Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1916)
- Article
- Die Berufe der Juden in München
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 41 (sequence 8)
- Language
- German
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— a — warenhändler, 54 Wäscheversand, 75 Bilderhandel; zu letzteren die Ziffern 5 Kaufhaus, 17 Viehhandel, 19 Häutehandel, 25 Güterhandel, 68 LederhandeL 86 Antiquitätenhandel. Besonders zahlreich sind diejenigen Ausländer, die sich als Tändlex, Partiewarenhändler, Kurzwarenhändler usw. bezeichnen. Der ausländische Jude liebt als Kaufmann also keine Spezialisierung. Er ist Gelegenheits¬ und Nothändler und greift überall da zu, wo es ohne Kapital oder Vorbildung etwas „zum Verdienen" gibt. Dabei neigt er dazu, neu auftauchende Methoden der Handelstechnik (Partiewarenhandel, Wäscheversand) zu ergreifen, weil hier die Konkurrenz noch nicht so groß ist. Natürlich soll hier über diese neuen Methoden vom wirtschaftsj oder sozialpolitischen Standpunkt nichts gej sagt werden. Aber wie anderwärts in'größe-! rem Maßstabe l), so sucht auch in München I in kleinerem Maßstabe der jüdische Auslänj der Lücken auszufüllen und in weniger verj breiteten Erwerbsmethoden sich fortzubringen» I VII. Die soziale S t e 11 u nfg der jüdischen Ausländer in München. Nach ihrer sozialen Schichtung gliedern sich die Ausländer folgendermaßen. Es waren von den ausvon den ländischen Juden deutschen Juden absolut.. in % absolüt in % a Selbständige 833 59,7 2402 72,5 b Angestellte 233 16,7 510 15,4 c Arbeiter 329 23,6 404 12,1 1395 100 3316 100 Wir sehen, daß die Relativzahl der Selbständigen bei den im Ausland Geborenen 1) So in London die russischen Juden durch Einführung der Herrenkleiderkonfektioii im Sweatingsystem (sog. Jüdisches System"). Vgl. H a 1 p e r n , Georg, Die jüdischen Arbeiter in London. Stuttgart. 1903bedeutend geringer ist als die zum Vergleich ebenfalls berechnete Korrespondenzziffer der in Deutschland Geborenen. In der Angestelltenkategorie ist die Zahl ziemlich gleich. Aui3erordentlich überwiegt bei den Ausländern die Zahl der c-Personen. Es tritt eben hier zum ersten Mal der Jude als ein Wirtschaftsfaktor in|die Erscheinung» als der er vorher (bei den einheimischen Juden) nicht hervorgetreten ist, nämlich als Arbeiter. In ihrem Heimatland sind diese Juden vor allem Handwerker, doch zwingen sie ihre geringen Mittel und der großgewerbliche Charakter der deutschen Industrie zur Existenz als Arbeiter. Betrachten wir die soziale Stellung der ausländischen Juden, ^geschieden nach den Ländern ihrer Geburt! Von den in . . . Geborenen treffen auf nebenstehende soziale Kategorien Österr. Ungar Rußld. Rum. übrig. Ausid. Ausid. im gzn. Dtsch.- land a. 51,2 66,7 70,5 50,0 82,6 59,7 72,5 b. 23,4 13,5 5,0 35,3 4,4 16.7 15,4 c. 25,4 19,8 24,5 14,7 13,0 23,6 12,1 100 100 100 100 100 100 100 Bemerkenswert an dieser Tabelle ist, daß in keinem Land (mit Ausnahme der Sammelrubrik „übriges Ausland'1) die Prozentzahl der in Deutschland geborenen Selbständigen erreicht wird, daß also alle eine relativ kleinere Selbständigenschicht haben als die deutschen* Juden. Dementsprechend ist in sämtlichen!Ausländern die Kategorie der c-Personen relativ stärker verr treten als in Deutschland. Was die einzeln Länder betrifft, so ist bemerkenswert, daß die österreichischen Juden zur Angestellten- und Arbeiterkategorie eine fast gleich große Zahl stellen. Die Angestellten sind also ziemlich stark vertreten.