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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1914-11-01 · Heft 11-12 (November 1914) · p. Seite 160

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
10 (1914)
Issue
Heft 11-12 (November 1914)
Article
Die Juden in Groß-Berlin
Date
1914-11-01
Page
Seite 160 (sequence 10)
Language
German
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— 160 — Jahre eine Zeit des Zuzugs, und bei Wilmersdorf, Neukölln und Lichtenberg kommt fast nur das letzte Jahrfünft in Frage. Mit anderen Worten: Die brandenburgischen Juden haben sich früher fast ausschließlich nach Berlin gewendet, mit dem Emporblühen der Nachbargemeinden begannen sie sich auch hier niederzulassen. 4. Die in Ostpreußen Gebürtigen. Diese Tabelle weist mit manchen Abweichungen entschieden in ihrem Aufbau große Ähnlichkeit mit der soeben behandelten auf. Auch hier ein pyramidenartiger Aufbau in Berlin, der den Schluß zuläßt, daß die Bewegung ostpreußischer Juden nach Berlin seit Jahrzehnten in ungeminderter Stärke andauert. In einzelnen Jahren war der Zufluß besonders mächtig, so von 1886 bis 1890 und von 1906 bis 1910. Bei den übrigen Stadtkreisen kehrt stets dieselbe Erscheinung wieder, daß Charlottenburg und Schöneberg auf eine etwa 20 Jahre lange Zuzugsperiode zurückblicken können, die anderen nur auf eine etwa zehnjährige, 5. Die in Westpreußen Gebürtigen. Hier ist nur zu erwähnen, daß die Zuwanderung nach Berlin zwar im letzten Jahrfünft etwas schwächer, aber von 1895 bis 1905 stärker war als von Ostpreußen. Auch hier zeichnet sich das Jahrfünft 1886/90 durch einen höheren Anteil aus. Sonst das gleiche Bild wie oben. 6. Die in Pommern Gebürtigen. Berlin weist dieselbe Entwicklungstendenz auf wie sub 5; nur daß die Gleichmäßigkeit der Zuzugsstärke seit 1886 noch prägnanter in die Erscheinung tritt. Nach Charlottenburg sind pommersche Juden in relativ erheblicherer Anzahl als aus den übrigen bisher betrachteten Provinzen von 1901 bis 1905 eingewandert. Sonst weist die Tabelle keine bemerkenswerte Abweichung von den früheren auf. 7. Die in Posen Gebürtigen. Nach Berlin hat alljährlich seit den 70 er Jahren in immer wachsendem Maße eine Einwanderung von Juden aus der Provinz Posen stattgefunden. Trotzdem die Entvölkerung dieser Provinz bereits sehr fortgeschritten ist, sind im letzten Jahrfünft 1906/1910 allein nicht weniger als 2 600 Personen nach Berlin geströmt. Von einem Nachlassen des Abwanderungstriebs kann gar nicht die Rede sein, wenn man sieht, daß auch nach Charlottenburg, Schöneberg und den anderen Stadtkreisen gerade das letzte Jahrfünft einen beträchtlichen Zuwachs von Posener Juden gebracht hat. 8. DieinSchlesienGebürtigen. Schlesien gibt ebenfalls viele Juden nach Groß-Berlin ab, und wie bei den anderen östlichen Provinzen war es das Jahrfünft 1886 bis 1890, in welchem die Wellen der Auswanderung besonders hoch gingen. Noch mehr wie aus Posen ist aus Schlesien in den letzten Jahren eine starke Abwanderung erfolgt. Hiervon legen die Zahlen sämtlicher Stadtgem einden für das Jahrfünft 1906/10 deutliches Zeugnis ab. 9. Die im übrigen Preußen Gebürtigen. Nur für die Stadt Berlin können wir ihr Herkunftsgebiet etwas eingehender ausscheiden. Von den 1 456 Juden, die in den Jahren 1906/10 zugezogen sind, waren 358 24,58^ im Rheinlande, 299= 20,53 % in Hessen-Nassau und 799 54,89^ im übrigen Preußen gebürtig; für das Jahrfünft 1901 05 lauten die entsprechenden Zahlen: 134 22,44^, 85=14,24^, 378 63,32^. Soviel steht jedenfalls fest, daß die zeitliche Entwicklung des Zuzugs für die westlichen Provinzen ganz anders ist als für die östlichen. Die Abwanderung setzte dort viel später ein und steht an Intensität hinter jener aus dem Osten — wie aus den absoluten Zahlen hervorgeht — weit zurück.

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