Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 11 (1915)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1915)
- Article
- Arbeiter-Kolonie, Brockensammlung, Arbeitsnachweis, Darlehnsvereine
- Date
- 1915-02-01
- Page
- Seite 30 (sequence 14)
- Language
- German
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— 3U — die Oesterreicher und Ungarn, und zwar von 78 auf 313, also um das Vierfache. Auch die Russen und die übrigen Ausländer, welche wohl hauptsächlich aus Rumänien stammen, weisen eine lebhafte Zunahme auf. Bei den Oesterreichem und Ungarn treten die Jahre 1904—1907 nicht übermäßig hervor, dagegen bei den Russen. Da wird sogar die ganz ungewöhnlich hohe Zahl von 458 im Jahre 1906 erreicht, die allerdings eine Ausnahme bildet, denn schon im folgenden Jahre ging sie auf 143 herunter, und im Jahre 1913 waren es nur 73 Russen, welche durch den Arbeitsnachweis eine Stellung erhielten. (Fortsetzung folgt.) Die jüdische Einwanderung in die Vereinigte Von Wlad. W. Kap Für uns, die wir mitten in der Gegenj wart stehen, können die merkwürdigen Pro-! zesse, die im jüdischen Leben vor sich gej hen, nicht die Bedeutung haben, die ihnen i an sich innewohnt. Es fehlt uns eben die | nötige Distanz; denn weder den Zusammen- | hang rder Geschehnisse noch die Folgen und Nachwirkungen können wrir erfassen. Und doch gibt es in der jüdischen Wirklichkeit Erscheinungen, die ein besonders feines und präzises Verstehen erfordern, ein tätiges Eingreifen, ein mutiges Gestalten^ auf daß das jüdische Leben ein neues Gesicht bekomme. Die jüdischen Wanderbewegungen der Neuzeit gehören wohl zu den Tatsachen der jüdischen Gegenwart, die geeignet sind, den gesamten Aufbau des jüdischen Lebens in den verschiedensten Ländern, in die nur die Wanderer gelangen, wenn nicht von Grund aus umzuändern, so doch auf den Entwicklungsgang der Gemeinden einen mehr oder weniger starken Einfluß auszuüben. Der Schwerpunkt des jüdischen Lebens in England hat sich mächtig verschoben, seitdem ein größerer Teil der jüdischen Wanderer sich dort niedergelassen hat, und in Amerika j wurden von den Wanderern ganz neue Gemeinden gegründet. Aber auch in den Ländern, die nur eine verhältnismäßig kleine i Staaten von Amerika im Jahrs 1912—13. un - Kogan, Berlin. Zahl von Wanderern beherbergen, haben sie die innere Struktur der Gemeinden schwerwiegend beeinflußt. Es waren die großen Wanderungen, die auch in der jüdischen Geschichte um- und aufbauend, aber auch zerstörend wirkten; keinen anderen Faktor der jüdischen Geschichte gibt es, der in solchem Grade das umbauende, das gestaltende Moment besitzt, wie eben die jüdischen Wanderungen. Sie gehören nicht zur Statik, sondern einzig und allein zur Dynamik des jüdischen Lebens; sie brachten immer eine starke Umgestaltung de: alten Lebensformen mit sich, und sie hatten sehr oft ein fast völliges Verschwinden der Juden in einem Erdteil und ein Aufleben und Emporkommen in neuen Ländern zur Folge. Das letztere können wir gerade in Amerika beobachten, wohin auch der größte Strom der modernen Wanderungen der Juden geht; so wollen wir diese Einwanderung für das Jahr 1912=13 im folgenden einer näheren Untersuchung unterziehen. Das verflossene Jahr weist ein starkes Anschwellen der Einwanderermasse auf; die Zahl der Einwanderer dieses Jahres — 1 197892 Einwanderer — ist seit dem Bestehen der überseeischen Auswanderung die zweitgrößte. Dabei beträgt die Zahl der