Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 85 (sequence 21)
- Language
- German
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— 85 — Die Juden haben zu allen Zeiten eine niedrigere Ziffer unehelicher Geburten als die Gesamtbevölkerung. Sie verhält sich in den Jahren 1885/90 wie 4,2:10,7, in Jahrfünft 1905/10 wie 6,2 : 13,1. Ein Anwachsen unehelicher Geburten läßt sich überall verfolgen, nur ist der Grad der Zunahme bei der Gesamtbevölkerung 50,7^ und bei den Juden nur 2S%. Die Steigerung als solche kann als eine Folge der immer schwerer werdenden Lebensbedingungen angesehen werden, die eine Zurückhaltung für den Eingang von Ehen bedeuten. Am Schluß dieses Kapitels sei noch einmal das Ergebnis seiner Untersuchungen darin zusammengefaßt: daß die Geburtenhäufigkeit der Juden nicht geringer ist als die einer anderen ihnen sozial gleichgestellten Bevökerung. Doch wird eine Betrachtung über jüdische Geburtenziffern erst als vollständig angesehen werden können, wenn der Einfluß der Mischehen und Taufen dabei berücksichtigt wird. Sie entzieht der jüdischen Bevölkerung einen Teil ihres Nachwuchses. Da ferner häufig die Eltern solcher Kinder aus Mischehen, die Christen geworden sind, noch weiter als Juden figurieren, tragen sie dazu bei, daß die jüdische Geburtenrate noch niedriger erscheint als sie schon in Wirklichkeit ist. Mischehen. Die nachstehende Uebersicht der Mischehen in den einzelnen Jahrfünften zeigt eine Tendenz zu progressiver Vermehrung: Jahre Rein jüdische Ehen Mischehen Es heiraten einen nichtjüdischen Ehegatten von je IÖÖ heiratenden Männer1) Frauen1) überhaupt Männern Frauen M. u. F. zus. 1886 90 499 99 51 150 16,5 9,3 13,1 1891/95 518 90 73 163 14,8 12,4 13,6 iß ö J. \-/jV_» 1896/1900 508 114 91 205 1ft 3 —w?w 1 9 1 QOI /f>R A W-a- / <ion JlIS\J 1 Off A ^A\J 4 OO lOu Cirrrv ÄÖÜ 20,5 21,3 20,9 1906/10 505 181 144 325 26,4 22,2 24,3 Die jüdischen Ehen nehmen nur um 1,2zu, die Mischehen dagegen um 116%. Der abnehmende religiöse Charakter der Ehe, zunehmende Anpassung der Juden an mgeDung werden ais Momente iür hu iü ic w _ 1 ' T"^ * 1 A c HP i 1 Hiö U rlri ariinrr niaca*-! □ TCQT* uic i_i r\ici; uiiii u.i'~o'~i i csioaLi; nier genügen. Merkwürdig erscheint dabei, daß die Mischehen jüdischer Männer mit christlichen Frauen häufiger sind als die jüdischen Frauen mit christlichen Männern. Ruppinl) hat dieselbe Beobachtang fast durchweg für ganz Deutschland gemacht. In der Zeitperiode von 1875 bis 1884 war in Preußen noch das Umgekehrte der Fall. Vielleicht — x) Ruppin: Juden der Gegenwart, S. 162. meint Ruppin — weil damals das Heiraten armer christlicher Adligen mit reichen Jüdinnen besonders in der Mode war. Die geringere Anzahl der Mischehen von jüdischen Frauen in früheren Jahren klaubt ~ " " ~ ~* o> er der neu einsetzenden antisemitischen Strömung Anfang der 80 er Jahre zuschreiben zu können, die als Hemmnis für Mischehen, besonders für jüdische Frauen hätte wirken müssen. Denn die Eheschließung des Mannes sei immer eine leichtere und anscheinend heirate bei Mischehen der jüdische Mann auch häufig unter seinem Stande. Mit der Zahl der Mischehen ist auch die Zahl ihrer Kinder gestiegen: