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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-16 · Heft 46 (16.4.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 46 (16.4.1839)
Date
1839-04-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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in. Jahrgang. Allgemeine No. 46. Zeitung des Zu-ertthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Könial. Sächsischer asierguadigster Cancesiion.') Leipzig, den 16. April 1839. Zeitungsnachrichten. London, 27. März. Lord John Rüssel hat erklärt, daß er im Laufe dieser Parlamentssession noch die Emancipation der Juden in Antrag bringen werde. Stuttgart, 31. Marz. Der König hat der israelitischen Kirchengemeinde zu Buchau zu den Kosten ihres Synagogenbaucs einen Beitrag von 800 fl. aus der Staatskasse verwilligt., Posen, 16. Marz. Die Allg. Augsb. Zeit. erzählt unter diesem Datum von hier folgenden Vorfall. „Bekanntlich treiben die Pietisten seit langer Zeit vorzugsweise in unserer Provinz ihr Wesen, und halten trotz Verboten und Strafandrohungen ihre geheimen Conventikel nach wie vor. Zu ihren Lieblingsgeschäften gehört auch die , Judenbekehrung; und wohl lediglich zu diesem Zwecke haben sie bei uns ein Comitö gebildet', mit dep Bestimmung: für den Unterricht verwahrloseter Judenkinder zu sorgen. Unter den Zöglingen -dieses Vereins befand sich auch ein Knabe, der, nachdem er wahrscheinlich mit den Lehren der christlichen Religion, und namentlich des Alt-Lutherthums hinlänglich bekannt gemacht war, seine Bereitwilligkeit zum Uebertritte an den Tag legte. Alsbald wurde er, wie das allgemeine Gerücht sagt, ohne Wissen seines Vaters, auf-einen Wagen gepackt, zu einem — fünf Meilen von hier wohnenden — bekannten Chorführer der Pietisten gebracht, und dort sogleich getauft. Kaum vermißt der Vater seinen Sohn, so stellt er Nachforschungen an, und nimmt, nachdem er von dem Vorgcfallenen unterrichtet ist, die Hülfe der Polizei in Anspruch, indem der Knabe erst 14 Jahr alt, und demnach sein Ucbertritt zur christlichen Religion ohne Zustimmung des Vaters ungültig sei. Die hiesige Polizeidirection requirirt darauf durch dm Kreislandrath den Knaben, ben jedoch der genannte Herr sich auszuliefern weigert, weil der junge Convectit bereits 16 Jahr alt sei, mithin sich seine Religion selbst wählen könne, er auch bereits durch das Vormundschaftsgericht eine Tutel für denselben habe bestellen lassen/ So liegt diese interessante Sache, die nach dem Dafürhalten unserer Gesetzkundigen den Proselytenmachern theucr zu stehen kommen dürfte, sobald der Vater nachzuweisen im Stande ist, daß sein Sohn wirklich erst 14 Jahre zahlt." > (Wir haben schon öfters darauf hingewiesen, wie unverantwortlich cs sowol von Seiten der jüdischen Geistlichen, als den Gemeindevorstehern ist, wenn sie in ihren Gemeinden nicht hinlänglich für den Jugendunterricht sorgen, so daß die ärmeren Eltern fast gezwungen sind, ihre Kinder in die Schulen der Ästissionäre zu senden. Der obige Vorfall, erweist wol für hundert Fälle, wohin das Streben dieser Herren ausläuft, und daß es ihnen nicht darauf ankömmt, Eltern ihrer Kinder zu berauben. , Die Theilnahme an den städtischen, geordneten Schulen ist lobenswerth: die Schulen der Missionäre tragen aber ihre Bestimmung zu klar an der Stirn, als daß sich nur Einer täuschen lassen könnte. Welcher Mittel diese Leute sich zu bedienen nicht scheuen, sieht man, und macht dies ihnen vor ihrer eigenen Religion gewiß alle Ehre! Red.) Dresden, 2. April. (Privatmitth. *) Am 18. Marz haben die beiden ersten hiesigen israelitischen Schneidergesellen, Namens Ernst Meyer **) und Heiman Veit mit noch 24 christlichen Gesellen das Meisterrecht erlangt: Zur Ehre der Herren Jnnungs-Aeltesten darf man versichern, daß dieselben -bei dieser Gelegenheit die größte Humanität an Tag gelegt und somit zu erkennen gegeben, wie ihr früheres Bekämpfen der Emanzipation nicht auf ihren individuellen Ansichten beruhet,, sondern lediglich im Interesse der Innung (?) selbst geschehen, deren Rechte sie ihrer Amtspflicht gemäß, jeder Zeit bestmöglichst zu verwehren haben. Berlin, 1. April. Die Akademie macht bekannt, daß der vorjährige Preis' der Michael Beer'schen Stiftung von demselben Julius Moser aus Gumbinnen gewonnen worden, der ihn 1836 gewann, und sich noch jetzt zu Kunststudien in 'Paris aufhalt. — Die Allg. Augsb. Zeit, berichtigt die aus Posen gemeldete gewaltsame Bekehrung eines jungen Israeliten insofern, 'daßder Convertkt nicht ein Knabe, sondern ein Mädchen ist. Im Uebrigen hat die Sache ihre Richtigkeit und die Untersuchung ist in vollem Gange. (Bekanntlich ist für die Mucker Bekehrung von Frauen und Mädchen noch interessanter. Möchte es sich doch bei dieser Gelegenheit recht klar und erweislich Herausstellen, daß die erleuchtete preußische Regierung, welche sich für die Sache der Religionsfreiheit in neuester Zeit so glanzend erklärt'hat, dieses Treiben der Proselytenmacher durchaus nicht begünstigt, welchen Schein diese sich so gern zu geben suchen.) •) Von einem dritten Corresp.' Redakt. °°) Dessen Urgroßvater, Rüben Meyer, agS Hamburg gebürtig, war einer der beiden ersten Israeliten, welche sich in Dresden niedergelassen haben. Sein Diplom als Hof-Factor August II., Churfürst von Sachsen und König von Polen, d.. d. 8. Mai 1715, befindet sich noch in den Händen eines. Familiengliedes.

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