Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 11 (1915)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1915)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung Galiziens 1867 - 1910
- Date
- 1915-10-01
- Page
- Seite 99 (sequence 4)
- Language
- German
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- 99 — Tabelle I. Jahr Rom -kath. Gr -kaih. Juden Andere Zusammen absolut rel. absolut rel. absolut rel. absolut rel. absolut rel. 1869 2 509 015 46,08 2 315 482 42,53 575 918 10,58 43 974 0,81 5444 689 100,00 1880 2 706 977 45.43 2 518 408 42,26 686 596 11,52 46 926 0,79 5 958 907 100,00 1890 2 999 716 45,40 2 790 894 42;23 768 845 11,63 48 361 0,74 6 607 816 100,00 1900 3 345 780 45,73 3 108 972 42,50 811183 11,09 50 004 0,68 7 315 939 100,00 1910 3 731 569 46,50 3 379 613 42.11 871 895 10,86 42 598 0,53 8025 675 100,00 Zählungsjahr 1880. Das Jahr 1880 bildet in der Entwicklung der jüdischen Bevölkerung einen Wendepunkt; seit diesem Jahre fällt nämlich die relative Bevölkerungsziffer, da die Auswanderungsziffer erschreckend hoch wird. Hier sei sogleich bemerkt, daß Ostgalizien, das dichtere jüdische Siedlungsgebiet zugleich auch das Hauptreservoir der jüdischen Auswanderung bildet infolge der Auswanderung sank die relative Zuwachsziffer im Jahrzehnt 1881 bis 1890 von 19,3 auf 12^. Immer noch betrug der Anteil an der Gesamtbevölkerung 11,63; die nächsten Zählungen ergaben ein ständiges Sinken der relativen Ziffer: 1900 war sie 11,09 1910 bereits 10,87 Den relativen Zuwachs, bezw. die relative Abnahme in einzelnen politischen Bezirken in ganz Galizien zeigt folgende Tabelle (II) in Prozenten von 20 % in absteigender Linie bis unter 2 Die Ergebnisse dieser Zusammenstellung drängen sich von selbst auf; zunächst, daß es in ganz Galizien keinen einzigen Bezirk gibt, in welchem die jüdische Bevölkerung mehr als 19,1 % ausmacht; sie bildet also nirgends mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung des Bezirkes, befindet sich somit überall in der Minderheit. Die Stärke der jüdischen Bevölkerung bewegt sich in dem Rahmen von 19,1 bis hinunter zu 1,6 ^. So gibt es 8 Bezirke mit einer jüdischen Bevölkerung unter 5 ^; 29 Bezirke mit einer solchen bis 10 %, ferner 34 Bezirke mit einer Bevölkerung bis 15 % und schließlich 3 Bezirke, in welchen sich der Prozentsatz zwischen 15,3 % und 19,1 % bewegt. Gehen wir mit der Linie, welche über Kolomea,dem Bezirke der größten Dichtigkeit der jüdischen Bevölkerung, über das Zentrum (Mielec) mit 9,9 y£> bis Saybusch mit der geringsten relativen Ziffer (1,6 $) läuft, so Ist in dieser absteigenden Linie eigentlich die Richtungslinie der jüdischen Siedlung gegeben. Hier sei noch nachdrücklich betont, daß die Ziffern der angeführten Tabelle, welche den Zeitraum 1880—1910, also einer menschlichen Generation umfassen, uns zu folgenden Schlüssen führen: Das Jahr 1880 ist als Wendepunkt der Entwicklung der jüdischen Bevölkerung zu betrachten; bis zu diesem Jahre verläuft die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung sowohl absolut als auch relativ infolge der allgemeinen günstigen Lage und der geringen Auswanderung normal. Das nächste Zählungsjahr 1900 zeigt das Sinken des relativen Anteiles der Juden In 34 Bezirken; im Verhältnis zu 1880 ist die jüdische Bevölkerung im Jahre 1910 in 97 Bezirken nicht unerheblich zurückgegangen (sogar bis 6 % in Brody), während in demselben Zeiträume in einzelnen Bezirken ein Zuwachs bis zu höchstens Ti\% % zu verzeichnen ist. Die nachfolgende Tabelle(III) [S. 102/3] bietet