Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1919)
- Article
- Die berufliche und soziale Gliederung der Juden in Oesterreich
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 14)
- Language
- German
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Tabelle 10. Besetzung der einzelnen Berufsklassen durch das jüdische weibl. öeschlechi Berufsklassen Zahl der weiblichen Berufszugehörigen Berufstätigen Von je 1000 weiblichen Berufstätigen entfallen auf die Klassen Von je 1000 jüdischen Berufstätigen jeder Klasse sind weibl. Geschlechts A. Landu. Forstwirtsch. B Industrie u. Gewerbe C. Handel und Verkehr 1 Dl. Oeffentlicher Dienst,! freie Berufe, Unterrichts- .! wesen. Q D2. Von Renten u. Unterstützung Lebende I Berufslose u. dgl. A—D. Zusammen 57,215 161,117 344,366 42,175 63,749 668,682 die Differenzwerte am höchsten; bei uns machen die Frauen 42 vom Hundert der landwirtschaftlichen Berufstätigen aus, bei der Gesamtbevölkerung ist über die Hälfte dieser Berufsabteilung weiblichen Geschlechtes. Im Handel lauten diese Relationen 29 bei den Juden und 34 bei der Gesamtbevölkerung. Sonstige Tatsachen lassen sich von der genannten Tabelle ohne Schwierigkeiten ablesen und es erübrigt noch, der Vollständigkeit halber einige Berufsgruppen zu besprechen, die von unseren Frauen mehr als andere bevorzugt werden. Hierzu Tabelle 11. Die Frauen sind dem allgemeinen jüdischen Besetzungsschema gemäß mit ca. Vs ihrer Berufstätigen im Warenhandel vertreten, dann folgt die Landwirtschaft mit ca. Vs, das Bekleidungsgewerbe mit über Vu», das Gast- und Schankgewerbe mit weniger als Vw der Berufstätigen usw. Bei der Gesamtbevölkerung ist die Reihenfolge eine andere: an erster Stelle steht die Landwirtschaft, dann folgt das Bekleidungsgewerbe, dann die Textilindustrie und erst an vierter Stelle der Warenhandel. Die Vernachlässigung der Textilgruppe, welche in unserem Frauenschema an 8. Stelle bleibt, wirft ein charakteristisches Licht auf die mangelhafte Aus- 22,721 31,729 79,896 5,023 33,919 173,288 131 183 461 29 196 1000 422 240 291 155 549 309 nützung solcher Erwerbszweige, die für häusliche Frauenarbeit geradezu prädestiniert sind und demgemäß auch von der nichtjüdischen Bevölkerung entsprechend ausgebeutet werden.*) So macht in Oesterreich über die Hälfte der in der Textilindustrie Beschäftigten das weibliche Geschlecht aus, bei uns dagegen nehmen die Frauen nur etwa 25 vom Hundert für sich in Anspruch. Im allgemeinen fällt im dargelegten Schema eine noch größere Einförmigkeit und einseitige Konzentrierung in einigen wenigen Berufsgruppen auf, als es im allgemeinen jüdischen Besetzungsschema der Fall war, was speziell in Galizien große wirtschaftliche Nachteile nach sich zieht. Nicht minder bemerkenswert ist die soziale Schichtung unserer Frauen. Wir zählten insgesamt 70 467, d. i. 41 vom Hundert der Berufstätigen in der Selbständigenschicht; 9238, etwa 5 vom Hundert als Angestellte; 26 799, ca. 16 vom Hundert als Arbeiter, Lehrlinge und Tagelöhner zusammengenommen; und 66 784, fast 39 vom Hundert mithelfende Familienangehörige. *) Genannt seien hier Spinnerei, Haarweberei und Flechterei, Strickerei und Wirkerei, Spitzeriindusirie, Posamenterie und Bandwarenerzeuguhg und dgl. mehr.