Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 16 (1920)
- Issue
- Heft 1-6 (Januar 1920)
- Article
- Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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II die hohe Zahl der Ledigen im Alter von 15—30 und 50—70 Jahren auf. I.*) Alters- Irl necan iiitiijijcij raffiiiien- Deutsch geb u r 11 g a \ n A C O U V* Q +-! 11 15- -30 30- -50 50 70 stand m w m . w m w Ledig Verheirat. 3969 670 7175 2122 2088 7301 IL 2908 8336 730 4610 904 3170 Ledig Verheirat. 93,28 6,67 77,65 22,96 18,20 63,88 T *\; 23,83 69,91 12,41 78,37 13,81 48,43 Familienstand 0 s t j u d e n 15- -30 30- -50 50- -70 m w m w m w Ledig Verheirat. 2021 374 955 463 400 1755 t r tm JL\JXJ 1276 56 697 14 345 Ledig Verheirat. 84.34 15,60 66,69 32,33 11. 18,20 79,84 10,08 80,91 7,00 , 87,12 ] 2.43 60,10 Mit der Zahl der Frauen nimmt natürlich auch die Zahl der ostjüdischen Familien zu und damit steigt auch das weibliche Geschlecht in den Kinderjahren. Der Prozentsatz der weiblichen Ostjuden ist relativ erheblich stärker als der Anteil der Knaben in der ersten Altersklasse. §4. Die Wohnungsfrage. Überall, wo Ostiuden einwandern und ' > seßhaft werden, bildet sich ohne jeden äußeren Zwang in mehr oder weniger starker Prägung das Ghetto, der engste Zusammenhang im territorialen Sinn. Berlin hat im Hirtenviertel, dem früheren Scheunenviertel, sein typisches Ghetto. Im Volksmund wird diese Gegend die „jüdische Schweiz" genannt. Die „Grenadiergaß" bildet ein Städtchen für sich, mit ihren Leiden, Freuden und Hoff- ... .; \ " ' I nungen, mit ihrer eigenen Sprache, Sitten und | Gebräuchen und steht in' keinem Zusammenj hang mit dem großen brausenden Berlin.J) | Fast jedes Haus hat hier eine Aufschrift i in hebräischen Buchstaben. Hier sind zahl- I reiche kleine Betstuben der Ostjuden, ungej fähr 10 orthodoxe jüdische Hotels, auffallend i viele Partiewarengeschäfte und Trödelhand- I lungen. Auch eine Buchhandlung und Leih- \ bibliothek ist hier, die fast nur von russischen I Juden benutzt wird. Auch die in jüdischer i Sprache erscheinenden Zeitungen werden j fast nur von ihnen gelesen. Die Galizianer lesen überhaupt weniger und bevorzugen überdies wie die Rumänen mehr Deutsch geschriebene Bücher. Dagegen werden Gebetbücher mehr von den Galizianern gekauft Die Russen kaufen sie nur vor den hohen Feiertagen im Herbst, aber fast gar nicht außer dieser Zeit. In der Grenadierstraße ist die Bevölkerung wohl zu 95 % ostjüdisch und zwar größtenteils galizisch. Keine andere Straße hat eine so überwiegende Mehrheit ostjüdischer Bevölkerung. Doch tritt noch in den benachbarten Straßen die ostjüdischen Eigenart stark genug in die Erscheinung, um den Ghettocharakter erkennen zu lassen. Das Merkwürdigste dieser Gegend liegt darin, daß sich ein ganz typisches ostjüdisches Straßenleben hier entwickelt. Selbst bei trüben Wetter stehen große Gruppen von Ostjuden zusammen. Zumal in den Abendstunden ist die Grenadierstraße in der Gegend der Dragonerstraße und der Schendelgasse ganz erfüllt von einem lebhaften Hin und Her. Frauen sitzen vor der Türe oder wandern auf und ab. Das Umschlagetuch um die Schultern und viele mit dem „Scheitel".2) Kinder spielen herum und überall stehen x) Dembitzer, Aus engen Gassen, Aus dem Jüdischen übersetzt von Stefania Goldenwring, Berlin 1915. \ 2) Die orthodox-religiöse Jüdin trägt seit ihrem! Hochzeitstage eine Perücke.