Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- Zur Statistik der polnischen Juden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
- Date
- 1919-04-01
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
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- 64 - war ja doch in diesem Zeitalter die polnische Administration noch nicht vollkommen der Aufgabe, Volkszählungen aufzunehmen, gewachsen und mit den dazu nötigen Behelfen ausgestattet. Welche Differenzen wir zwischen den offiziellen Lustrationen und einer zu keinem Steuerzwecke durchgeführten Zählung vorfinden, ersehen wir aus einer Zählung im tolara 177« uumc jl i l *J>, Die in diesem Jahre durchgeführte kirchliche Zählung ergab, wie aus Tabelle XIII ersichtlich ist , 18984 Judenseelen, die Lustration l) dagegen nur 13056 judenseeien, somit 5928 Judenseelen weniger. In der nachstehenden Tabelle sind die Lustrationsergebnisse von 4 Jahren nach einzelnen Wojewodschaften zusammengestellt. Tabelle XIII. i) Wojewodschaft T .p.nH^rh äff 1765 1776 1778*) 1781 1784 Posen 1602 7761 15531 Ä8' 9985 Kalisz 7130 4065 6961 4125 4307 Sieradz 7930 5328 7992 &rM 6351 Krakau 19343 4181 7910 6136 635,5; Sandomir 29875 12901 26038 1^31 mm Lublin 17685 9393 16095 15814 45373 Brecz Kujawski 21841 . 1607 2622 2MM $8565 Podiasie 19033 11855 17782 12068 «828 Plock 3964 2954 4431 2784 3010 Masowien 10407 7128 10972 8$58 '8655 Rawa 5340 3860 5790 4772 Leczyc 2749 1794 2691 1892 1f47 Warschau — --- 3532 'o87 Kijow 21600 15704 26436 —-r 2»03 2® Podolien 38175 7046 28534 — Wolynien 51736 42708 wm r~&____t____ iDIdüla W f\f\r\^r - 14.H8Ö a. a^vwu iOPiCiiZe* I^VCvA-' \ ~- . £i~\izriÄjGu^y^ Gnesen 8 — i 6098} llp 1 1063 *) Zusammengestellt 1765, 1775 nach Handschrift? 806; 1781, 1/84 nach Buching. Die Wojewodschaften Wolynien, Podolien, Kijow, Braclaw nach Archiv jfig. Zapod Rosji Bd. V, 1; einzelne Korrekturen sind nach den in dieser Abhandlung zitierten Archivmaterialien vorgenommen'werden. 2) Nach Zbiow Sodatkow in Handschrift 806, S. 611—51 umgerechnet. ' Am dichtesten waren die Judensiedlungen in den Wojewodschaften Podolien, Wolyn, Sandomir, Lublin, in Kronpolen und Trock und Wilna in Litauen. In Tab. XIII merkt man auf den ersten Augenblick, wie ab- Handschrift 806 S. 675. ArctAt-i A Hl? weichend und differierend die Lustrationen in den einzelnen Zeiträumen sind, wir nennen nur Posen im Jahre 1765, 1775, 1781 * Lublin im Jahre 1765, 1775 Brzesc im Jahre 1765, 1781, 1784 Wolhynien im Jahre 1765 und 1784. Ebenso sind große Unterschiede zu verzeichnen in Krakau, wo es im Jahre 1784 nach der Lustration 6355 und im Jahre 1787 nach einer Kirchenzählung 8558 Judenseelen gab, ebenso inl Sandomir, wo im Jahre 1784 16166 Judenseeien, .1787 25794 Juden-; seelen, in Lublin 1784 15373- Judenseeien, 1787 aber 24266 Judenseelen waren. Es ist unmöglich anzunehmen, daß sich in einerif Zeiträume von 10 Jahren (1765 bis 1775) di! jüdische Bevölkerung so stark vermindert hättet wenn auch dazwischen tlie erste Teilung Polens (1772) liegt. Infolge der Teilurig kamen *) an Oesterreich 153843 Judenseeien, an Kußland 27410 und an Preußl% 10410; Judenseeien. Diese Zahlen haben wir nach einer Eihkommensteuertabeikyherausgerechnet. :Sie stimmen vollkommen mit v($eh; m der schon zitierten Antwort von j, ängegebenen Zahlen und annähernd mit derieii von Ifüsching2) überein. Ebensoistes nicht ganz sicher, ob sie im Zeiträume 1775 bis 1781 so stark zugenommen hatten, wenn wir selbst die stets wachsende iTtl1Tli'ßTi»Tirvn Vt2 Juden berücksichtigeii;. Die Ltisirationen sind eben für statistische Berechnungen viel zu unzuverlässig und -lückenhaft, sie können uns, da wir in dieser Zeit über keine modernen Behelfe verfügen, nur. annähernde Aufschlüsse gebeny #ie es hier auf Grund der angeführten Bruchstücke ersichtlich geworden ist. *) Summaryusz zebr&rych nitral Rzpl. im Gzartoryski Archiv, Handschrift Nr, 806, S. 350. 2) Nach Js kamen an ÖMiiteich 153843, Rußland 27410, Preußen 10410 Juden; nach Büsching haben wir nur die Zahl der an Oesterreich abgetretenen Juden, die 144200 betrug. Für die Redaktion verantwortlich: Kechtsanwait Dr. Bruno Blau, Berlin-Charlottenburg. — Verlag von Max Schiidberger, Inhaber Arthur Schlesinger Berlin W. 62, Schiilstraße 3, Druck von E.\Grüner, Bernau bei Berlin.