Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1916)
- Article
- Die jüdische Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 10)
- Language
- German
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— 13 — „ Sedlez: 72 Lomscha: 61 „ Plozk: 121 Suwalki: 109 Sa: 1*416" Von den nichtjüdischen Fabriken wurden 451 mit 45925 Arbeitern untersucht. Schon aus diesen Zahlen ist zu ersehen, daß die jüdische Fabrik ihrem Umfang nach viel kleiner ist als die nichtjüdische; so entfallen auf eine jüdische Fabrik durchschnittlich 30,4 Arbeiter, während in jeder nichtjüdischen Fabrik im Durchschnitt 101,8 Arbeiter beschäftigt werden. Noch stärker tritt die Rückständigkeit der jüdischen Industrie Polens in der Art und dem Umfang der Verwendung von Dampf und sonstiger mechanischer Kraft hervor. Von 1 416 jüdischen Fabriken arbeiteten nur 386 Fabriken mit Dampf oder elektrischer Kraft, also nur 27,3 % der Gesamtzahl, von 451 nichtjüdischen Fabriken fand man in 311 Unternehmungen die Dampfmaschinen vor, also 69 % der Gesamtzahl. Aber auch diejenigen jüdischen Fabriken, die Dampfkraft benutzen, sind bedeutend kleiner, als die christlichen Unternehmungen. So werden in einer jüdischen Fabrik mit Dampfkraft durchschnittlich 71,5 Arbeiter beschäftigt, in einer nichtjüdischen hingegen 135 Arbeiter. Die jüdischen Arbeiter werden vornehmlich in den jüdischen Fabriken beschäftigt; sie fehlen fast vollständig in den nichtjüdischen Fabriken, von denen in 311 mit Dampfkraft nur 352 Juden und in 140 ohne Dampfkraft nur 74 jüdische Arbeiter Beschäftigung fanden. Die jüdischen Arbeiter finden ferner eine häufigere Verwendung in den jüdischen Fabriken ohne Dampfkraft als in solchen mit Dampfkraft. In den Fabriken erster Art bildeten die Juden 43,7 % der gesamten Arbeiterschaft, während in Fabriken mit Dampfkraft sie nur 18,9% aller Arbeiter ausmachten. Eigentliche Fabrik arbeiter gab es nach der Untersuchung der ICA unter den Juden nur 12 380 Personen. Ueber ihre Verteilung nach den Gouvernements und Fabriken unterrichtet Tabelle XVHL Von 12 380 jüdischen Fabrikarbeitern fanden 11 944 Arbeiter auf jüdischen und nur 436 auf nicjhtjüdischen Fabriken Beschäftigung. Unter 11 158 jüdischen Arbeitern gab es 6 984 Männer 2 345 Frauen 867 Knaben 902 Mädchen c) Handel. Vom Handel lebten in Polen rund 39% aller Juden (494 687 Personen); er steht an der Spitze aller anderen Berufe. Die vergleichende Tabelle XVII (p. 11) über die Beteiligung der Polen und Juden an den verschiedenen Erwerbszweigen zeigt, daß auf keinem Gebiete der Anteil der Polen so niedrig und der Prozentsatz der Juden so groß ist, wie auf dem des Handels. Am stärksten sind die Juden im Getreidehandel vertreten: 94,1 % (Polen 5,1 %, Deutsche 0,9%); im Handel mit Leder- und Pelzwaren machen die Juden 93,2% aus; es kommt dann bezeichnenderweise der Hausierhandel mit 91,4 %. In einer ganzen Reihe von Handelsbranchen machen die Juden 80—90 % aus. (Viehhandel, Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, Bau- und Heizmaterialien, Haushaltungsgegenstäden, Metallen, Maschinen, Waffen, Geweben und Kleidern.) Die Juden beherrschen somit so ungefähr die wichstigsten Handelzweige Polens, wobei sie zum Beispiel den Holzhandel überaus fein ausgebildet haben.*) *) Eine überaus lebendige Schilderung des jüdischen Handels in Polen gibt Dr. Julius Hirsch im Ostju'denheft der „Süddeutschen Monatshefte* („Die wirtschaftliche Lage der Juden in Polen" p. 778 ü)