Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Zur Charakteristik des jüdischen Studentenlebens in Rußland
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
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— 78 - Die Studentinnen fangen somit früher zu j studieren an, indem ein Viertel von ihnen und j nur etwa ein Siebentel der Studenten schon j vor 19 Jahren zur Immatrikulation gelangen, j Auch ist die Zahl derer, die erst nach dem j 25. Lebensjahre eintreten, unter den Männern! viermal stärker als unter den Frauen. Die j Ursache dafür ist darin zu suchen, daß die j Männer infolge der berücksichtigten Prozent- | norm nicht selten jahrelang sich herumj plagen müssen, bis ihnen die erwünschte | Laufbahn endlich öffnet wird. Das frühe Heiraten ist eine bekannte j Erscheinung unter den russischen Studenten, j So waren auch von den jüdischen Studenten j im Mittel 12,8 von den Studentinnen j dagegen nur 6,3 % verheiratet. Der geringere j Prozentsatz der verheirateten Studentinnen! ist wohl teilweise ihrem jüngeren Alter zu-; zuschreiben. Was die Stände anbelangt, aus denen sich die russisch-jüdische Studentenschaft rekrutiert, so sind es hauptsächlich der Mittelstand (34,2 Studenten und 40,3 Studentinnen), : dann die höheren Stände (16,5 Studenten; und 7,7 Studentinnen) und die freien Be-; rufe (9,0 Studenten und 9,3 Studentinnen), j die das Bestreben oder die Möglichkeit i haben, ihren Kindern eine höhere Bildung; angedeihen zu lassen. Bemerkenswert ist, daß nur 41,7 % der Studenten, dagegen aber 71,5 % der Studentinnen die gewünschte Fakultät aufgesucht haben, was wiederum in der Prozentnorm seinen Grund hat, die für den jüdischen Studenten in vielen Fällen jene Fakultät als erwünscht erscheinen läßt, wo eben noch freie Plätze da sind. Eine Folge der Prozentnorm ist auch die Erscheinung, daß die Jünglinge, weil sie erst später eintreten können, viel später die Mittelschule absolvieren als die Mädchen. So bekamen ihre Reifezeugnisse im Alter bis 18 Jahren von den Studenten nur 20,2^, von den Studentinnen dagegen 70,8 ^. Ein großer Prozentsatz der Studenten — 15,3 — verließ die Mittelschule erst nach dem 21. Lebensjahre, in welche Rubrik nur 1,4 Studentinnen gerechnet werden dürfen. Interessant ist auch in dieser Beziehung, daß 21,7 5' der Studenten und nur 9,2^ der Studentinnen die Mittelschule garnicht besucht und ihre diesbezüglichen Studien als sogenannte „Externe" durchgemacht haben. Was die speziell jüdische Vorbildung anbelangt, so fußte noch etwa die Hälfte der Studenten im traditionellen Cheder, während ein Zehntel von ihnen gar keine solche genoß* Von den Studentinnen entbehrte ein Drittel jeder jüdischen Bildung, während die Hälfte darin häuslich unterwiesen wurde. Auch ergibt sich in der Unterrichtszeit ein bedeutender Unterschied nach den Geschlechtern, indem von den Studenten nur 15,9 %, von den Studentinnen dagegen 37,4 weniger als 3 Jahre in jüdischen Fächern unterrichtet wurden. Ihre ungenügenden Kenntnisse bestieben 33,7^ der Studenten und 25 % der Studentinnen erfreulicher Weise zu ergänzen. im speziellen waren 85,9 % der Studenten und nur 58,5 % der Studentinnen mit der jüdischen Geschichte bekannt. Bemerkenswert ist der große Prozentsatz derer (43,6 Studenten und 17,2 Studentinnen), die hebräisch zu lesen und schreiben verstanden. Mit der neu hebräischen Literatur waren 27,8 <<o der Studenten und 8,4 % der Studentinnen bekannt. Nur das Jüdische ist 80,8 % der Studenten und 77,2 % der Studentinnen mehr oder weniger geläufig, und 46,2;;* der Studenten sowie 31,4 der Studentinnen ist nur die Jargon-Literatur bekannt. Diesem geistigen Zustande entsprechend