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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 6

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
17 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Die russischen Juden in der Kriegs- und Revolutionszeit
Date
1923-01-01
Page
Seite 6 (sequence 3)
Language
German
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zahl, großer Sterblichkeit, vollständiger Abwanderung der Heimlosen und der Auswanderung Einheimischer, dürften Ende 1922 sicher nicht mehr als 30 000 Juden in Elisabethgrad wohnen. Schon die Tatsache allein, daß während eines ganzen Jahrzehnts die jüdische Bevölkerung auf demselben Stand geblieben ist, sagt sehr viel. Die Geburtenziffer der Juden in Elisabethgrad betrug 1897 35,4 %0, die Sterbeziffer 17,8°/00. Diese Ziffern sind auch für jene Zeit niedriger als die entsprechenden der Gesamtbevölkerung, deren Geburtenziffer 53,4 %o und Sterbeziffer 34,3 °/00 betrug. Nimmt man die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Elisabethgrad für die. ganze Periode mit 30000 Seelen an und als Grundlage ihreGeburtlichkeit und Sterblichkeit von 1897, so müßte man jetzt 1050 jüdische Geburten und 525 jüdische Sterbefälle haben, somit einen jährlichen Zuwachs von 550 Personen. Sehen wir uns aber die Tabelle I näher an, so zeigt sich, daß die Geburten ununterbrochen abnehmen, und 1905 auf 717 gesunken sind. Von da ab bleibt die Zahl 3 Jahre auf derselben Höhe, stürzt dann wieder bis auf 356 im Jahre 1917. Im Zeitraum von 20 Jahren ist also die Geburtenziffer von 35,4°/0o au* 11,9 °/00 gesunken. Eigentümlich ist, daß beide Wendeounkte auf die Jahre des Krieges und der Revolution fallen. Es handelt sich also hier wohl um einen psychischen Einfluß auf den Willen, Kinder zu zeugen bez. die Zahl der Geburten einzuschränken. In der Tat hört man rllenthalben: „Wir haben kein Recht, Kinder zu haben. Wohin sollen wir in solchen Zeiten mit Kindern?" Der Grund ist also in der Hauptsache kein wirtschaftlicher, sondern mehr ein sozialpolitischer, der von offenem und verstecktem Antisemitismus, von den ständigen Pogromen und Verfolgungen herrührt. Ein ganz anderes Bild zeigt uns die Sterblichkeit. Im allgemeinen ist sie von Anfang an bis 1918 etwas niedriger als die oben berechnete Ziffer. Das ist die Folge des allgemeinen sanitärhygienischen Zustandes des Landes, der sich vor der Revolution gebessert hatte. Die Sterblichkeitsziffer von 1919 und 1920 bestätigen das oben Gesagte. In diesen Jahren fanden die conterrevolutionären Bewegungen statt. In dieser Zeit hielt man die Juden für die Urheber allen Unglücks. Juden und Kommunisten wurden gleichgestellt, und unter dem Schlachtruf „Schlagt die Juden, rettet Rußland" wurden Hunderte und Tausende von Juden niedergemetzelt. Der Elisabethgrader Pogrom von 1919 hat mindestens 800 Juden das Leben gekostet. Ungefähr das gleiche war im Jahre 1920 der Fall. Betrachten wir nunmehr das allgemeine Unglück Rußlands, die Infektionskrankheiten, und versuchen wir ihre Wirkung auf die Sterblichkeit klarzumachen. Im allgemeinen ist die Sterblichkeit für die verschiedenen Formen von Typhus bei den Russen viel höher als bei den Juden Es ist dies für Odessa und Rostow am Don auf Grund statistischer Unterlagen konstatiert worden. Näheres ergibt sich aus nachstehender Tabelle II. Tabelle 11. Sterblichkeit an Typhus in Odessa, Nichtjuden Juden Jahre erkrankt gestorben erkr. gestorben absol. in % der Erkr. absol. in % der Erkr. a. Flecktyph US 1919 20 j 1469 157 10,7 570 i 37 1 6,5 1920—21 j 579 76 ■4 C\ 10,1 269 1 15 5,6 b. Rückfalltyphus. 1920-21} 529 « A | 11! 2,1 | 521 i 6 i LI C, A 1919-201 143 , b d o m l 17 i n 311 y! 11,9 rs V? \x S \ 228! 12 5,3 1920-21 S iAa 1 x-aco! 13 9.0 | 127 I -l n! i i~i 1 10,0

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