Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1916)
- Article
- Die Berufe der Juden in München
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 36 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 36 — überwiegt das autochthone Element. Von 100 erwerbstätigen Juden sind nur 14 in München geboren. Die Einwanderung verteilt sich ziemlich gleichmäßig auf das übrige Bayern (30 %), das Deutsche Reich ohne Bayern (26%) und das Ausland (30%). Von den Ausländern wiederum stammt etwa Va aus Oesterreich, ]/4 aus Rußland. Was die Einwanderung aus dem „übrigen Bayern" betrifft, so sind jüdische Auswanderungsgebiete die Regierungsbezirke Schwaben und Neuburg (Südbayern), Mittel-, Unter- und* zum Teil Oberfranken (sämtliche in Nordbayern). Die Rheinprovinz hat zwar eine ziemlich erhebliche jüdische Bevölkerung, dieselbe gravitiert aber mehr nach den rheinischmainischen Großstädten (Frankfurt a. M.). Die Herkunft der jüdischen erwerbstätigen Bevölkerung Münchens ist durchaus abweichend von derjenigen der nichtjüdischen Bevölkerung. Von der erwerbstätigen Gesamtbevölkerung Münchens sind %0 in München geboren und nur 5% im Ausland (gegen beinahe Vs bei den Juden). Auch die erwerbstätige Gesamtbevölkerung Münchens ist also heterogen, wie die der meisten modernen Großstädte, aber doch nicht in dem Maße, wie die jüdische Bevölkerung, und die Einwanderungsgebiete sind andere. Die Ausländer spielen unter der Gesamtbevölkerung Münchens keine so große Rolle wie unter der jüdischen Bevölkerung, und auch die Einwanderuug aus dem übrigen Deutschland (bei den Juden kommt hierbei hauptsächlich Norddeutschland in Betracht) ist bei der Gesamtbevölkerung nicht so groß wie bei den Juden. An dieser Stelle dürfte es am Platze sein, auf die Bedeutung Norddeutschlands, namentlich der östlichen Provinzen bis nach Berlin als „Einfalltor" aus Polen hinzuweisen.! Wie die obenstehende Tabelle zeigt,! kommen die aus Bayern stammenden Juden I und die aus Deutschland ohne Bayern stammenden Juden zu V3 vom Land und zu Vi aus Städten. Dies kommt davon her, daß die Juden überhaupt mehr eine städtische Bevölkemng sind; die Wanderungen bestehen I daher bei ihnen mehr aus solchen von der I Kleinstadt in die Großstadt als vom Lande; in die Stadt.! III. Beruf un d Berufsstellung der deutschen Juden in München.! Die absoluten Ziffern haben wir schon I in der Tabelle auf Seite 35 gebracht. Zu | einem klaren Einblick in die Berufsverhält- | nisse gehört aber auch eine Berechnung | der prozentualen Vertretung der Berufe, zuj nächst nach Berufsabteilungen. j Von je 100 in . . . Geborenen treffen auf die in der Vorspatte bezeichnete Berufsabteilung München übr. Südb. Nordb. Rheinpfalz Bayern überh. übr. Süddtschl. Norddtschl. A. 0,4 0,3 0,2 B. 14,1 9,7 12,6 7,6 12,1 11,0 10,0 C. 53,1 45.9 40,2 32,1 45,6 49,4 0,2 36,7 D. 0,3 0,4 0,4 0,3 — E. 13,1 7,0 11,9 34,7 11,9 10,5 12,7 F. 19.4 36,6 34,6 25,6 29,9 28,9 40,6 100 100 100 100 100 100 100 Aus dieser Tabelle ergibt sich als auffallendster Unterschied unter den Herkunftsgruppen die verschiedene Besetzung der Berufsabteilung F Berufslose, die sich hauptsächlich aus Rentnern (aber auch aus Studierenden) zusammensetzt. Bei den Münchenern sind 19,4 % aller Erwerbstätigen in dieser Kategorie, bei den übrigen Süd- und bei den Nordbayern 36,6 bezw. 34,6 bei den Bayern überhaupt außer München 30 °t>, bei den Norddeutschen sogar 40 %. Das Gegenstück hierzu ist die Erscheinung, daß bei den in München Ge-