Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1916)
- Article
- Die jüdische Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 5)
- Language
- German
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— 8 — Ueber den Anteil der Juden in den Mittelschulen gibt es so gut wie keine Materialien. Gäbe es aber auch darüber genauere Zahlen, so wären sie trotzdem als zeichen für die Bildungsbestrebungen der jüdischen Jungend vollkommen unzuverlässig; denn die Aufnahme der jüdischen Kinder in die Gymnasien ist durch eine Prozentnorm beschränkt. . Dasselbe gilt für die h ö h e r e B i 1 d u n g- Es ist jedenfalls bezeichnend, daß der Prozentsatz der jüdidischen Studierenden an der Universität in Warschau ununterbrochen steigt; er betrug im Jahre 1880 11,6, (93 Studenten), im Jahre 1886 14,7, (163 Studenten) und im Jahre 1899 sogar 16,8, (188 Studenten). 4. Physischer Stand der Bevölkerung. Trotz der unerhörten materiellen Notlage und des höchst unvollkommenen hygienischen Zustandes, ist der physische Zustand der jüdischen Bevölkerung Polens besser, als der der polnischen. Die Ursache wird wohl in spezifisch-jüdischen Eigenschaften zu suchen sein, vor allem in der Nüchternheit der Juden, ihrer größeren Sittlichkeit und nicht zum mindesten in der besseren Pflege, die bei den Juden Kranken genießen. Der Arzt wird von den Juden zweifellos öfters in Anspruch genommen, als von den Polen, die medizinische Wissenschaft erfreut sich bei den Juden größeren Vertrauens. Es trafen bei 10 000 Geborenen nur 2,5 blind geborene (327 Personen) bei den Juden, bei den Polen hiergegen 3,2. Es gab Blinde überhaupt unter 10 000 Juden 6,6 (860 Personen), bei den Polen 8,2. (Tab. XIV). Dasselbe beobachten wir bei den Taubstummen; ihre Zahl bei den Juden erreichte 1 198 oder 9,5 auf 10000 Juden; Tabelle XIV. Gebrechliche unter den Juden in Kongreß-Polen im Jahre 1897. Es trafen gebrechliche Es trafen gebrechliche Das Gebrechen Männer Frauen Zusamm. auf 10 000 Juden auf 10 000 Polen männl. weibl. zusamm. männl. weibl. zusamm. 166 161 327 2,6 2,4 2,5 3,2 3,3 3,2 Später blind geworden . . 275 2ö8 533 4,3 3,8 4,2 4,7 5,1 4,9 Blinde überhaupt.... 441 419 860 6,9 6,2 6,6 7,9 8,4 8,2 Taubstumme..... 725 473 1 198 11,3 6,9 9,5 12,4 10,1 11,3 218 154 372 3,4 2,3 2,9 2,9 2,2 2,6 605 486 1091 9,4 7,1 8,6 9,6 7,4 8,5 unter 10 000 Polen traf man 11,3 Taubstumme. Geisteskrank waren in Polen 1 091 Personen (605 Männer und 486 Frauen) oder 8,6 Personen auf 10000Juden; hier stehen die Polen etwas besser da, bei denen unter 10 000 Personen 8,5 Geitseskrank waren. Es ist übrigens in diesem Zusammenhang interessant festzustellen, daß der physische Stand der westeuropäischen Juden bei weitem nicht so günstig ist, wie der der polnischen Juden. So gab es z. B. im Jahre 1900 bei den Juden 10 000 Ortsanwesende Deutschlands auf Bei den poln. Juden 6,6 9,5 8,6 Blinde überhaupt: 8,3 (1910) Taubstumme: 13,5 (Pfeuß.) Geisteskr.: 23,1 Man sieht daraus, daß eine bessere materielle Lage hier nicht allein maßgebend ist; es gibt wohl im ostjüdischen Leben Vorrichtungen religiöser und kultureller Art,