Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 91 (sequence 27)
- Language
- German
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- 91 — Dienstboten) 22,9 %, bei den Juden gegen 46.3 % bei den Andersgläubigen ausmacht. Allein für die männlich jüdischen Erwerbstätigen ergab sich eine Steigerung von 19,3%, für die männlichen Andersgläubigen von 45,6 %. Für die weiblichen jüdischen Erwerbstätigen ein Wachstum von 40,6 und für die weiblichen Andersgläubigen von 48,9 %. Woher kommt die größere Zunahme bei der nichtjüdischen Bevölkerung? lautet die Fragestellung. Die geringere Steigerung bei den Juden kann umso auffallender scheinen als die Anzahl ihrer Erwachsenen infolge der geringeren Zahl von Kindern größer ist als bei den Andersgläubigen.1) Zunächst ist hierbei zu bemerken, daß die jüdischen Kinder bis zu einem höheren Alter die Schule besuchen als es durchschnittlich bei der übrigen Bevölkerung der Fall ist. Dadurch aber verstärken sie zunächst die Zahl der Angehörigen und nicht die der Erwerbstätigen. Zu berücksichtigen ist ferner, daß die Zunahme der jüdischen Bevölkerung innerhalb der beiden Zählungen nur 11.4 % gegenüber 37 4 % der übrigen Bewohner war und daß dieses über drei Mal so starke Wachstum aller Personen auch eine größere Steigerung der Erwerbstätigen zur Folge haben mußte. Ein wesentliches Moment wird aber in" dem Unterschied der hpruflirhpn ftliprlpriinp"2") crpsphen werden - "0/ o müssen. Bei den Juden nimmt der Handel den Vorrang unter den Berufen ein. Geringer ist ihre Beteiligung an der Industrie und minimal an der Landwirtschaft. Öffentlichen Dienst und freie Berufe zeigen gleichfalls hohe Anteiiziffern Dagegen ist die nichtjüdische Bevölkerung Hamburgs hauptsächlich in der Industrie beruflich tätig. Die ij Siehe Kapitel „Altersaufbau", 1. Teil, '2j Die absoluten und relativen Zahlen folgen im nächsten Abschnitt. Entwicklung dieses Berufes hat einen steigenden Bedarf an neuen Arbeitskräften mit sich gebracht, der auch sofort gedeckt werden konnte, da es sich meistens um eine mechanisch zu verrichtende Tätigkeit handelte, die von ungelernten Arbeitern, das sind auch Jugendliche und Frauen, geleistet werden konnte. Dagegen stieg der Bedarf an neuen Arbeitskräften im Handel naturgemäß langsamer und läßt die geringe Zunahme jüdischer Erwerbstätiger dadurch begreiflich erscheinen. Charakteristische Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden zeigt auch die dritte Rubrik obiger Zusammenstellung: Die Anzahl der bei den Juden von eigenem Vermögen lebenden Personen (1895 6 % und 1907 7,5 %) ist ungleich größer als bei der nhricrpn Rpvölkerunp- (2.4 bezw. 3.4 %\. jg, i : ■ - , ■ -/ Wenn man nach dieser Tabelle die Zahlen der Angehörigen (ohne Rentner) be- C3 <~S> \ / trachtet, die hier den tatsächlich zu ernährenden Personen entsprechen, ergeben sich gänzlich veränderte Verhältnisse: Es zeigt sich nicht mehr ein höherer Prozentsatz jüdischer Angehörigen, sondern für 1895 stehen 53,3 % jüdischer Angehöriger der gleichen Anzahl (53,2 %) riichtjüdischer Angehöriger gegenüber. Im Jahre 1907 ist die Belastung der Andersgläubigen mit Angehörigen sogar eine größere (50,4 %) als bei den Juden (48,1 %). Geringere Kinderzahl und die niedrigere Zunahme der Juden spiegeln sich in diesen Zahlen wieder. Die allgemeine Abnahme der Prozentsatzes der Angehörigen beruht auf der Zunahme der Erwerbstätigen. Die Gliederung der Angehörigen nach dem Geschlecht zeigt bei den männlichen Angehörigen niedrigere Ziffern für die jüdischen Personen (30 bezw. 26,7 % jüdische Angehörige gegenüber 33,5 bezw. 30,4 % andersgläubigen Angehörigen). Bei den