl der englischen Regierung eins ihrer Manuscripte die Tora enthaltend dahin gesendet, sei, und ich konnte sie nur dadurch befriedigen, indem ich sagte, daß dort welche sein könnten, doch wüßte ich nichts davon. Der Kasan sagte nun: wir besitzen die wahre Tora, welche uns von Gott überliefert morden ist, unsere Schrift ist die wahre, und wir besitzen den Berg Gerisim, auf welchem der heilige.Tempel steht, worin wir allein Opfer bringen: Wir sind die wahren, echten Kssanam. Unsere Religion aber verbietet es, unsere Schriften Jemandem zu zeigen-, der sich nicht gereinigt hat, Niemand aber kann sich reinigen außer der von unserer Gemeinde ist. Zugleich schrieb der Sohn des Kasan in mein Album folgende Zeile: (Diesen Schriftcharakter darf Niemand lernen 9 als wer rein ist von Unreinigkeiten.) Ich horte dieses ruhig an, und that dann verschiedene Fragen an sie, (es waren noch mehve Andere hinzugckommen) ob sie Commentare, ob sie außer der Tora noch andere Bücher besitzen, wie sich diese Gesetzrolle erhalten, und wer sie geschrieben habe. Kaum hatte ich diese Frage beendigt, als einer der Anwesenden sich erhob und dem Kasan zurief: Sage nicht, Kasan, dieser Mann ist hierher gekommen uns alle Lehre und Wissenschaft zu 'stehlen, und sie dann nach England zu tragen. — Ich lachte herzlich über diese Dummheit, und sprach dann zu^hnen: Bedarf ich Eures Unterrichts? würde einer von Euch es wagen in seiner eigenen Sprache und Schrift mit mir aufzutrcten? Werden Cure Schriften nicht von Leuten berührt, die sie nicht lesen können, die aber so wenig Eurer Gemeinde angehören wie ich? Sie muffen also etwa» Unsinniges enthalten, da Ihr sic mir verweigert, ich bestehe aber darauf daß Ihr sie mir zeiget; im Weigerungsfälle aber (bei diesen Worten zog ich meinen Firman von Mouchammed Ali auS der Tasche) werde ich von diesem meinem Firman Gebrauch zu machen wissen, und ich hoffe, wenn der Mandir Euch dazu ausfordern wird, daß Ihr dann anderes Sinnes sein werdet. Kaum hatte ich diese Drohung, ausgesprochen als Alle aufsprangen, und mich durch daö Versprechen zu'besänftigen suchen, mir am andern Tage Alles zu zeigen. Damit war ich zufrieden, und empfahl mich ihnen. Am andern Tage zur bestimmten Stunde stellte ick mich ein. Der Kasan war zum Gouverneur gerufen worden, und in der Zwischenzeit besah ich das HauS von außen. — Man erkennt im ganzen Orient schon an Inschriften auf den Häusern, ob sie von einem Israeliten, Christen oder Moslem bewohnt sind. Der Moslem nimmt zur Inschrift die arabischen Wörter: Er (Gott, hat es gegeben) der Schöpfer, der Christ ein großes Kreuz. (Der Juöe hat natürlich an seiner Mesusa genug). Ueber der Thür des Hauses, dasftch vor mir hatte, befand sich ein viereckiger Stein mit einer samaritanischen Inschrift, welcheeinige Verse aus Schema enthält. Der Name GotceS ist immer j-jli-p geschrieben. Der Sohn des Kasan kam dazu als ich eben mir dem Lesen derselben beschäftigt mar. Ich fragte ihn was diese Inschrift enthalte, und konnte mich des Lachens nicht enthalten, als er sagte, daß er dies nicht sagen dürfe. Sie schreiben also Geheimniffe über ihre Thüre in einer aller Welt zugänglichen Schrift, und wollen doch, daß sie Geheimniffe bleiben sollen. — (Fortsetzung folgt.) Redacteur: i)r. L. Philivpson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von Z. B., Hirschfeld.