Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 11 (1915)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1915)
- Article
- Arbeiter-Kolonie, Brockensammlung, Arbeitsnachweis, Darlehnsvereine
- Date
- 1915-02-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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- 19 - der relativ geringen Zahl von Kolonisten, dann wegen der geringen Mittel, über die sie verfügt, und vor allem wegen der gänzlich verschieden gearteten Verhältnisse der Insassen. Dort handelt es sich fast ausschließlich um Deutsche, hier zum größten Teil um Ausländer. Ein Vergleich scheidet daher aus unserer Betrachtung aus, und es kann sich in folgendem nur darum handeln, in Anbetracht der großen Bedeutung, welche die Arbeiterkolonie auf dem Gebiet der jüdischen Wanderarmenfürsorge unstreitig einnimmt, ihre Leistungen möglichst eingehend vorzuführen. Die folgende Tabelle I zeigt uns die Entwicklung des Kolonistenbestandes, die Zu- Ta belle I. Jahr i Bestand am 1. Jan. ' Neu aufgenoni- ■ men im Laufe des Jahres Abgegangen im | Laufe des Jahres' Bestand am 31. Dez.' Höchstbestand j im Laufe des! Jahres! Verpflegungs- 1 tage j ej ' o &c O * fi <~ •s Ii? öoo. ■^5« <*> 1902 0 188- 138 60 60 10 224 79,87 1903 60 328 313 71 82 23 003 73,48 1904 71 419 400 90 90 26 450 66,10 1905 90 453 459 84 90 28 129 61,28 1906 84 535 529 90 92 29 615 55,97 1907 90 594 596 88 91 26112 43,81 1908 88 635 633 90 93 30 678 48,45 1909 90 727 727 90 96 30 801 42,36 1910 90 635 635 90 94 29 640 46,67 1911 90 659 661 88 96 27 014 40,86 1912 88 696 706 78 81 25 368 35,92 1913 78 914 902 90 96 25 634 29,41 und Abgänge, die Zahl der Verpflegungstage im ganzen und pro Kopf jedes Kolonisten von 1902—1913* Im ganzen haben während dieser Zeitstrecke 6689 Kolonisten Aufnahme gefunden, eine recht stattliche Anzahl. Man muß aber bei ihrer Betrachtung ganz besonders berücksichtigen, daß es sich gerade bei dieser Institution nicht so sehr um die absolute Zahl handelt, da hier Qualitätsarbeit geleistet wird. Es handelt sich ja darum, individuell körperlich und moralisch gesunkenen Menschen eine neue Lebensgrundlage zu schaffen, und daher ist jeder einzelne Erfolg bereits ein großer Gewinn, Die Zahl der im Laufe eines jeden Jahres neu Aufgenommenen ist von Jahr zu Jahr gestiegen und erreichte im Jahre 1913 die Rekordhöhe von 914 Personen, 208 mehr als im Jahre 1912. Es ist dies auf die allgemein ungünstige Wirtschaftslage gerade in diesem Jahre zurückzuführen. Die Arbeits- und Stellungslosigkeit war besonders hoch, und daher der Massenandrang. Der Höchstbestand betrug 96; der in den Jahren 1909, 1911 und 1913 erreicht wurde. Im allgemeinen kann man, abgesehen von gewissen Schwankungen, fast in jedem Jahre die gleiche Höhe konstatieren. Die Zahl der Verpflegungstage hat naturgemäß entsprechend dem Anwachsen der Zahl der Kolonisten zugenommen und sich verzweieinhalbfacht, ist aber, wie die letzte Kolumne zeigt, weit hinter der Zunahme derselben zurückgeblieben. Die Folge davon war, daß die durchschnittliche Dauer des Aufenthaltes der einzelnen Kolonisten fast auf den dritten Teil gesunken ist, und zwar geht diese Abnahme von Jahr zu Jahr in immer weiterem Maße vor sich. Im Jahre 1903 trafen auf den einzelnen Kolonisten 73 Tage, d. h. 2Va Monate, im Jahre 1913 nur mehr ein Monat. Das liegt wohl hauptsächlich an den geringen Aufwendungen, welche die Arbeiterkolonie zu machen in der Lage ist; natürlich muß dies auch auf den Erfolg zurückwirken, denn es ist klar, daß von der Länge des Aufenthaltes — der allerdings eine bestimmte Zeit nicht überschreiten darf — der Erfolg, welchen die Kolonie aui die Kolonisten ausübt, ab-