Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1914)
- Article
- Die Juden in Groß-Berlin
- Date
- 1914-11-01
- Page
- Seite 159 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 159 — 1. Die in Berlin Gebürtigen. Berlin selbst kommt naturgemäß für eine Zuwanderung von in Berlin selbst Gebürtigen kaum in Frage. Es handelt sich hier wohl hauptsächlich um Personen, welche aus den übrigen Stadtkreisen nach Berlin zurückgezogen sind. Am stärksten war diese Bewegung im letzten Jahrfünft Es mag überhaupt an dieser Stelle bemerkt werden, daß beim Aufbau der Bevölkerung nach der Zuzugszeit zu berücksichtigen ist, daß die älteren Jahresklassen durch die Sterblichkeit viel mehr verloren haben als die jüngeren, daß infolgedessen die Tabellen nur ein annäherndes Bild von der tatsächlichen Stärke des Zuzugs — wenigstens soweit die weiter zurückliegenden Jahrfünfte in Frage kommen — zu geben geeignet sind. Um diesen Fehler zu korrigieren, wäre die Gegenüberstellung derartigerTabellen für eine Reihe von aufeinanderfolgenden Zählungen notwendig. So aber erhalten wir lediglich eine Momentaufnahme. Je älter eine der Stadtgemeinden ist, umso weiter reicht die Zuzugsperiode zurück. Charlottenburg als die älteste hat seit 20 Jahren in immer stärkerem Maße Berliner Juden aufgenommen. Von den dort wohnhaften in Berlin Gebürtigen ist ein Zehntel im Jahrfünft 1896 bis 1900, ein Viertel in den Jahren 1901 bis 1905 und etwas mehr als die Hälfte in den letzten 5 Jahren zugezogen. In Schöneberg sind eigentlich nur die letzten 15 Jahre von Bedeutung, und von diesen vorzüglich das letzte Jahrfünft. Für die übrigen 3 Stadtgemeinden verkürzt sich die Zuzugszeit auf das Jahrzehnt 1901 bis 1910, und je jünger die Gemeinden — Wilmersdorf, Neukölln, Lichtenberg —, um so größer ist der Zustrom in den Jahren 1906 bis 1910. Dieses Jahrfünft ist, was die Einwanderung von in Berlin Gebürtigen anlangt, von ganz ausschlaggebender Bedeutung. Es hat in ihm ein sehr starker Abfluß aus Berlin nach den Nachbargemeinden stattgefunden, was besonders deutlich durch die Tatsache illustriert wird, daß in Berlin in diesem Zeitraum die Zahl der Juden von 98 000 auf 90 000 gesunken ist. Von diesen 8 000 Juden sind ca. 7 600 in die von uns behandelten Stadtkreise abgewandert 2. Die in einer der 44 Nachbargemeinden Gebürtigen. Nur ein ganz verschwindend geringer Bruchteil der in Berlin ansässigen Judenheit ist in einer der 44 Nachbargemeinden geboren. Die absolute Zahl beträgt 780, von der etwa die Hälfte im Jahrfünft 1906/10 nach Berlin gezogen ist und der Rest fast vollständig sich auf die zurückliegenden 15 Jahre verteilt. An den absoluten Zahlen gemessen spielt die Binnenwanderung innerhalb der Groß-Berliner Stadtkreise — außer Berlin selbst — keine große Rolle. In jedem einzelnen Stadtkreis sind die beiden letzten Jahrfünfte die eigentliche Zuzugsperiode. Scheiden wir Lichtenberg wegen der Kleinheit der Zahlen aus, so steht an erster Stelle Charlottenburg mit 71 dann folgt Wilmersdorf mit 70?*, hierauf Schöneberg mit 62^' und an letzter Stelle Neukölln mit 54^. 3 Die sonst in der Provinz Brandenburg Gebürtigen, Hier begegnet uns eine gewisse gleichmäßige Verteilung der Zuzugsquoten auf die einzelnen Jahrfünfte bei der Gemeinde Berlin. Es sind nicht mehr die letzten Jahre allein, welche den Zustrom gebracht haben, sondern es hat zweifellos eine ständige Zuwanderung von Juden aus der Provinz Brandenburg stattgefunden, die nach dem immerhin noch ansehnlichen Prozentsatz aus den 70 er Jahren zu schließen, damals recht erheblich gewesen sein muß. In Charlottenburg und Schöneberg sind aus den oben dargelegten Gründen nur die letzten 20