Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 83 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2650397-3187763-3187766-3194369--4912-3194398- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 83 — Die Tatsache, dai3 die Zahl jüdischer Geburten hinter der Andersgläubiger zurückbleibt, hat Ruppin1) für eine Reihe von Städten und Ländern festgestellt. Da aber die Geburtenziffern bei den Juden der einzelnen Gebiete oft sehr von einander abweichen (sie schwanken zwischen 15 und /IQ o/\ 4o /o) auch dann, wenn gleiche oder ähnliche äußere Bedingungen vorhanden sind -— kommt er zu der Ueberzeugung, daß die Erklärung dieser Verschiedenheit in sozialen Unterschieden zu suchen ist. Mit anderen Worten: Steigender Wohlstand und höhere Bildung sind die Ursache sinkender Geburtenziffern. Die Wirkung dieses Gesetzes - findet aber nicht nur bei den Juden, sondern auch in der abnehmenden Geburtenrate der andersgläubigen Bevölkerung Hamburgs ihre Bestätigung, die bei der letzteren nur später und zögernder einsetzt als die jüdische, weil auch Wohlstand und höhere Bildung erst allmählich in die breiteren Schichten ihrer Angehörigen eindringen. Bei einem Vergleich zwischen jüdischer und nichtjüdischer Geburtenrate darf außer der Wohlhabenheit, dem Einkommen auch die berufliche Gliederung nicht unberücksichtigt bleiben. So ermöglichen Handel und freie Berufe, in denen der größte Teil der jüdischen Erwerbstätigen vertreten ist, erst in höherem Alter eine wirtschaftliche Selbständigkeit Die daraus resultierenden ä) Siehe Ruppin: Juden der Gegenwart, S. 70. Spätehen oder Ehelosigkeit überhaupt sind auch eine Ursache der geringeren Kinderzahl bei den Juden. Nicht minder ist die Herkunft einer Bevölkerung — ob vom Lande oder der Stadt — ein mitbestimmender Faktor. Statistische Feststellungen ergeben eine höhere Geburtenrate auf dem Lande als in der Stadt und da nun die Juden seit Generationen Städter sind, muß ihre Geburtenrate auch eine geringere sein als die der Gesamtbevölkerung. Ein wesentliches Moment des geringeren jüdischen Prozentsatzes ist ferner der präventive Geschlechtsverkehr, der bei größerem Wohlstand zunimmt und dessen Folgen bei den Juden daher schärfer in die Erscheinung treten. Dieser Einfluß des Wohlstandes auf die Geburtenrate hat May in seiner konfessionellen Militärstatistik2) für Hamburg nachgewiesen. May teilt die Bevölkerung in drei Einkommenklassen und zeigt für jede derselben den Unterschied der Geburtenrate und Säuglingssterblichkeit. (Siehe nachsteh. Tabelle.) Diese Zahlen der höheren Geburtenrate und größeren Sterblichkeitsziffern bei niedrierem Einkommen und eine bedeutende Abnahme bei höherem und hohem —/Iii IX\J iii iii \ eintüten aucs uas, was scflüti vorher theoretisch konstatiert wurde. 2) Tübingen, Verlag Mohr, 1917, 3 29. Durchschnitt der Jahre 1895-1899 Einkommenklasse T X II III Einkommen pro Kopf der Bevölkerung (1897—1898) Lebendgeb, (auf 1000 Einwohner) Säuglingssterblichkeit (auf 100 Lebendgeb ) M. 310 40 22 M. 577 36 18 M. 2096 22 10 Durchschnitt der Jahre 1911-1913 Einkommen pro Kopf der Bevölkerung (1911-1913) Lebendgeb. (auf 1000 Einwohner) Säuglingssterblichkeit (auf 100 Lebendgeb) M. 505 27 1 A i1* M. 717 22 13 M. 3026 11 8