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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1916-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1916) · p. Seite 12

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
12 (1916)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1916)
Article
Die jüdische Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen
Date
1916-01-01
Page
Seite 12 (sequence 9)
Language
German
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— 12 — a) Landwirts chaft. Noch zur Zeit des Stanislaw August Poniatowski wurde die landwirtschaftliche Kolonie Przykalety begründet, deren Bevölkerung ausschließlich aus den Ackerbautreibenden Juden bestand. Die Verfassung vom Jahre 1775 gewährte den Juden das Recht, sich nicht nur auf den Staatsländereien, sondern auch auf den Kirchengütern und zwar sowohl im Königreich Polen, wie auch in Litauen niederzulassen. Im Jahre 1823 verfügte der Statthalter des Königreiches, daß den Juden das Rech!: freistehe, das Land unter Steuerbefreiung in ewige Pacht zu nehmen. (Beschäftigung von christlichen Arbeitern wurde dabei verboten.) Viele sollten davon Gebrauch gemacht haben, unterstützt von einigen reichen Juden, denen schon damals die Ueberführung der Juden zur Landwirtschaft sehr am Herzen lag. Sehr wirkungsvoll war der Erlaß des Jahres 1843, nach dem die Juden, die sich milder Landwirtschaft befaßten, vom Militärdienst befreit wurden. Allerdings wurde die Landverleihung an gewiße Bedingungen geknüpft und zwar wurden die Kolonien von je 40 Personen auf 50 Jahre von der Rekrutenj aushebung dispensiert und 25 jährige Bei freiung galt für die landwirtschaftlichen Ge- I meinden von nur 20 Personen. Die Qua. j lität der Erde war nicht überall hervorragerd. j Doch dank dieser Privilegien wurden in den! Jahren 1844- 1861 zur Landwirtschaft 1345 j Familien (8927 Personen) uberführt. Seit. j dem hat die Beschäftigung mit dem Acker-; bau keinen besonderen Umfang unter den j Juden Polens angenommen. Die Mehrzahl; von ihnen bilden die Pächter; die Zahl der \ Juden auf den vom Staate verliehenen; Ländereien ist dagegen gering. Da kom- | pakte Siedlungen fast vollständig fehlen, sind die Juden auf einzelnen Landgütern überall im Lande zerstreut.! Nach den Untersuchungen der ICA betrug die Zahl der jüdischen Landwirte 2 509 Familien, also ca. 16000 Personen. Darunter enfielen 368 Familien (14,7 %) auf Pächter und 2 141 Familien auf die Inhaber der vom Staat verliehenen Güter und selbstständige Eigentümer. 2 244 Familien besaßen ein Areal von 13 334 Desjatin. Die größte Bedeutung gewann in der jüdischen Landwirtschaft der Gemüse- und Obstbau, dessen Produkte sogar ins Ausland abgesetzt wurden. b) Industrie Eine erschöpfende Darstellung der jüdischen Industrie Polens gibt es noch nicht, wohl aber eine Reihe von Untersuchungen über die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der allgemeinen Industrie Polens mit einer mehr oder weniger eingehenden Berücksichtigung der Juden. Nach der Zählung vom Jahre 1897 gab es in Polen 4221 Fabriken mit 247 041 Arbeitern. Die Enquete der ICA vom Jahre 1901 bezog sich auf 1416 Fabriken mit 43 011 Arbeitern, also nicht einmal auf die Hälfte der bestehenden industriellen Unternehmungen Da jedoch die Mehrzahl der untersuchten Fabriken zur jüdischen Industrie Polens gehörten, kann man doch auf Grund der ermittelten Tatsachen von dem Stand dieser Industrie eine Vorstellung gewinnen; sie,stimmt aber auch mit denjenigen Angaben, die eine Reihe von Zeitungs- und Zeitschriftenberichten enthalten, überein In den 1 416 jüdischen Fabriken Polens, die sich auf die Gouvernements wie folgt verteilen, wurden 43011 Arbeiter beschäftigt: Gouv. Warschau: 194 Fabriken Kaiisch: 179 „ Piotrokow: 287 „ Radom: 136 „ Kelze: 78 „ Lublin: 179 „

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