Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 75 (sequence 11)
- Language
- German
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Wesentliche Unterschiede finden sich wieder bei den Juden. Zwar zeigt sich auch bei ihnen in den ersten fünf Jahresklassen eine Mehrzahl männlicher Geburten (3,8 % m., 3,5 % w.), die sich aber im Gegensatz zur Gesamtbevölkerung auch noch für°die 5— 10jährigen (4,2 % m , 4,0 % w.) aufweisen läßt dank der geringeren Sterblichkeit jüdischer Säuglinge und Kinder. Jedoch bewirkt ihre niedrige Geburtenrate auch eine geringere Besetzung der unteren Jahresklassen (0—5 J,Y die 3,8 % m. und 3,5 % w. gegenüber 5,4 % m. und 5 % w. bei der Gesamtbevölkerung ausmacht. Trotzdem erreichen günstigere Sterblichkeitsziffern schon in den nächsten fünf Jahren eine Annäherung von 4,2 % m. und 4,0 % w. der Gesamtbevölkerung. Die Alterklassen von 15—20 Jahren zeigen eine annähernd gleiche Besetzung bei Juden und Nichtjuden, nur mit dem Unterschiede, daß bei den Juden noch kein Ueberwiegen des weiblichen Geschlechts vorhanden ist. Der Anteil der Juden an den in diesem Alter hauptsächlich einwandernden Dienstboten ist ein äußerst geringer und eine männliche Abwanderung findet bei ihnen infolge längeren Schulbesuchs in diesen Jahren noch wenig statt. Für die 20—30jährige Altersklasse stellen die Juden noch etwas geringere Ziffern: <5,/ 7o m., ö,y 7o w. gcgenuDcr y,ö 7o m. uno 9,9 % w. der Gesamtbevölkerung, die durch den ungleich größeren Wanderungsübersctiuß zu erklären sind. Von hier an aber wird das Verhältnis umgekehrt: die Besetzung der älteren Jahresklassen ist bei den Juden infolge günstigerer Sterblichkeitsverhältnisse im allgemeinen und bei den Frauen im besonderen, eine ungleich höhere. In den Jahren von 50—60 z. B. 5,2 fQ m. und 5,2 % w. Juden gegen 3,6 f/o m. und 4,0 % der Gesamtbevölkerung, von 60—70 Jahren 2,9 °/o m. und 3,5 % w. Juden im Verhältnis zu 1,8 % m. und 2,4 % w. der Gesamtbevölkerung. Zur weiteren Veranschaulichung mag noch eine Auszählung der über 90 Jahre alten Hamburger Bewohner im Jahre 1905 beitragen. Sie ergab im ganzen 285 Personen, davon gehörten 261 oder 91,6 % der evangelischen Kirche an, 2 oder weniger als 1 % der reformierten, 5 oder 1,8 % der katholischen Kirche, während 17 oder 6 % Juden gezählt wurden. Nur sie waren danach unter den alten Leuten stärker vertreten als es ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung (2,24 entsprach, selbst wenn ihr Prozentsatz in früheren Perioden auch in Betracht gezogen wird. Diese stärkere Besetzung der älteren Jahresklassen bei den Juden und die geringere Anzahl ihrer Kinder wird bei jeder Behandlung bevölkerungs-statistischer Fragen in Betracht gezogen werden müssen. O e r 11 i c h e Gliederung1. K-J Man könnte mit Recht danach fragen, mit welcher Begründung die örtliche Gliederung Hamburgs als Beitrag zur Erforschung jüdisch-wirtschaftlicher Verhältnisse notwendig sei. Ein Zusammenhang kann zwar in¬ Sutern nicht festgestellt werden, als Beruisstätte und Wohnung der Erwerbstätigen nicht mehr zusammenfallen und die Bewohner der einzelnen Stadtteile keine Wirtschaftsgemeinschaften mehr bilden. Doch erschien mir diese Uebersicht als charakteristische Darstellung für die Verteilung der Konfessionen in den einzelnen Stadtteilen hinreichend interessant und als Ergänzung für manche bevölkerungs-statistischen Einzelheiten (Geburtenrate u. a.) auch erwünscht, um die hier folgende Uebersicht für die Jahre 1895 und 1905 zu rechtfertigen.