Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1919)
- Article
- Die Mortalitätsstatistik der Juden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 1)
- Language
- German
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- 16 - Zur MoriGlitiiisst! Von Sanitätsrat Dr. W i 1 h e 1 Wenn unbestritten die medizinische Statistik einen sehr wichtigen unentbehrlichen Zweig der allgemeinen Statistik bildet, so gilt diese These womöglich in noch höherem Maße von der j ü d i s c h e n Statistik, sofern man hier den Begriff Medizin zur Biologie erweitert und die medizinische Statistik nicht zu enge faßt, vielmehr darunter die gesamte biologische Statistik, also auch die gesamte physische Beschaffenheit des jüdischen Stammes hierunter subsummiert, soweit dieselbe statistisch erfaßbar ist. Es würden hier u. a. die gesamten biologischen sowie die Fortpflanzungsverhältnisse zu behandeln sein, zwar kein rein medizinisches Gebiet, bei denen aber doch die medizinische Forschung ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Die Wichtigkeit gerade dieses Zweiges der Statistik ergibt sich aus der Erwägung, daß die physisch-biologischen Verhältnisse in besonderem Maße für das jüdische Volk die Grundlage, für seine ganze Weiterexistenz bilden und man bei den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Maßnahmen für die Erhaltung und Weiterentwicklung des jüdischen Stammes, die garade in der Gegenwart eine so intensive Förderung erfahren, immer wieder davon ausgehen muß. Von diesem Gedanken ist auch Eise ns 1 ä d t ausgegangen, als er die Gründung einer Gesellschaft jüdischer Aerzte zur Erforschung der biologisch-demographischen Verhältnisse der Juden vorschlug, eine durchaus beachtenswerte Anregung, der man nur Erfüllung wünschen kann. Fehlt es doch tatsächlich an einer Zusammenfassung der hier tätigen Elemente, und ein planmäßiges Arbeiten könnte hier manches erreichen, was die schwachen Kräfte der Einzelnen nicht fertigbringen können, Aufgabe einer derartigen Zentrale würde es auch sein, das itlstffi der Juden. m Hanauer, Frankfurt a/M. sehr wichtige Material, das über die Statistik der Juden neu produziert wird und das jetzt in der medizinischen Fachliteratur zerstreut ist und den Interessenten vielfach nicht bekannt wird, zu sichten, einheitlich zu verarbeiten und der jüdischen Statistik und Demographie zugänglich zu machen, Dies gilt vor allem für die zwei wichtigsten Kapitel der jüdischen Statistik, mit denen wir uns etwas näher befassen und von der wir einige Neuforschungen besprechen wollen, nämlich vom Geborenwerden und Sterben der Juden. Noch immer sind die besonderen Verhältnisse der Juden auf dem Gebiete der Mortalität und Natalität aufgefallen und haben die Forscher zu den verschiedensten Deutungen und Erklärungen veranlaßt. Ja. dieses so außerordenlich interessante Kapitel der Konfessionsstatistik hat sogar befruchtend auf die allgemeine Statistik gewirkt* Was die Sterblichkeit der Juden anbelangt, so ist, wenn man die Todesursachen berücksichtigt, feststehend ihre geringe Sterblichkeit an Tuberkulose und ihre erhöhte Sterblichkeit an Herzkrankheiten und Krebs. Die Aetiologie hierfür ist aber keine eindeutige. Dr. H. G u r a d z e, Berlin hat in einer kürzlich erschienenen Arbeit auf Grund des Stat. Jahrbuches der Stadt Berlin, 33. Jahrgang „Beiträge zur Krankheitsstatistik einzelner Konfessionen", in der Halbmonatschrift für soziale Hygiene, 1917, Nr. 22 Berechnungen über die Sterblichkeitsverhältnisse der jüdischen Bevölkerung Berlins mit besonderer Berücksichtigung von Lungenschwindsucht, Hals-, Magen- und Darrnkrankheiten angestellt. Es hat sich ihm \ folgende höchst interessante Tabelle ergeben: