Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Bevölkerungsbewegung der Juden in Berlin
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 71 (sequence 15)
- Language
- German
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— 71 — sich die Verhältnisse allmählich, eine Hoch- ■: konjunktur setzte ein, die bis 1907 anhielt, i um einem erneuten Niedergänge zu : weichen, der in der Folgezeit bestehen | blieb. Wegen dieses raschen Wechsels der j Lage wollen wir die ganze Zeitstrecke zu- : sammenfassend vor uns vorüberziehen lassen.; Zunächst auch hier einen Ueberbück über; den Verlauf der Eheschließungen überhaupt: ■, Es gibt wohl kaum eine bessere IIIu-! stration des soeben Gesagten, als diese Taj belle, insbesondere die Kolumne, welche \ über den Mehrzuzug in den einzelnen j Jahren Aufschluß gibt. Auf die hohe Bej völkerungszunahme in den letzten Jahren j des vergangenen Jahrhunderts war mit einem; Schlage ein Sturz eingetreten, und es hat j im Jahre 1901 ein Mehrfortzug von 10733 j Personen statt gefunden, ein deutliches j Zeichen für den Zusammenbruch, der daj mals erfolgt war. Auch noch im darauf- \ folgenden Jahre ist eine allerdings geringe ab-! solute Abnahme zu verzeichnen und nun stieg : von Jahr zu Jahr bis 1905 der Wanderungs- | Überschuß. Er erreichte eine Höhe, wie | wir sie nur im zweiten Jahrfünft der 80er Jahre kennen gelernt hatten. Sogleich aber kam der Rückschlag, der mit verdoppelter Kraft einsetzte und in den Jahren 1907 bis 1909, insbesondere aber im Jahre 1908 außerordentliche Dimensionen annahm, wie aus den außergewöhnlich großen Abwanderungsziffern dieser Jahre hervorgeht. j In mehr oder weniger ausgeprägtem j Maße spiegeln sich diese Verhältnisse in j der Eheschließungskurve wieder. 1901 und j 1902 eine Abnahme, 1903/1906 eine Zuj nähme, 1907 ein Stillstand und dann wiedej rum eine bedeutende Abnahme bis 1909, insbesondere in dem verhängnisvollen Jahre 1908. Nun ein kurzer Blick auf die ungej mischten Ehen im Verlauf dieser Zeit: I Jahr: Evangelische: Katholiken: Juden 1900 15990 892 594 1901 15240 858 620 1902 14639 808 615 1903 15514 917 597 1904 16351 924 629 1905 17026 1040 624 1906 17568 1133 627 1907 17481 1172 638 1908 16281 1160 585 1909 15633 1099 565 1910 15908 1247 577 Bei den Evangelischen wiederholt sich das eben Gesagte bis ins Detail, sodaß wir ohne weitere Bemerkung darüber hinweggehen können. Bei den Katholiken ist nur in der ersten Hälfte des Jahrzehnts der Entwicklungsgang der gleiche gewesen. Der Rückgang bis 1902 und das Ansteigen bis 1907 ist auch bei ihnen festzustellen. Von da ab machen sich einige Abweichungen geltend. Nur das Jahr 1909 ist duich eine etwas kräftige Abnahme ausgezeichnet. Schon im Jahre L9l0 war der frühere Stand nicht nur erreicht, sondern weit übertroffen. Bei den Juden treten umgekehrt in der ersten Hälfte des Jahrzehnts Abweichungen von der allgemeinen Entwicklung auf. Denn ihre Eheschließungsziffer ist von den Ereignissen der Jahre 1901 und 1902 scheinbar nicht beeinflußt worden, dagegen sind die übrigen Ziffern vollständig analog denen der Gesamtbevölkerung und Evangelischen, Und nun noch einen Blick auf die Mischehen im Verlauf der Periode: Auch die Mischehen zeigen bei näherer Betrachtung, wenn man nur die größeren Zahlen berücksichtigt, die gleiche Tendenz in den wirtschaftlich ungünstigen Jahren abzunehmen und in den gehobenen Perioden wieder zuzunehmen. Nur daß bei den Michehen zwischen evangelischen