Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 11 (1915)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1915)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung Galiziens 1867 - 1910
- Date
- 1915-10-01
- Page
- Seite 105 (sequence 10)
- Language
- German
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— 105 - kulturell e Arbeitsgemeinschaft darstellt. Sogar unter den 30 Städten, welche auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1889 organisiert sind, gibt es so manche, die zur Hälfte Dörfer im kulturgeographischen Sinne sind; die meisten Städte sind noch Stadtdörfer oder Dorfstädte. Diese liegen entweder an der langen russischen Nord- und Ostgrenze^ oder an der nicht minder langen ungarischen Grenze. Beide Nachbarländer gehören dem osteuropäischen Kulturtypus an und haben eine halbnaturale Wirtschaft. Erwägt man, daß in Galizien unter 6240 Ortsgemeinden kaum 98 Städte und 175 Marktflecken zu verzeichnen sind, so entfällt durchschnittlich eine Stadt auf 61 Gemeinden, eine Kleinstadt auf 31 Ortsgemeinden. Hervorstechend ist also das Raummoment; auf großen Flächen Bodens findet man erst nach langer Wanderung einen Markt. Diese Zustände erlauben der Stadt nicht das zu werden, was sie werden könnte; denn eigentlich bindet die Dörfer die Gemeinsamkeit des Marktes; von einer stabilen kulturellen Ausstrahlung ist hier lange nicht die Rede. In diesen eigenartigen Städten wohnt der landwirtschaftliche Teil der Bevölkerung an der Peripherie der Stadt und unterscheidet sich nicht von der Dorfbevölkerung, während die jüdische Bevölkerung, welche den wirtschaftlichen Kreislauf während der Markttage und auch sonst besorgt, von dem Verdienste des Markttages zehrt. In seiner Spezialarbeit über die „Kulturgrenze und den Kulturzyklus der polnischen Westbeskidenu, meint H a u s 1 i c k , daß der Gegensatz, in welchem sich die polnische Kulturentwicklung zur deutschen vollzogen hat, die eigentümliche Kulturlinie gebildet hat, welche in Biala ihre Grenze findet. Von Auschwitz an beginnt nach H a u s 1 i c k der Typus der polnisch -jüdischen Stadt, ein Typus, welcher schon zu dem russischjüdischen oder dem des europäischen Ostens | gehört Den Grund dieser Entwicklung der Städte in Galizien meint der Verfasser in dem Verfall des deutschen städtischen Bürgertums seit dem XVI. jhdt zu finden* Erst als die polnische Schlachta die deutschen Städte durch ihre Rechtsorganisation zu Grunde richtete, kamen die i Juden als diejenige Schicht, welche zwischen j den polnischen Feudalen und die breite! rechtlose Masse der Bauern eingedrungen I ist, um ihre Handelsbedürfnisse zu bej friedigen. Nach Ansicht Hauslicks kamen die Juden als fremdes, nationales Element in ein Land, dessen Volk als das „Volk niederer Kultur" eine geringe Widerstandskraft infolge der losen Struktur besaß. Die meisten Städte seien Judenstädte und an die Stelle der mittelalterlichen deutschen Städte getreten. Infolge der vielen weiteren Beschränkungen haben diese Städte ihre Physiognomie der Dorfstädte bis auf den heutigen Tag behalten. (Schluß folgt). Statistisches Archiv. Bayern Religionsbekenntnis der Eheschiießenden im Jahre 1913 und 1914. In einer der nächsten Nummern der Zeitschrift soll ein zusammenfassender Überblick über die Bevölkerungsvorgänge in den einzelnen Bundesstaaten — natürlich nur, wo die Ausscheidung nach der Konfession stattfindet— für die Jahre 1913, 1914, und wenn das diesbezügliche Material bereits veröffentlicht ist, auch für das Jahr 1915 gegeben werden. An dieser Stelle