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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1920-01-01 · Heft 1-6 (Januar 1920) · p. Seite 2

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
16 (1920)
Issue
Heft 1-6 (Januar 1920)
Article
Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
Date
1920-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Vorwort. Die vorliegende Arbeit versucht mit Hilfe authentischer statistischer Erhebungen und auf Grund besonderer Beobachtungen die Lage der in Berlin eingewanderten Ostjuden zu schildern. Es Hegt ihr zunächst nicht die Absicht zugrunde, ein genaues Bild der Jetztzeit zu entwerfen. Vielmehr will sie zeigen, ob und wie in normalen Zeiten Ostjuden sich hier einleben und anpassen konnten. Bei der Darstellung dieser Zeit erscheint der Ostjude nicht „als der Wandernde, der heute kommt und morgen geht, sondern der, der heute kommt und morgen bleibt, sozusagen der potentiell Wandernde, der, obgleich er nicht weitergezogen ist, die Gelöstheit des Kommens und Gehens nicht ganz überwunden hat."1) Ganz anders ist die ostjüdische Arbeiterbevöikerutip-. die } O * in der Kriegszeit eingewandert ist. Diese Bevölkerung ist unserer Überzeugung nach lediglich eine Kriegserscheinung. Die Rückwanderung liegt — von geringen Ausnahmen abgesehen — in 1 den Intentionen der ostjüdischen Arbeiter. Es ist nicht möglich, heute schon eine erschöpfende Darstellung, der Lage dieser fluktuierenden Arbeiterbevölkerung zu geben. Wenn hier trotzdem der Versuch unternommen wird, Gegenwartsfragen, die noch nicht abgeschlossen sein können, in unsere Untersuchung einzubeziehen, so geschieht es deshalb, weil diese Fragen in starkem Zusammenhang mit dem Problem der seßhaft gewordenen Einwanderungsbevölkerung stehen. Die Erfahrungen, die sich durch die Einwanderung der russisch-polnischen Arbeiterschaft ergeben haben, werden auch auf die seßhafte ostjüdische Bevölkerung übertragen werden, und die Konsequenzen, die man aus diesen Erfahrungen ziehen wird, werden vermutlich auch jene treffen können, die hier schon seßhaft geworden sind. Erstes Kaoitel.'*) * / Statistische Darstellung der ostjüdsschen Niederlassung. § i. Die Stärke der Einwanderung. Am 1. Dezember 1910 betrug die jüdische Gesamtbevölkerung in Berlin und den Nachbargemeinden Charlottenburg, Schönebefg, Wilmersdorf, Neukölln, Lichtenberg 137043 Seelen. Davon waren 21683 15,82 °6 ■ t Ausländer. Mehr als die Hälfte aller Ausländer 12955 Personen, d. h. 59,74 % war^n Östjuden: Galizianer, Russen, Rumänen. Jn Berlin selbst wohnte die überwiegende MÄizahl, 79,19 % der Ostjuden, 10259 Personen*" In der Berliner jüdischen Bevölkerung ist das ostjüdische Element mit 11,40 % vertreten. Die deutsch-jüdische Bevölkerung Berlins setzt sich zusammen aus: 32,65 Ostgebürtigen, 45,96 ^" „sonst in Preußen Gebürtiger", 4,08 % „sonst im Deutschen Reich Gebürtiger". Es ergibt sich, daß in Berlin die Ostjuden sich erheblich zahlreicher befinden, als diese letztgenannte Gruppe. Bis zum Jahre 1885 wohnten fast alle Juden Groß-Berlins in Berlin selbst. l) Georg Simrnel: Soziologische Untersuchungen über die Vergesellschaftung, Leipzig 1908. *) Die mit einem * versehenen Tabellen stammen aus dem Material der Büros für Statistik der Juden

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