Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 16 (1920)
- Issue
- Heft 1-6 (Januar 1920)
- Article
- Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 - Zehn Jahre später war bereits eine Anzahl jüdischer Familien auch in Charlottenburg ansässig geworden. In den übrigen Stadtkreisen war die jüdische Bevölkerung relativ ganz unbedeutend. Erst weitere zehn Jahre später hatte sich das Bild vollkommen geändert. Und mit der wachsenden jüdischen Bevölkerung in den Nachbargemeinden finden sich allmählich auch Ostjuden hier ein. Eine nennenswerte Anzahl, 1434 Personen, d. h. 11,06 hat bis jetzt nur Charlottenburg aufgenommen. Aber stärker in die Erscheinung als in Charlottenburg, Schöneberg und Wilmersdorf tritt trotz bedeutend geringerer Einwanderung der ostjüdische Einschlag in Neukölln und Lichtenberg. In Charlottenburg betrug der Anteil der Ostjuden an der dort ansässigen jüdischen Bevölkerung 6,37^, in Wilmersdorf 5,27^, in Schöneberg 4,18%', in Neukölln aber 7.5 %\ *—» / ' - / ' in Lichtenberg 9,79%/. Trotz der älteren Tradition Charlottenburgs und Schönebergs als jüdische Gemeinden ist in Neukölln und Lichtenberg daher der Prozentsatz der Ortsgebürtigen höher bezw. doppelt so hoch.1) Denn die im 'Vergleich zu den Inländern höhere Geburtenziffer bei der ostjüdischen Bevölkerung tritt in der größeren Anzahl der Ortsgebürtigen in den von Ausländern stärker durchsetzten Gemeinden in die Erscheinung, Zum Beispiel beträgt in Lich- 3) Unter den Ortsgebürtigen eines jeden Stadtkreises finden sich Ausländer in folgender Gruppierung:*) Stadtkreise Ortsgebürtige Darunter Ausländer Berlin...... 32,65 13,44 Charlottenburg . . . 6,89 13,27 Schöneberg .... 5,60 15,21 Wilmersdorf .... 4,42 18,41 iü,38 21,75 Lichtenberg , , . . 10,24 20,35 tenberg der Anteil der Ostjuden an der gesamten jüdischen Gemeinde 9,79^, in Schöneberg 4,18#. Der Anteil der Ortsgebürtigen beträgt in Lichtenberg 10,24^, in Schöneberg 5,6 Eine größere Zahl von Kindern finden wir aber nurin den Familien, die noch nicht lange hier eingebürgert sind. Ostjuden, die jung einwanderten, und vor allem Familien, die erst hier geheiratet haben, sind nicht kinderreicher als die deutschgebürtigen Juden. Und der Prozentsatz der Kinder im Alter von 0—15 Jahren ist bei der deutschgebürtigen jüdischen Bevölkerung beträchtlich höher, wie wir sehen werden. Die Einzelgruppen der ostjüdischen Bevölkerung sind ihrem Umfang nach sehr verschieden. Aus Galizien kommen 52,23^, aus Rußland 41,37 % und 6,36^ aus Rumänien. Die Galizianer wohnen in ganz überwiegender Zahl, 90,07 %' der Gruppe in Berlin selbst. Die Russen und Rumänen sind örtlich nicht so konzentriert. 67,26 iflHns- TfunrtA itTrvti«+ i* f-t L* Ö1*llt1 1 Ö f-»Ku/. /ipf jcuvi vjiuppc wuiliu in uv-iuH. j. t_;,v_/w /{] UCl Rumänen, 18,93% der Russen hat sich in Chariottenburg ansässig gemacht. Neukölln und Lichtenberg haben so gut wie keine, Wilmersdorf eine sehr geringe rumänische und eine sehr unbedeutende galizische Bevölkerung. Hier dominiert das russische HicIDcrilj Uäö III DÜIIÜIICL/CI^ UHU INCullüliH wiederum zugunsten des galizischen Einschlags zurücktritt. Es ist anzunehmen, daß die Anziehungskraft, die Wilmersdorf auf die Russen ausübt, mit politischen Gründen zusammenhängt. Hier wurde den ersten, die sich niederließen, weder der Aufenthalt noch der Erwerb erschwert, wie es wahrscheinlich in Neukölln der Fall war. Der Anteil der Ostjuden an der jüdischen Gesamtbevölkerung in Berlin und einigen Vororten;