Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1914)
- Article
- Die Karäer
- Date
- 1914-09-01
- Page
- Seite 136 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-3187742-3187751-3193718--4379-3193749- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 136 - 6 Einheiten tiefer als bei den Russen und um 9 Einheiten tiefer als bei den Juden. Dementsprechend ist die Zahl der im arbeitsfähigen Alter von 20—49 Stehenden bei den Karäern um etwa 4^ höher als bei den Russen und um 5^ höher als bei den Juden. Auch die Zahl der älteren Personen und Greise ist bei den Karäern eine viel günstigere als bei den Juden und Russen. Diese Eigentümlichkeiten lassen sich auf zweifache Weise erklären, indem bei den Karäern entweder eine geringe Geburtenziffer oder eine geringe Sterblichkeit herrschen muß. Nun ließ sich beides aus den gesamten Lebensverhältnissen der Karäer vermuten* Ein Aufenthalt in Eupatoria gab mir aber die Möglichkeit, durch das liebenswürdige Entgegenkommen des Oberhasan S. N ei man, der mir die Matrikel für die letzten fünfzehn Jahre zur Verfügung stellte, eine Einsicht in die biotischen Verhältnisse der Karäer zu bekommen. Herrn N ei man sei dafür auch hier mein innigster Dank ausgesprochen, und nicht seine Schuld ist es, wenn die Kürze meines Aufenthalts es mir nicht gestattete, die entsprechenden Zahlen allseitig durchzuarbeiten. So habe ich die Geschlechtsverhältnisse unberücksichtigt lassen müssen, und auch die Sterblichkeit nach den einzelnen Jahrgängen blieb unberechnet. Aber auch ohne diese Einzelheiten ist folgende Zusammenstellung der Geburten-, Todes- und Eheziffern für die Jahrgänge 1897—1911 charakteristisch genug und verdienen diese nicht nur hier angeführt zu werden, sondern sind ganz spezieller Berücksichtigung wert, besonders seitens der karäischen Kreise selbst.! Biotische Verhältnisse der Karäer während der Jahre 1897-1911. Jahrgang i Geburtlichkeit Sterblichkeit Zuwachs Ehelichkeit 1897 282 176 106 59 1898 242 180 62 54 1899 275 156 119 74 1900 246 176 70 65 1901 233 185 48 66 1902 244 179 65 61 1903 248 208 40 61 1904 236 170 66 53 1905 178 173 5 52 1906 177 166 11 71 1907 182 174 8 79 1908 177 168 9 65 1909 174 152 22 76 1910 165 166 - 1 61 1911 156 199 - 43 63 Summa 15 Jährliches Mittel . . InPromille 3215 214 17,8 2628 188 15,6 587 26 2,2 960 64 5,3 Es muß hier berücksichtigt werden, daß die Zahlen der Tabelle sich bloß auf das taurische Zentrum beziehen; da dieses aber nach den eingangs angeführten Zahlen etwa neun Zehntel sämtlicher Karäer umfaßt, so sind wohl die Schlüsse für die Gesamtheit bindend. Was lehrt uns nun die Tabelle? Wir sehen erstens, daß die jährliche Zahl der Geburten im Laufe der 15 Jahre um etwa 100 abgenommen hat, was für die geringe Gesamtzahl einen sehr bedeutenden Rückschritt ausmacht. Bemerkenswert ist, daß auch hier, wie ich es für die Juden schon nachgewiesen habe,1) das Revolutions¬ und Kriegsjahr 1905 eine fatale Wirkung ausgeübt zu haben scheint, indem die Geburtsziffer mit ihm plötzlich einen auffallenden Niedergang aufweist. Leider läßt sich das nicht von der Sterbeziffer sagen, was S. Weißenberg, Der Rückgang der Geburtenziffer bei den russischen Juden. Z. f. Dem. u. Stat. d. Jud. 1913.