Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Die russisch-jüdischen Studenten an den deutschen Universitäten
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 61 (sequence 2)
- Language
- German
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— 61 - ländern am meisten besuchten elf Universitäten deren Gesamtzahl mit 4275 oder 10,9^ an, darunter 2149 oder 50,2^ Russen, also die Hälfte. Wird noch berücksichtigt, daß an den übrigen 10 Universitäten der Prozentsatz der Ausländer ein sehr geringer ist, indem dort auf 19202 Hörer nur 200 oder 1 % Russen gerechnet werden, so kann im ganzen nur von einer künstlichen Zusammenpferchung aber nicht von einer Überfüllung gesprochen werden. :« ^CU © *o c c Russisch 18 M "53 CJ NJ •o c!a* — a *53 £ c -o <u > O TTj CO CO '•cc 15.5 3 %< 3 CO o ~ c O O £ < & < <2-d M Berlin . . . 9806 1 217 510 10,4 41,9 499 97,9 Breslau . . 2 633 151 99 5,4 65,5 85 85,8 Freiburg . 2 627 177 92 6,8 52,0 53 57,0 Halle . . . 2 906 270 120 9,3 44,4 68 56,6 Heidelberg 2 264 301 161 13,3 53,4 124 77,0 Giessen . . 1338 52 31 3,9 60,0 26 84,0 Jena .... 1842 140 57 7,6 47,2 42 73,7 Königsberg 1758 240 230 13,6 95,8 200 87,0 Leipzig . . 5 351 784 408 14,6 52,0 350 85,8 München . 6759 752 320 11,1 43,9 288 90,0 Straßburg . 2 063 191 121 9,7 63,3 98 80,9 Im ganzen 39 347 4 275 2 149 10,9 50,2 1 833j 85,4 Ein etwas anderes Bild erhält man bei Betrachtung der Ausländerfrage nach den Fakultäten, worüber folgende Tabelle, und zwar nur für die Russen Auskunft gibt. Medizinische Fakultät Alle anderen! jRuss.Jud. Fakultäten ( . \o o\ 1 CO CO •6 \p ••öS C 3 72 "-s C CO cC NJ c C i Uh "c3 NJ c V C <y > QJ S CO cd CO ] _ -a GJ 5 CO «J o -£* CU CO "c D O E CO 3 C£ CO 3 Q£ j *ro j N o^- G O E CO c£ darui Russ CO 5i Berlin . . . 2083 383*18,4 1 380 99,0 772^ 127 121 1,7 Breslau . . 579 81114,0 i 76 93,5 2054 18 3 0,9 Freiburg. . 1064 51! 4,8! 43 84,3 1563 41 10 2,6 Halle . . . 289 73:25,2! 60 82,2 2617 50 8 1,9 Heidelberg 869 82 1 9,4 i 67 81,7 1395 79 49 5,6 Königsberg 590 209i<35,4; 189 90,5 1168 21 11 1,8 Leipzig . . 947 265|!28,0; 250 98,1 4404 143| 66 3,2 München . 2137 247:11,5 i 235195.1 4622 73' 53 1,6 Straßburg . 457| 101|22,1 | 93 92,1 1606; 20: 9! 1,2 Im ganzen 9015|11492[j 16,5|11393j 93,4 27152|572|330| 2,1 Man sieht hier, daß die große Majorität der Russen das medizinische Studium bevorzugt und daß ihr Anteil an der medizinischen Fakultät zwischen 4,8^ in Freiburg und 35,4 in Königsberg schwankt. Bemerkenswert ist aber, daß der Überfüllungsstreik von Halle ausging, wo die Russen nur 25 ausmachen und wo die Gesamtzahl der Hörer der medizinischen Fakultät nur 289 beträgt. Es scheint mir sehr zweifelhaft, ob bei solchen Verhältnissen von einer Überfüllung überhaupt die Rede $ein kann und ob hier nicht ganz andere Motive die Hauptrolle gespielt haben. Jedenfalls ließe sich aber durch viel mildere Maßnahmen ein Hinüberschieben der Ausländer nach den weniger oder garnicht besuchten Universitäten erreichen. Dass alle anderen Fakultäten durch die Russen in ihrem Gang kaum gestört werden konnten, erhellt aus deren geringem Anteil in denselben, der im Mittel nur 2,1 fo beträgt. Übertrieben ist auch die Schilderung der Verhältnisse an den technischen Hochschulen. Auch hier wird die scheinbare Überfüllung vorgetäuscht einerseits durch vielleicht zufällige Bevoruzgung einiger weniger Hochschulen seitens der russischen studierenden Jugend sowie andererseits durch ihren absoluten Ausschluß von jeder Aufnahme, wie es in Danzig und Stuttgart der Fall ist. So wird bei Betrachtung der Verteilung der Zuhörerzahi an den technischen Hochschulen in Darmstadt, Karlsruhe und München auf Grund der folgenden Zusammenstellung wirklich der Anschein erweckt, als ob die Ausländer den Betrieb etwas stören müssen. Aber auch hier ist zu berücksichtigen, daß die gegen die Ausländer gerichteten Bestimmungen ausschließlich die Russen treffen, obgleich sie an diesen drei Hochschulen nur etwa drei Fünftel der Ausländer ausmachen, während ihrer an den Hoch-