Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
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— 69 - Wanderungsüberschuß, Absolut gesehen ist dieser Ueberschuß aus Wanderungen nicht so beträchtlich, da 1871 infolge des Krieges ein geringerer Zuzug stattgefunden hat und die späteren Kriegsjahre als Reaktion der Gründerzeiten die inzwischen erfolgte Erhöhung wieder herabdrückten. Es war vielmehr einer verminderten Auswanderung zu danken, daß ein relativ günstiger Wanderungsüberschuß erzielt wurde. Ein Einfluß, der sich auf wirtschaftlichen Maßnahmen des deutschen Reiches zurückführen läßt, indem man im Jahre 1879 zu neuen und erhöhten Zöllen überging. Auch bei den Juden läßt sich — im Vergleich zu der späteren Entwicklung in diesem Zeitraum ein Wachstum von 13 % als günstig bezeichnen. Der Aufschwung der Erwerbsverhältnisse nach 1871 wird für sie ein Anreiz zum Zuzug bedeutet haben, der sich durch die genannten Ereignisse wieder etwas verminderte. Dagegen weist das nächste Jahrfünft allgemein eine geringere Steigerung auf, Wfo bei der Gesamtbevölkerung (43 % Geburtenüberschuß, 57 % Wanderungsüberschuß) und nur 5 % Zunahme bei den Juden. Eine Erscheinung, die sich Anfang der achtziger Jahre auch in allen anderen Großstädten des Reiches beobachten ließ und noch als Reaktion der siebziger Jahre zu erklären ist. Bedeutungsvoll für die Entwicklung Hamburgs ist die Periode von 1885/90. Im Jahre 1888 erfolgte der Zollanschluß des Staates an die deutsche Handelseinheit und bewirkte einen Aufschwung des gesamten Wirtschaftslebens, der ein bis dahin noch nicht beobachtetes Anwachsen der Bevölkerungszahl zur Folge hatte. Vom Lande und den kleineren Städten strömte die Bevölkerung den wirtschaftlich günstigeren Zentren zu, ein Vorgang, der sich in Hamburg in einer über 20 ^igen Zunahme wiederspiegelte. Sie beruht nur mit 27%' auf einem Ueberwiegen der Geburten über die Gestorbenen, aber mit 73 % auf Wanderungsüberschuß. Die jüdische Bevölkerung hat an dieser Bewegung zwar auch Anteil genommen, ihre Zunahme stieg von 5 auf 6 doch ist sie im Verhältnis zu den 20 % der ganzen Bevölkerung nur als eine geringe zu betrachten. Sie wird durch Wanderungsüberschuß bewirkt (fast 70^). Solchen Zeiten des Aufschwungs folgen mit immanenter Gesetzmäßigkeit Perioden der Reaktion, die sich bereits in Jahrfünft 1890/95 bemerkbar macht. In Hamburg kam noch ein außerhalb der Voraussicht liegendes Ereignis hinzu: die Choleraepidemie im Jahre 1892, die die Sterbefälle auf das Doppelte steigerte und den Zuzug erheblich herabdrückte. In diesem einen Jahre verminderte sich sogar die Einwohnerzahl der Stadt, während das Jahrfünft im ganzen für den Staat doch noch eine Zunahme von 9 % aufwies Zum erstenmal ist hier das Wachstum zum größten Teil (6-4 auf den Geburtenüberschuß zurückzuführen. Wie aber haben die Juden auf diese Ereignisse reagiert? Ein Geburtenüberschuß ist zwar vorhanden, aber statt der Zunahme ergibt sich eine absolute Abnahme von 569 Personen, die auf ein Ueberwiegen der Wega , t 1 * -TT « * «TA 7 n Cff* f 1A fl 11 hAf / iirro ~ ~»rv a o « *- hiw\ iJ <> ^^^"w'^^IiCii ULr'Ci uiv. O^liil^JL/Cll läßt. Schon die folgende Periode brachte mit einer 13 % Zunahme der Gesamtbevölkerung und 4 bei den Juden den früheren Jahren entsprechende Verhältnisse wieder. Auch läßt sich bereits ein langsames Anwachsen der Einwanderung beobachten. Von 1900 an setzt eine jährlich wachsende Zunahme der Gesamtbevölkerung ein. trotz sinkender Geburtenziffer, die so stark ist, daß das Wachstum der Juden weit dahinter