Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
17 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
Date
1923-01-01
Page
Seite 20 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2650397-3187770-3187772-3194520--5054-3194563
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 20 - in den vier Kriegsjahren 158 000 ostjüdischen \ Männern und Frauen, darunter vielen Arbeitern, Aufnahme in seiner Herberge in der Auguststraße gewährte und F/2 Millionen Essenportionen austeilte, hat festgestellt, daß kein einziger Fall von Fleckfieber unter seinen Besuchern vorgekommen ist. Gegen die Behauptung, die Ostjuden selbst seien immun in Bezug auf Fleckfieber, würden es aber auf ihre Umgebung übertragen, wurde geltend gemacht, daß weder unter dem Arbeitspersonal des jüdischen Volksvereins noch in den Arbeitsstätten, in denen jüdische Arbeiter beschäftigt wurden, Fleckfieberfälle zu verzeichnen waren. Für die Vermittlung der jüdischen Arbeiter nach Deutschland hatte die deutsche Arbeiterzentrale eine jüdische Abteilung in Warschau errichtet. Diese Maßnahme hatte sich bei der Schwierigkeit, die Arbeiter in deutsche Betriebe zu überführen, bei der Eigenart der ostjüdischen Arbeiterschaft als unbedingte Notwendigkeit herausgestellt. Auf diese Notwendigkeit einer sachgemäßen Auswahl der Arbeiter wie der Arbeitsstätten hatten schon zu Beginn der Vermittlung von ostiüdischen v.» *» Arbeitern hierher die Berliner jüdischen Organisationen dringend hingewiesen. Und der Mangel einer speziell jüdischen Vermittlungsstelle, der ziemlich lange bestand, führte zu sehr bedenklichen und schwerwiegenden Mißgriffen. Jüdische Arbeiter, darunter Schuhmacher, Weber und Kaufleute, wurden zum Beispiel in Kohlenbergwerken vermittelt. Sie wurden in oberschlesischen Hüttenwerken für Abraumarbeiten verwendet, die schwerste körperliche Arbeit verlangen. Auch dort wurden sie untergebracht, wo der Betrieb keine Möglichkeit einer auch nur geringen Anpassung der Arbeitsverhältnisse an die Eigenart dieser besonderen Arbeiterkategorie zuließ. Die Ergebnisse waren völlig negativ. Die Arbeitgeber waren außerordentlich unzufrieden und klagten in jeder Beziehung über die jüdischen Arbeiter. Andererseits steigerte sich die Unlust dieser an ungeeigneterstelle beschäftigten Arbeiter bis zur Erbitterung, besonders da ihre sehr geringen und ganz ungenügenden Leistungen bei den Betriebsleitern und Vorarbeitern Repressalien — Lohnabzüge, Mißhandlungen — hervorriefen. Sie brannten in großer Zahl durch. Die Erfahrung hat gezeigt, daß schlechte Behandlung den jüdidischen Arbeiter entweder demoralisiert oder ihn zur Flucht treibt. Unter den ostjüdischen Arbeitern fehlten nicht die gelernten Arbeiter, die schon in der Fabrik gearbeitet haben oder als Handwerksmeister. Handwerksgeseilen, als Schlosser, Tischler, Uhrmacher, Dreher, Schmiede usw. tätig waren. Die ungelernten Arbeiter aber bildeten den weitaus größeren Teil der in deutsche Betriebe vermittelten Arbeiterschaft. Diese Leute waren keine Fabrikarbeiter. Der weitaus größte Teil kam aus dem Händlerstand. Es waren auch Handwerker darunter, die jrneistens hausindustriell gearbeitet haben. Statistisches Archiv. Tripolis, Die Juden in Tripolis im Jahre 1918. In der Stadt Tripolis gab es 1918 unter einer Gesamtbevölkerung von 64759 Personen 12 951 Juden =» 20 %. (Dr. A. Petermann's Geograph. Mitteilungen, Jahrgang 1920.) Schweiz. Die jüdische Bevölkerung in der Schweis im Jahre 1920. Das Statistische Jahrbuch für die Schweiz, 21 Jahrgang, bringt einige Ziffern über den Stand der jüdischen Bevölkerung auf Grund der Volkszählung vom Jahie 1920. Reicheres Material wird der Band der Schweize.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.