Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 102 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2650397-3187763-3187766-3194369--4931-3194417- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 102 — Hier kam es nur darauf an, festzustellen, daß die Juden in den einzelnen industriellen Berufen zwar meistens nur mit einem geringen Prozentsatz vertreten sind, daß aber ihre Bedeutung größer ist, als es den Anschein hat, weil die Unternehmer, die doch wirtschaftlich den größten Einfluß ausüben den höchsten Anteil daran haben. Eine Tatsache, die sich aus den folgenden Zahlen der ganzen Industrie mit gleicher Deutlichkeit erkennen läßt: Es ergeben sich hier bei den Juden 45,8% Unternehmer, 9,9% Angestellte und 44,2 % Arbeiter. Dagegen waren von allen industrielltätigen Andersgläubigen nur 25,5 % Unternehmer und 3,6% Angestellte, aber 70,9% Arbeiter. Bis zum Jahre 1907 hat sich infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung die Zahl der Unternehmer auch bei den Juden verringert (auf 43,7 %) zu gunsten der Angestellten, die jetzt 17 % betragen, während die Arbeiter auf 39,3 % sanken. Die Unternehmer der übrigen Bevölkerung nahmen noch bedeutender ab und betragen 1907 nur noch 20,5 %, die Angestellten vermehrten sich — zwar nicht so stark wie die jüdischen — auf 7,4%, dafür zeigte aber auch die Zahl der Arbeiter eine Steigerung. Ihr Anteil ist jetzt 72,1 %. So liefert die soziale Gliederung in der ganzen Industrie gleichfalls einen Beitrag zu der schon vorher aufgestellten Behauptung, daß Zahlen niemals genaue Aufschlüsse geben können. Auch Sombart hat diese Auffassung — gerade in Anbetracht der Bedeutung der Juden für die Industrie — wie folgt vertreten1). „Jedenfalls stellen also die Ziffern, die man ermittelt, immer nur ein Minimum jüdischen Einflusses in der Industrie dar." Daran anschließend gibt er zwei Tabellen über den Anteil der Juden an Direktions- und Aufsichtsratsstellen in deutschen industriellen Aktiengesellschaften und kommt zu dem Ergebnis, daß fast ein Viertel aller Aufsichtsraisposten von Juden besetzt sind. Diese Zahl findet er um so bedeutungsvoller — auch, wenn man sie quantitativ fasse — als die jüdische Bevölj kerung von der Gesamteinwohnerzahl des Deutschen Reiches genau ein Hundertstel ausmache. Handwerk. Die Juden sind nur serine im Handwerk es *_i vertreten Ihre genaue Beteiligung sowie eine Vergleichung mit der Anzahl der Handwerker der übrigen Bevölkerung ist nicht möglich, da die Betriebsstatistik keine konfessionelle Gliederung aufweist und die Berufsstatistik nicht geeignet ist, ein treffendes Bild davon zu geben. Im folgenden wird daher nur eine Uebersicht über die handwerksmäßigen Berufe gegeben werden (mit Hilfe der Berufsstatistik), in denen die Juden in Hamburg am stärksten vertreten sind. l) S. Sombart: Die Juden und das Wirtschaftsleben, S. 134.