Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1914)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung Galiziens von 1772 - 1867
- Date
- 1914-09-01
- Page
- Seite 140 (sequence 3)
- Language
- German
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- 140 - nicht ausgenommen, — bloß Judenstädte seyn, I woraus die sichere Folge vorzusehen ist, I daß die wenig kristlich galizische Handj werker, bei denen in der Rupublik Pohlen; durch die näuc Konstituzion denen jenseitig j Städten verliehenen rnanichfältige Freyheiten i und Begünstigungen dahin auswandern und \ dafür die dortländige Juden, die von der j Teilnehmung vorgedachter bürgerlicher Freyj heiten in der Republik ausdrücklich ausgej schlössen worden, nachher in Galizien ein- 1 wandern werden. Wie äußerst nachtheilig für das ganze Königreich dieser Wechsel j seyn wird, liegt von selbsten jedermann vor \ Augen". — I Kein Wunder also, daß man nach solchen \ Berichten der eingesetzten Kommissäre stets \ die Richtung der gegenüber den Juden an- I zuwendenden Politik geändert hat und wirkj lieh zu solchen Maßnahmen schritt, wie sie j Graf v. B r i g i d o empfohlen hat. —; Nach diesen allgemeinen Bemerkungen führen wir die folgenden Ziffern an, um wenigstens ein ungefähres Bild von den damaligen Verhältnissen zu geben. — Es gab nach der Dezemberzählung 1772 in Galizien auf 2484301 Christen 171851 Juden, im Jahre 1773 224981 Juden, „ 1774 171851 „ „ 1776 144200 „ „ 1780 151302 „ „ „ 1782 172424 „ „ 1784 254 034 0 „ „ 1785 212000 „ „ 1786 215447 „ Diese Ziffern lassen allein schon den Wert der damaligen statistischen Erhebungen erkennen. x) Nach Dr. Gerson Wolf: „Die Juden" in „Die Völker Österreich-Ungarns«, Band VII, Wien, 1883. Man beachte nur die krumme Linie des Laufes der Entwicklung und die unwahrscheinliche Erscheinung, daß die jüdische Bevölkerung in 13 Jahren von 1773 bis 1786 um mehr als 9000 Seelen gesunken ist.1) Für das Jahr 1808 haben wir genauere Daten in „der politischen Übersicht des Königreiches Galizien vom Jahre 1808*.2) Nach dieser gab es im Jahre 1808 in 25 Kreisen des damaligen Ost- und Westgaliziens und dem Czernowitzer Kreise insgesamt 71 797 jüdische Familien und 297695 Seelen, darunter 147486 männliche und 150209 weibliche; 18 Kreise bildeten diesen Teil Galiziens, welcher nach der ersten Teilung Polens an Österreich kam, 5 Kreise bildeten das damalige Westgalizien (Krakau, Kielce, Radom, Lublin, Biata, Siedice) und der Czernowitzer Kreis, der im Kuczuk-Kainardzi Frieden an Österreich kam. Es gab nach dem Ergebnisse der Konskription von 1807: 94,31 % Christen und 3,85 % Juden. Charakteristischerweise stellt sich für die Juden das Verhältnis in Westgalizien günstiger dar als in Ostgalizien, wo mit der Bukowina zusammengenommen der Anteil der jüdischen Bevölkerung auf 5,42 % gegen 94,58 % der christlichen sich beläuft. In Westgalizien machten die Juden 7,08 °/o der Bevölkerung, die Christen 92,92 % aus. Von 100 galizischen Familien (samt Kreis Czernowitz) entfallen 94,05 °£ auf christliche und 5,95 % auf jüdische. Nach de Luca3) gab es im Jahre 1803 insgesamt 201277 Juden, relativ 7,24 1818 „ 205000 „ „ 5,74 # r) Vgl. außer S t ö g e r 1. c, Buzek L c. auch Dr. Brawer, Galizien oder wie es an Österreich kam. Wien 1910. 1. 23. 2) Vrgl. Die statistische Übersicht Galiziens vom Jahre 1808 von Dr. Kasimir Lad. Kumaniecki (Statistische Monatsschrift, XVÜI. Jahrg., August/Septemberheft, S. 751 ff. Brünn, 1913.) 3) Geograph. Handbuch v. d. Oester. Kaiserstaate Bd. V, Abs. 1. Galizien und Bukowina.